[Brainwave] Deine Disziplin möchte ich haben …

Ich hatte mich ja bereits in meinem Beitrag „Innerer Schweinehund sucht Motivation“ im Allgemeinen mit „Disziplin“ befasst, doch in letzter Zeit wurde sie mir so oft um die Ohren gehauen, dass ich mir erneut Gedanken darüber gemacht habe.

„Deine Disziplin möchte ich haben“ oder „ich bewundere dich für deine Disziplin“ bekomme ich allerorten zu hören – und kann es irgendwie nicht verstehen. Ich und diszipliniert? Nein, auf keinen Fall.

Wäre ich das, wären viele Dinge in meinem Leben anders gelaufen, davon bin ich überzeugt. Vor allem was Disziplin und Abnehmen betrifft, habe ich ja wohl nicht gerade die große Karriere vorzuweisen, oder?

Ich denke, wir reden, gezwungenermaßen aus unbewusster und innerer Überzeugung, viel zu oft von „fehlender Disziplin“, „fehlende Motivation“ oder dem viel berufenen „Inneren Schweinehund“, also grob gesagt einer „für uns nachvollziehbare (bequemen) Ausrede“. Denn, wie ich von der Soziologie gelernt habe, für den Menschen ist ein als unangenehm empfundener Gefühlszustand, in diesem Fall „der andere kann/hat etwas, was ich nicht schaffe/habe“, mit der eigenen Überzeugungen/Vorstellung nicht vereinbar. Kognitive Dissonanz nennt man so etwas. Und eine solche muss der Verstand, aus reinem Eigenschutz um nicht durchzudrehen, für sich ausgleichen.

Spannend, oder? Nun, wie auch immer, die Disziplin ist nicht mit einem Mal vom Himmel auf mich gefallen und hat mich angetrieben, die Triebfeder muss also etwas ganz anderes sein. Und tatsächlich ist Abnehmen für mich heute keine Frage der Disziplin, sondern eine Frage der Bereitschaft ein Ziel erreichen zu wollen.

Schon vor vielen Jahren war mein drängendes und absolut herbeigesehntes Ziel schlank zu sein. Trotzdem habe ich es nie erreicht. Weil ich schlicht nicht bereit war, für das Abnehmen, dass zu tun, was dafür nötig ist. Vielmehr habe gehofft einen anderen Weg zu finden, der mir weiterhin ermöglicht Mengen an Essen zu verschlingen, gemütlich auf dem Sofa zu sitzen und mit dem Auto einkaufen zu fahren. Aber ich hatte mich zu diesem Thema ja bereits hinreichend in „Diät Geheimnisse Teil 1“ ausgelassen.

Heute schätze ich mich sehr glücklich, dass für mich eine Ernährungsumstellung und einer gesundheitlichen Besserung, mit der Adipositas OP und einer dadurch erleichterten erste Abnehmphase zusammenfiel. Aus Beobachtungen bei anderen Patienten und meiner eigenen Erfahrung behaupte ich, dass wenn nur eines davon geschehen wäre, ich nicht so weit gekommen wäre. Und ich wage zu behaupten, dass es auch nicht so nachhaltig gewesen wäre/sein wird; schließlich ist es durchaus so, dass Patienten 2 Jahre nach ihrer OP, schon wieder am Zunehmen sind.

Womit allerdings die Frage ob „zuerst das Huhn (Ernährungsumstellung) oder das Ei (Adipositas OP) da war“ nie endgültig zu klären wäre.

Eigentlich sollte ich in diesen Abschnitt noch das Buch „Fettlogik überwinden“ aufführen. Denn Buch und damit auch die Autorin haben viel dazu beigetragen vermeintliche Disziplin nicht damit zu verwechseln bereit für ein Ziel zu sein, sondern auch den Einsatz dafür zu akzeptieren.

Und dann gibt es da ja auch noch das „Paretoprinzip“, „Pareto-Effekt“ oder „80-zu-20-Regel“. Diese Theorie ist benannt nach dem Soziologen Vilfredo Pareto (1848-1923) und besagt, dass sich viele Aufgaben mit einem Mitteleinsatz von ca. 20 % erledigen lassen, sodass 80 % aller Probleme gelöst werden (wikipedia.org).

Also „kleiner Einsatz – große Wirkung“ oder „doch eher weniger ist mehr“? Aber Vorsicht, nur weil man sich intensiv für diese 20 % engagiert, so darf man die anderen 80 % nicht vollkommen außer Acht lassen. Ein Aufrechnen von 80 zu 20 auf 100 % darf man also nicht.

Doch ich finde, dass es grundsätzlich ein spannender und sehr motivierender Merksatz ist: Was auch immer ich erreichen will, ich sollte nur 20 % investieren müssen, wobei ich es dann so richtig krachen lassen muss, und damit 80 % bereits als erledigt sehen zu können.

Für mich habe ich die „80/20-Regel“ in einer (für mich) optimalen Ernährung und in einem passenden Sport „gefunden“. So „verzichte“ ich in meiner Ernährung auf ein bisschen was (Zucker, Süßigkeiten, Weißmehl-Produkte) und bekomme dafür viel Wohlbefinden und im Sport haue ich für kurze Zeit so richtig rein und bekomme dafür nachhaltige Muskelmasse, die wiederum kleinen leckeren Extras in meiner Ernährung zu Pass kommt, mich gesund und fit hält und damit ebenfalls zu viel Wohlbefinden führt.

Also hört auf mir was von eurer fehlender Disziplin/Motivation oder einen auf Boykott gestimmten Innerem Schweinehund zu erzählen, sondern fragt euch was ihr bereit seid zu tun um euer Ziel zu erreichen.

Und wenn ihr das für euch definiert und die Tatsache dass es nur so funktioniert akzeptiert habt, dann überlegt, wie ihr das Ganze so für euch optimieren könnt, dass ihr das „Paretoprinzip“ bestmöglich nutzen könnt.

(Ach, höre ich mich nicht toll an? So richtig wie ein professioneller Motivationstrainer! Also, damit habe ihr die Erlaubnis, sollte ich mal wieder Gegenteiliges behaupten und davon murmeln, dass mir im Moment die Motivation fehlt, so steht es euch frei mich an meine Besserwisser-Worte zu erinnern.)