[Brainwave] Diät-Geheimnisse Teil 1

Chemie und Physik lagen mir in der Schule einfach nicht. Grundsätzlich waren diese Fächer nicht uninteressant, doch für mich waren sie einfach zu hoch und ehrlicherweise hatte ich auch nie wirklich Lust mich damit zu beschäftigen. Diese Fächer habe ich nur ausreichend hinter mich gebracht, weil ich, ohne mich jemals um echtes Wissen zu bemühen, gespickt und geschummelt habe, wo es nur ging.

So ähnlich ging es mir bisher mit dem Abnehmen. Ich bin nie wirklich hinter diese „Wissenschaft“ gestiegen, sie war mir zu hoch, zu anstrengend und zu unbequem. Kein Wunder, dass ich auch dieses „Fach“ nur mit ausreichend hinter mich gebracht habe.

Während ich bei dem einen meinen „unfähigen“ Lehrern die Schuld gab, habe ich beim Abnehmen den Diäten (und meiner „Undiszipliniertheit“) den „Schwarzen Peter“ zugeschoben. Ich war natürlich alles andere als Undiszipliniert und per se waren auch die Diäten nicht schuld. Es war vielmehr so, dass ich beim Diäten so viele Fehler gemacht habe, mich an vorgegebene Pläne, Pulver, Pillen usw. gehalten und einfach getan was man mir sagte, vorschrieb oder vorsetzte. Es war unausweichlich, dass ich damit scheitern MUSSTE.

Aber wie diesen Kreislauf aus Denkfaulheit und alten Glaubenssätzen zu Sport- und Diät-Mythen unterbrechen? Für mich war es Glück im Unglück, das mir dabei geholfen hat, die Erfahrungen zu machen, die mich endlich zum Selberdenken und zur Eigenverantwortlichkeit herausgefordert haben.

Auch meine Schlauchmagen-OP hat mir dabei geholfen. Natürlich kann ich auf die Unterstützung und Hilfe von meinen Ärzten bauen, doch es war mir von Anfang an klar, dass diese OP nur dann ein Erfolg wird, wenn ich selber Verantwortung für mich übernehme und von mir aus aktiv werde.

Eine nicht minder große Befreiung habe ich erfahren als ich mich Anfang 2015 ins Low Carb gestürzt habe. Und zwar nicht primär um Abzunehmen, sondern die Durchfälle, Bauchschmerzen und Magenkrämpfe loszuwerden, die mich schon ein Leben lang verfolgten, und die nach der Darm-OP von 2009 zu meiner privaten Hölle geworden waren. Tatsächlich hat mich dieses Ziel so sehr abgelenkt, dass ich zunächst gar nicht richtig begriffen hatte, dass ich dabei war abzunehmen!

Ich bin heute davon überzeugt, dass diese „unbedarfte“ Herangehensweise an die Ernährungsumstellung eine Art „Ernährungstechnischer Reset“ für mich war. Wobei mich natürlich die gesundheitlichen Erfolge befeuert haben, sodass mir die vielen Änderungen, Verzichte und Kompromisse, die ich eingehen musste, leicht gefallen sind. Und natürlich hat mir dabei auch mein neuer, kleiner Magen geholfen, der erst wieder lernen musste seine Arbeit zu tun.

Aber auf einmal war alles anderes und ich erkannte, dass viele der „Ernährungsregeln“, die ich gelernt, gelebt und denen ich vertraut hatte, schlecht für mich waren, das Fitness-Mythen wie Seifenblasen platzen und alte Glaubenssätze in Frage gestellt wurden.

Diese Entwicklung zog sich über 1 ½ Jahre hin. Und dann passierte es, Gewichtsstillstand. Nichts ging mehr, dabei wollte ich ja noch weiter abnehmen! Ich wurde hektisch, probierte das und probierte jenes und klammerte mich, in meiner Furcht wieder zuzunehmen, an vermeintlichen alten Sicherheiten fest.

Doch zum Glück setzte sich zu diesem Zeitpunkt dann doch meine neue Erfahrung durch, die ich in den letzten Monaten gewonnen hatte. Und dank einer neuen, grundsätzlichen Bereitschaft alles in Frage zu stellen, fielen eine ganze Reihe von zufälligen Bemerkungen und Aussagen bei mir auf fruchtbaren Boden. Und endlich begriff ich, wie das eigentlich funktioniert, mit dem Abnehmen. Und nein, es ist keine Wissenschaft.

Was steckt nun also hinter dem Diät-Geheimnis?

Die Antwort darauf ist ganz einfach: um Abzunehmen muss ich weniger Energie zu mir nehmen, als ich verbrauche.

Das ist so einfach und doch so schwer zu akzeptieren. Ich zumindest wollte diese Tatsache nicht wahrhaben. Ich wollte einen Weg finden, der mich abnehmen lässt und dabei genauso weitermachen wie bisher. Auf etwas verzichten zu müssen kam für mich überhaupt nicht in Frage! Hatte ich es nicht gerade schwer genug mit meinen Kilos? Ich arme, von aller Welt missverstandene und diskriminierte Dicke sollte nun auch noch Verzicht üben? Ja, wo bliebe dann der Rest meiner eh schon knapp bemessenen Lebensqualität?

Ich habe wirklich alles versucht und jede noch so verquere Denkweise „ausprobiert“, nur um NICHT weniger essen zu müssen. Ich versuchte mir einzureden glücklich zu sein, stand täglich vor dem Spiegel und sagte mir, dass ich mich mag, so wie ich bin und habe dabei verzweifelte Tränen geweint, weil es eine solche Lüge war.

Ich sog alles was ich in die Finger bekam auf und lebte „Schokolade macht Schlank“, „Dicke leben länger“ oder „Dick und gesund“ aus, in der stillen Hoffnung es möge sich dadurch für mich etwas ändern. Ich versuchte in mich hineinzuhorchen um meinem Körper geben zu können was er verlangt. Doch leider blieb die Forderung nach Brokkoli stumm, stattdessen erhob sich ein Sturm der „Chips“ rief.

Ich übte mich im Erbrechen, im Watte schlucken (um den Magen zu füllen), nahm Abführmittel und Entwässerungstabletten, und einige Zeit habe ich sogar versucht meine Familie mit leckeren Angeboten zum Zunehmen zu bringen, damit ich unter ihnen nicht mehr die Dickste war.

Ich warf mir jede Pille und jedes Pülverchen rein, das ich in die Finger bekam oder mein Geldbeutel hergab. Ich trieb Ausdauersport, bis ich völlig fertig war und meine Lungen tagelang von der Überforderung brannten. Ich hoffte auf eine unentdeckte Schilddrüsen-Erkrankung, eine unbekannte Essstörung oder ein seltener Gendefekt, die in mir schlummerten und die mein Übergewicht erklären würden. Ich wartete auf eine Fee, die mit ihrem Zauberstab schnipsen würde und ich wäre schlank.

Es hat 48 Jahre meines Lebens gedauert bis ich verstanden und wirklich akzeptiert habe, dass mich nichts auf der Welt von alleine dünn macht, sondern dass nur ich das kann.

Und wieso bin ich mir so sicher?

Weil ich das in den letzten 2 ½ Jahren an mir erfahren habe; auch wenn es mir zunächst gar nicht so bewusst war.

Mein Kaloriendefizit im 1. halben Jahr nach der Schlauchmagen-OP war hoch, sehr hoch. Und es war mein Glück, dass ich mich ganz auf mich konzentrieren konnte, keinen Sport gemacht habe (von meinen kleinen Bewegungseinheiten einmal abgesehen) und mein Haushalt mich nur minimal gefordert hat.

Mit der Unterstützung der frischen Schlauchmagen-OP, der Flüssigphase um die OP herum, der Angst die Naht könne platzen, dem kleinen Mageninhalt und dem fehlenden Hungergefühl, habe ich die erste Zeit vielleicht 250 kcal am Tag gegessen.

Nach etwa 3 Monaten fing ich jedoch wieder an mehr zu essen, in dem Umfang, wie es mein neuer Magen zuließ, und damit auch mehr Kalorien aufzunehmen. In den folgenden 12 Monaten, nahm ich zwar immer noch ab, aß also weiterhin unter Energieumsatz, aber ich aß auch kontinuierlich mehr.

So kam ich Ende 2015 an den Punkt, wo ich genau die Menge aß, die mich nicht weiter abnehmen ließ, dafür jedoch mein Gewicht hielt. Ich habe also ein halbes Jahr für mein Körpergewicht bedarfsgerecht gegessen und deswegen mein Gewicht gehalten.

Heute weiß ich das, aber im ersten Vierteljahr dieses Jahres war ich noch fest davon überzeugt, dass mein Gewicht wegen meines „runtergefahrenen“ Stoffwechsels stagniert, weil, „so viel habe ich ja gar nicht gegessen“! Und überhaupt …. .

Doch die Sache mit dem „runtergefahrenen“ Stoffwechsel stellte sich als Mythos raus, das „gar nicht so viel gegessen“ als komplette Fehleinschätzung und der Schlauchmagen als Hilfestellung, aber nicht als Allheilmittel. Ich habe abgenommen, weil ich weniger Energie zugeführt, als ich verbraucht habe.

Und wenn das einmal funktioniert hat, dann müsste es doch auch wieder funktionieren, oder nicht? Wenn das mit dem bedarfsgerechten Energieverbrauch so stimmt, dann müsste es doch auch möglich auf diese Art und Weise weiter abzunehmen?

Es mag sein, dass es diesmal eine ganz neue Herausforderung ist, schließlich haben sich die Umstände gravierend geändert und ich muss viel genauer hinschauen. Doch ich habe nun die Erfahrung auf meiner Seite und die Akzeptanz, dass die Theorie zwar stimmt, aber eben doch auch nur Theorie ist und die Praxis eine ganz andere Geschichte.

Auf dieser Basis habe ich ein 6, bzw. 8-wöchiges „Fettlogik Experiment“ angelegt. 6 Wochen Grundumsatz, gefolgt von 2 Wochen bedarfs- und gewichtsgerechtem Energieumsatz.

Ich will damit ganz gezielt mein heutiges Wissen hinterfragen, an mir ausprobieren und wenn es mir gelingt es optimieren. Ich will wissen was Gewichtstechnisch so passiert, welchen Einfluss mein Training hat und wie es mir bei all dem ergeht. Vor allem aber will ich wissen, was ist, wenn die Zeit rum ist und ich mit meinen Kalorien wieder auf (einen gewichtsbezogenen) Energieumsatz gehe. „Jojo“, oder nicht „Jojo“, das ist die Frage.

Weiter geht es in „[Brainwave] Diät-Geheimnisse Teil 2“ (Artikel folgt demnächst).