Anke in Ketose

Schon oft habe ich von dem sagenhaften Umstand der Ketose gelesen, ja einige der Autoren haben diesen magischen Zustand beinahe in den Himmel gehoben – da musste ich früher oder später neugierig werden. Und wenn nicht jetzt, wo mein Gewicht seit Wochen, wie festgetackert still steht, ist der richtige Zeitpunkt gekommen, dass einmal gezielt zu testen.

Wie immer habe ich mich erst einmal in die Recherche zum Thema gestürzt. Und ich bin dabei auf so viele wenns, abers, Pros und Contras, abenteuerliches und mythologisches gestoßen, wie man eigentlich zu jedem Thema finden kann.

Sagen wir es einmal so, dass einzige was für mich zählt, ist dass ich mich damit (für den Moment) gut fühle. Denn was ist schon „richtig“ und „gesund“? Ist es gesund 110 kg Übergewicht zu haben und/oder 110 kg abzunehmen? Oder sich den Magen verkleinern zu lassen? Wohl eher nicht.

So finde ich es natürlich sehr interessant verschiedene Blickwinkel eines Themas zu erfahren, doch letztendlich liegt es allein an mir, mich für einen zu entscheiden. Und ich habe mich entschieden (solange ich mich damit wohlfühle) Low Carb zu leben und es nun einmal mit der Ketose zu versuchen. Sollen sich doch die anderen darüber den Kopf zerbrechen, aus welchen Gründen, die traditionell lebenden Inuit gut mit dieser Ernährung zurechtkommen, was die Steinzeitmenschen tatsächlich gegessen haben und ob das so überhaupt auf uns (moderne Mitteleuropäer) übertragbar ist.

Ich will abnehmen und mich dabei essens- und hungertechnisch gut fühlen. Und dafür hat sich dieser 14tägige Ketose-Versuch als perfekt herausgestellt. Er hat mich nicht nur über mein Gewichtsplateau geschubst, sondern mir auch spannende Erfahrungen mit auf den weiteren Abnehmweg gegeben. Damit würde ich diesen Versuch als absolut erfolgreich und für mich „richtig“ bewerten.

Für mich war es wichtige erst einmal die Frage zu klären, ob ich denn tatsächlich so viel Fett essen kann, wie ich will, wenn man mit der Ketose abnehmen will.
Als ich vor 1 ½ Jahren mit Low Carb angefangen habe, bin ich in diese klassische Falle getappt und dachte Low Carb sei der Freifahrtschein viel essen zu können, so lange es nur keine Kohlenhydrate hätte. Das war insofern ein genialer Fehler, als dass ich deswegen gedanklich sehr viel bereiter war, mich darauf einzulassen. Als ich es besser wusste, war ich schon so drin im Low Carb, dass es mir nichts mehr ausmachte.

Aber unverbesserlich wie man ist, hofft man ja immer wieder. So mussten auch mein Mann und ich schnell feststellen, dass wir, um anzunehmen – natürlich – weniger Kalorien zu uns nehmen müssen, als wir verbrauchen. Es ist nur einfach so, dass wir uns mit Fett und Proteinen gefüttert, viel gesättigter fühlen und der (Heiß)Hunger, der uns unter dem Einfluss einer stark Kohlenhydrat-betonten Ernährung immer gequält hat, völlig verschwunden ist. Und gerade der letzte Punkt wirkte in diesem Ketose-Versuch noch ausgeprägter; was ich absolut fantastisch finde. Denn diese Last los zu sein, birgt eine wahnsinnige Erleichterung ins sich.

Dann wurde uns ein für alle Mal klar, wie unterschiedlich die Menschen sind und dass nicht eine Empfehlung auf alle angewandt werden kann. In den ersten Tagen unseres Ketose-Versuchs haben wir uns noch einmal am Tag unseren heißgeliebten schwarzen Tee mit Süßstoff (Xylit/Stevia) und Kaffeesahne genehmigt. Kleine Mengen Muffins und Cookies (ebenfalls mit Süßstoff gesüßt, Erythrit) gegessen und ich habe dazu auch noch einen Proteinshake getrunken.

Und während mein Gewicht damit trotzdem runter ging und meine Bluttests, mit unserem neuen Spielzeug, einem GlucoMen® LX Messgerät, anzeigte, dass ich in Ketose war, war das bei meinem Mann nicht der Fall. Auch litt er nicht wie ich unter der Atkins-Grippe. So stieg mein Blutdruck an (auf moderate 130/80), ich hatte leichte Kopfschmerzen, war gegen Abend wie erschossen, schlief wie ein Stein und hatte Durst, wie ein Pferd (was ausnahmsweise bei meinen Trinkmenge-Problemen eine sehr positive Sache war). Aber nach 5 Tagen war dann die Sachen auch endlich für mich durchgestanden, der Blutdruck ging zurück auf „normale“ Werte (110/70), die Kopfschmerzen und Müdigkeit verschwanden, zusammen mit dem Durst (was echt ein Problem war) und ich fühlte mich generell einfach großartig, war wach, konzentriert, energiegeladen und schlief tief und wachte erfrischt auf.

Nur mein Nüchternblutzucker blieb noch ein paar Tage länger ungewöhnlich hoch und fiel erst 10 Tage nach Beginn wieder ab.
In der Regel liege ich damit, seit ich am Abnehmen bin, laut verschiedenen Labortests um die 85 mg/dl (4,7 mmol/l), während diesen 14tägigen Versuchs lag er jedoch stets um die 108 mg/dl (6,0 mmol/l). Soweit ich das recherchieren konnte, es gibt nicht viele Informationen dazu, doch kommt das durchaus vor, wie verschiedene Stimmen in Foren berichten. Als Erklärung wurde angeboten, dass in Ketose der Nüchternblutzucker höher sei, als „normal“, da der Körper ja durchgängig Glucose herstellen muss, da z.b. die Leber keine Ketonkörper nutzen kann. Inwieweit das stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Zumal ich auch kein Diabetiker bin und nie war und das auch nicht so wirklich mein Thema ist.

Das einzige echte Problem, was ich hatte, war Durchfall. Aber nachdem ich mich an die Fettmenge gewöhnt hatte, bzw. diese z.b. in meinem Kaffee ein wenig angepasst hatte (zuerst hatten wir 50 g, später „nur“ noch 30 g genommen), wurde auch das besser. Ich denke auch, dass es wohl mit meinem Schlauchmagen zusammenhängen kann, der in dieser Hinsicht recht empfindlich ist, wie ich aus Erfahrung weiß. Kaum war die erste Woche rum, konnte auch ich mich über die träge Verdauung, wie sie viele Ketarier anmerken, beschweren.

Aber zurück zu unserer Ernährung: Wir haben also angefangen, vor allem den Speiseplan meines Mannes, zu optimieren. Dabei müssten wir auch gleich unsere lockere Einstellung, es erst einmal ohne zählen versuchen zu wollen, in den Müll befördern und haben angefangen zu rechnen.

Vor kurzem habe ich die leidliche Erfahrung gemacht, dass ich so überhaupt nicht mit dem Kalorienzählen zurechtkomme. Deswegen habe ich mich dieses Mal die Kalorien ausgeblendet, mich vollkommen auf Fett, Kohlenhydrat und Protein konzentriert und versucht ein gutes Verhältnis dafür zu finden.

Eine Empfehlung für den ketongenen Bereich habe ich wie folgt gefunden:

Fett 75 %
Kohlenhydrate 5 %
Eiweiß 20 %

Das hat nicht immer so richtig gut geklappt, denn die Kohlenhydrate und das Fett waren oft zu niedrig, die Proteine dagegen immer etwa zu hoch. Meine Werte lagen in diesen 14 Tagen in folgenden Bereichen:

Fett 60 – 70 %
Kohlenhydrate 2 – 5 %
Protein 27 – 36 %

Was wieder einmal zeigt wie verdammt schwierig es ist Mahlzeiten und den Tagesverbrauch nach irgendwelchen Vorgaben zusammenzustellen. Außerdem ging mir nach 14 Tagen die Zählerei mächtig auf die Nerven und ich bin echt froh das wieder los zu sein.

Anstelle der abendlichen ostfriesischen Tee-Zeremonie gab es nun ebenfalls einen Bullet Proof Kaffee, für meinen Mann wurden die Muffins, Cookies und den Süßstoff in Getränken gestrichen und für mich der Proteinshake, weil ich gelesen hatte, dass dieser ebenfalls die Ketose stören kann. Ob das nötig ist, sei dahin gestellt, aber es störte mich auch nicht gerade, wenn ich stattdessen einen Bullet Proof Kaffee genießen durfte.

Und dann kam auch endlich bei meinem Mann Bewegung in die Waage. Allerdings nahm er nur sehr langsam ab und „nur“ 2 kg ab. Nach meinem ersten Rutsch nach unten, legte die Waage bei mir, dann am 9 Tag einen Stopp ein. Ich habe es einigermaßen mit Fassung getragen, schließlich hatte ich erreicht was ich wollte, unter die Hundert zu kommen. Aber als dann sogar das Gewicht am Ende der 14 Tage wieder leicht hoch ging, war es dann doch kurz mit meiner Contenance vorbei.

Ansonsten kam ich doch erstaunlich gut mit einer solch sehr kohlenhydratarmen Ernährung zurecht. Ich dachte zuerst, ich würde bestimmt meinen Joghurt zum Frühstück vermissen, aber es geht tatsächlich auch mit einem Bullet Proof Kaffee. Doch Milchprodukte sind eindeutig meine Schwäche. So habe ich auch meine Kaffeesahne im Kaffee und in meinem schwarzen Tee vermisst, ebenso wie – wer hätte das gedacht: Karotten! Okay und auch mal was Süßes, aus meiner Low Carb Backstube und zwar über die Cookies hinaus, die ich mir LCHF-tauglich zurechtgemacht hatte.

Fazit: Das war eine wirklich sehr interessante und erfolgreiche Erfahrung. Und theoretisch könnte ich so weitermachen, mit dieser Art ketogener Ernährung. Praktisch fehlt mir doch so einiges, auf das ich nicht langfristig verzichten möchte.

Deswegen werden wir, nach diesem 14 sehr Low Carben-Tagen, langsam wieder auf unsere „normale“ Low Carb Ernährung mit 50 – 80 g Kohlenhydraten zurückkehren. Wir haben jedoch überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, in gewissen Abständen weitere min. 14tägige Keto-Phase einzulegen, um der Waage damit mal wieder einen Stoß zu geben und unseren Stoffwechsel etwas wachzurütteln.

(Haupt-)Speiseplan:

Kotelett mit Camembert überbacken und Brokkoli
Frikadelle mit Babybell-Füllung, Salat und Oopsie
Omlette mit Speck und Pilzen
Nackenbraten mit Pilzpfanne
Mit Käse gefüllte Pute in Speckmantel aus Blattspinat
Frikadellen mit Babybell und gebratene Zucchini
Rest Zucchini, Rest Frikadellen, Rest Pute
Hackfleisch-Wirsingpfanne
Essen gehen: Rumsteak mit Kräuterbutter und Blattspinat
Schweinfilet im Speckmantel, Brokkoli und Champignons
Pizza mit Käseboden
Putenrollbraten und Champignon-Pfanne
Oopsie-Hamburger
Spiegeleier, Speck-Käse-Päckchen und Rucola-Salat

Was sonst noch auf meinem Essensplan stand:

Wasser, Kräutertee
Bullet Proof Kaffee (300 ml frisch gebrühter Kaffee, 20 g Butter, 10 g MTC-Öl)
Hartkäse, Camembert
Kaminwurzen, Salami
Hartgekochte Eier
Mandel-Zimt-Cookies