„5 Days Pouch Test“ – Teil 1

Das Wichtigste zuerst: die Bezeichnung „5 Days Pouch Test“ ist absolut unglücklich gewählt, finde ich. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht um einen „Test“, im Sinne von „wie viel passt in meinen Pouch“, sondern viel mehr um eine Art „Pouch-Reboot“. Also eine Vorgehensweise, die einem dabei helfen kann wieder „Back on Track“ zu kommen, sich der „Basics“ zu erinnern.

Ich bin bei meinen Recherchen zum „Schlauchmagen ausgedehnt?!„-Artikel auf den „5 Days Pouch Test“ gestoßen. Kaye Bailey, selbst langjährige Bypass-Patientin, hat diesen „Test“ als ein weiteres Werkzeug, für den Baukasten, der einem eine Adipositas-OP an die Hand gibt, entwickelt. Sie wollte, zu einem Zeitpunkt, viele Jahre nach ihrer OP, für sich herausfinden, ob ihr Pouch noch „arbeitet“ und das Gefühl der Restriktion und Enge wiederbekommen, an das sie einst bewogen hat, sich einer OP zu unterziehen und an das sie sich aus der Zeit nach OP erinnert.

Nun bin ich zwar erst 2,5 Jahre nach OP, habe einen Schlauch und keinen Bypass, aber mich hat die Idee und die Frage, die hinter diesem „Test“ steht, sofort angesprochen. Und weil die Gelegenheit günstig, meine Freundin sich gerade in ihrer eigenen OP-Vorbereitung befindet, eine weitere Freundin, mit einem über 5 Jahre alten Bypass, sich der „vor OP-Eiweißdiät“ angeschlossen, ich also sowieso das Thema im Sinn hatte und kommenden 5 Tage völlig unabhängig von der Familie essen und kochen kann, habe ich mich kurzentschlossen mit Quark, Hüttenkäse, Fisch und Huhn eingedeckt und mich dem „5 Days Pouch Test“ gewidmet.

Wie es mir ergangen ist, werde ich im „5 Days Pouch Test – Teil 2“ festhalten. In diesem „Teil 1“ soll es zunächst einmal nur um die Idee und die grundlegende Ausführung gehen.

Ich muss sagen, dass mich der Gedanke der „Restriktion“ und „Enge fühlen“, mit dem Kaye Bailey diesen „Test“ ausgearbeitet hat, zunächst einmal nur an zweiter Stelle interessiert hat. Vielmehr hat mich die Frage umgetrieben,  ob er sich nicht vielleicht positiv auf meine „Baustellen“ auswirken könnte, etwa mir mehr Zeit beim Essen zu lassen, meine Pause zwischen den Mahlzeiten einzuhalten und/oder mit den kleinen Portionen, wie sie für den „Test“ vorgeschrieben sind, zurecht komme.

Natürlich habe ich mich, im Hinblick auf meine „Flüssig/Eiweiß-Phase“-Diätenden Freundinnen, auch gefragt, ob ich das auch kann, flüssig, und ob ich so einen Test durchhalte. 5 Tage erschienen mir nicht allzu problematisch, aber was weiß man schon, oder? So manch einer hat sich schon komplett damit verschätzt und das „ach, dass mach ich doch mit links“ bereits zum Mittag in die Tonne gekloppt. Und vielleicht könnte es ja auch meinem Diät-müden Geist und/oder dem damit verbundenen „Gewichts-Stillstand“ den richtigen Impuls geben?

Der „5 Days Pouch Test“ wurde von Kaye Bailey jedoch nicht als Diät konzipiert. Die Devise heißt, iss so oft du Hunger hast; wenn dabei auch einige Grundregeln zu beachten sind und somit dieser „Test“ auch nicht als Einladung zum Schlemmen gedacht ist. Und doch, wird er gerne als dauerhafte „Mo bis Fr-5 Tage-Crash“-Diät missbraucht – was ihm reichlich Kritik einbringt.

Ich finde jedoch, dass man hier zwischen „missbrauchen“ und „(optimal) nutzen“ unterscheiden sollte. Wo dabei die Grenze liegt, hängt wohl, wie so oft bei solchen Themen, ganz individuell von Mensch zu Mensch ab. Denn selbstverständlich halte ich einen dauerhaften Schleudergang von 5 Tagen low calorie/high protein/low carb/low fat, gefolgt von 2 Tagen Wochenend-Zucker/Fett-Schlacht für keine sinnvolle Ernährungsweise.

Tatsächlich ist es in der Regel so, dass Test-willig, und ich schließe mich hier ein, ohne es bewusst zu forcieren, in diesen 5 Tagen weniger essen und damit ein paar Pfund verlieren. Denn beachtet man die Regeln, isst proteinreich (und low carb und low fat), kaut gründlich, isst bewusst, lässt sich Zeit, lauscht aufmerksam auf Voll- und Hunger-Signale, trennt essen und trinken strikt, trinkt ausreichend, hält die Pausen zwischen den Mahlzeiten ein und isst nur dann, wenn man Hunger hat (oder echten Hunger vermutet), wird man überrascht sein, mit wie wenig man als Adipositas-OP Patient auskommt.

Für mich, als Schlauchmagen-Patient, könnte ich es mir gut vorstellen, in Zukunft regelmäßig, vielleicht 2 mal im Jahr, so eine „5 Days Pouch Test“-Phase einzulegen. Nicht nur um wieder neue Impulse für den Umgang meinen Schlauchmagen zu bekommen oder das Gefühl für die richtige Essensmenge nicht zu verlieren, sondern auch, wenn angebracht, durchaus als Crash-Diät, die in die Richtung von psmf (protein-sparing modified fast) / Eiweißdiät / HSD (High Speed Diät) geht.

Ein weiterer Aspekt des „5 Days Pouch Test“ ist der des Zuckerentzugs. Viele AC-Patienten berichten es als ganz natürliche Entwicklung, nach der OP die Kohlenhydrate zu vernachlässigen, da nun das Gebot „Protein zuerst essen“ gilt. Mit der Zeit schleicht sich jedoch oft der „Zucker“, der hier für allgemein zu viele Kohlenhydrate steht, wieder in die Ernährung und das meist zu Ungunsten des Proteins und des Wohlbefindens (zb. Dumpings bei Bypass und/oder Zunahme, Rückkehr von Diabetes). Es dürfte nachvollziehbar sein, dass dieser Aspekt keine Relevanz für mich hat, da sich meine tägliche Kohlenhadrataufnamhe, ob mit oder ohne „5 Days Pouch Test“, doch sehr in Grenzen hält.

Ich denke jedoch, dass 5 Tage Kohlenhydratentzug einem schon recht eindrücklich zeigen können, was Zucker so mit einem macht. Ob diese 5 Tage, im Bezug auf den Umgang von AC-Patienten mit (zu vielen) Kohlenhydraten, jedoch mehr als nur schlechte Laune und Kopfschmerzen hinterlassen werden, wage ich jedoch zu bezweifeln.

Bevor ich zu den Empfehlungen zur Durchführung komme, eines noch zum Stichwort: „2 Tage flüssig Protein“. Hatte ich mich doch gerade noch lang und breit darüber ausgelassen warum meiner Meinung nach eine sogenannte „Flüssigphase“ vor OP, eigentlich eine „Eiweißdiät“ sein sollte, nicht zwingenderweise „flüssig“ sein muss, um erfolgreich eine OP-Vorbereitung durchzuführen und schon gar keine „flüssige (normale) Ernährung“ bedeutet, schon stürze ich mich in „2 Tage flüssig Protein“. So war es kein Wunder, dass die Irritation bei meinem zu Eingangserwähnten Freundinnen groß war, als auch ich um Suppe bat und mich munter dem Proteinshakes schlürfen angeschlossen habe.

Zum einen wollte ich diesen Test natürlich gemäß Anweisung durchführen und zum anderen sind Proteinshakes natürlich ideal um auf ausreichend Protein zukommen. Und mir ging es recht gut damit (wenn auch nicht perfekt) und ich muss auch sagen, dass das der richtige Einstieg war und es mir auch deswegen so leicht fiel. Vielleicht ist es nur Kopfsache, aber ich hatte das Gefühl, dass mich 250 ml Proteinshake mehr und länger sättigen als 200 g Fisch. Vor allem aber hatte ich keine Mühe mir für das Trinken von 250 ml Proteinshake Zeit zu nehmen. Mich solange mit der Portion Fisch aufzuhalten, habe ich nicht geschafft.

„5 Days Pouch Test“

Das Ziel ist nicht das Ergebnis auf der Waage. Dieser „Test“ soll dich, wenn deine Ernährung außer Kontrolle gerät, an die Basics erinnern. Du musst nicht perfekt sein – akzeptiere deine Schwächen, du bist ein Mensch und tue einfach dein verdammt Bestes. (frei nach Kaye Bailey)

Grundregeln

Es geht nicht darum ein Kaloriendefizit zu erzielen!
Essen und trinken strikt trennen.
Min. 1 Stunde Pause zwischen den Mahlzeiten einhalten.
Nur essen, wenn man hungrig ist.
Nur solange essen, bis man satt ist oder nach max. 15 min.
Sich min. 15 min. Zeit für deine Mahlzeit nehmen.
Gründlich kauen.
Nichts zwischenrein essen.
Iss high protein und low carb.
Min. 2 l pro Tag (mehrheitlich Wasser) oder mehr trinken. (Empfehlung: 40 ml / pro kg Körpergewicht, mehrheitlich Wasser)

Menüvorschläge und Rezeptideen gibt es zb. auf der „5 Days Pouch Test“ Homepage (englisch).

1/2 cup = ca. 120 ml
1 cup = ca. 240 ml
1 ounces = ca. 30 g
4 – 6 ounces = ca. 110 – 170 g
4-8 ounces = ca. 110 – 230 g

Tag 1 und Tag 2 – Flüssig Protein

Am ersten Tag gibt es Low carb Proteinshakes, Proteinpudding, Götterspeise (ohne Zucker, mit Süßstoff gesüßt), Brühe und klare oder cremige Gemüse-Suppen.

Suppen als max. 1 cup oder 4-8 ounces Portionen servieren. Puddings und Shakes gemäß den auf Packungsbeilage empfohlenen Portionsgrößen, max. 1 cup oder 4-8 ounces.

Tag 3 – weiches Protein

Heute wird der Speiseplan um folgendes erweitert: (Dosen) Thunfisch (oder wenn man ihn nicht mag Dosen Huhn oder Truthahn), Eier, Fisch (gebacken, gegrillt und leicht gewürzt), Joghurt, Hüttenkäse, Hart Käse, Tofu-Produkte (für Vegetarier)

(Dosen) Thunfisch (oder wenn man ihn nicht mag Dosen Huhn oder Truthahn), Eier, Fisch (gebacken, gegrillt und leicht gewürzt) in 1 Cup Portionen

Jogurt und Hüttenkäse in 1/2 Cup Portionen.

Käse in 1 ounces Portionen.

Mayonnaise, Senf, Relsih oder Salsa sind erlaubt, serviert in auf der Packung angegeben Portionsgrößen.

Proteinshakes, Proteinpuddins oder Götterspeise (ohne Zucker) oder Suppen, von Tag 1 und 2, in den empfohlenen Größen serviert, können auch weiterhin in den Speiseplan integriert werden.

Tag 4 – solides Protein

Heute kommen Hackfleisch und Seefrüchte dazu.

Hackfleisch (Rind, Schwein, Truthahn, Huhn, Lamb), angebraten oder mit etwas Gemüse gekocht und leicht gewürzt. Fisch und Seefrüchte, gegrillt und leicht gewürzt und Tofu-Produkte (für Vegetarier)

Es gelten weiterhin die Regeln für die Portionen. Alle Speisen von Tag 1, 2 und 3, in den empfohlenen Größen serviert, können in den Speiseplan integriert werden.

Tag 5 – festes Protein

Heute kommen Geflügel, Rind, Schwein, Lamm und Wild dazu.

Es gelten auch weiterhin die Regeln für Portionsgrößen. Alle Speisen von Tag 1, 2, 3 und 4, in den empfohlenen Größen serviert, können in den Speiseplan integriert werden.

Hier geht es weiter, zu meine Erfahrungen, mit dem „5 Days Pouch Test“ – Teil 2.