[Brainwave] Ursachenforschung

Manchmal bin ich es wirklich müde darüber nachzudenken, was eigentlich in letzter Zeit schief gelaufen ist und noch immer schief läuft, also warum das mit der Diät einfach nicht weiter vorangeht und allgemein die „Jobzufriedenheit“ im Moment auf der Strecke geblieben ist.

Ich habe dem ja auch schon hinreichend Worte in meinen WoLogs gewidmet. Doch ich merke einfach, dass mich das Thema nicht los lässt und ich immer wieder aufs Neue an dem hin und her meiner Ideen, Entscheidungen, Kalorien und Gewicht zu Knabbern habe. Ergo: ich bin dem also noch nicht zufriedenstellen auf den Grund gekommen. Immerhin, das ist doch schon mal eine Erkenntnis.

Und doch bin ich über mich selber erstaunt, dass ich mich bisher – meist passiert mir das aus reiner Ungeduld heraus – in keine Ideen verrannt habe, die ich stur versucht habe umzusetzten, die sich letztendlich dann doch nicht „richtig angefühlt“ haben, ich aber das Gefühl hatte, dass es nun zu spät sei meine Meinung erneut zu ändern. Ich meine schon einmal über genau so einen Mechanismus etwas gelesen zu haben, bestimmt gibt es da in der Soziologie oder der Psychologie eine Bezeichnung, samt entsprechender Erklärung dafür.

Deswegen diese Notiz an mich: ich muss weder zu allem eine Meinung haben, noch Entscheidungen sofort fällen; wobei das natürlich Situationsabhängig gesehen werden muss; ich darf Fehler machen und mich irren und ich darf meine Meinung ändern.

Aber zurück zum Thema. Ich grüble also schon seit einer Weile darüber nach was mich davon abhält wieder in die Diät einzusteigen. Alle gedanklichen Wege, die ich bisher dazu eingeschlagen habe, sind früher oder später in Sackgassen geendet. Als gestern heute über ein ähnlich gelagertes, aber doch ganz anderes Thema nachgedacht habe, ist mir ein neuer Gedanke gekommen: Könnte es nicht damit zusammenhängen, dass ich Aussagen anderer, das ich doch nun genug abgenommen hätte, als Grund/Ausrede für mich zurecht gerückt habe, dass ich das ja vielleicht tatsächlich nicht mehr brauche? Ich mir also diese Aussagen quasi als Entspannung/Ausrede/Entschuldigung genommen mir essentechnisch etwas mehr zu gönnen?

Ich war immer gut darin mir unreflektiert und nicht durchdachte Aussagen zu eigen zu machen, solange sie mir gerade in den Kram gepasst haben. Dir geht es doch gut, du fühlst dich gesund, bist immer noch ausreichend beweglich, deine Blutwerte sind in Ordnung und schaffst deinen Alltag, also warum sollst du die Mühe zu machen abnehmen? He, schließlich macht Schokolade doch schlank, oder?

Und da ich tatsächlich im Moment ein wenig Diät-müde bin und einen ziemlichen Anschub bräuchte um damit weiter zu kommen, den ich im Moment nicht sehe, liegt es doch nahe sich einfach eines der vielen „nun braucht du aber nichts mehr abzunehmen“ zu eigen zu machen und sich zurück zu lehnen.

Seit ich von dieser „Krabben zurück in den Korb“-Phänomen in „Fettlogik überwinden“ gelesen habe, versuche ich auf solche Situationen zu achten, nicht nur im Hinblick auf das Verhalten anderer, sondern auch auf mein eigenes. Ich glaube, ich habe mich an anderer Stelle auch schon mal dazu ausgelassen. Aber es ist wirklich erschreckend wie oft wir, unbewusst andere damit auf unsere Niveau, oder eher sogar noch darunter, zu ziehen versuchen. Noch schlimmer finde ich, dass ich obwohl ich schon einiges darüber gelesen habe und mir das eigentlich bewusst sein sollte, mich ebenfalls mitrunter ziehen lasse.

Soweit so gut. Diese Überlegung als Ursache für meine Antriebslosigkeit mit der Diät weiter zu machen könnte also absolut Sinn ergeben und fühlt sich dazu auch „richtig an“. Nur was mache ich jetzt damit? Wie schüttele ich das „du brauchst doch nicht mehr abzunehmen“ ab? Und ist das überhaupt notwendig? Doch da ich im (Über-)Analysieren viel zu gut bin, könnte ich doch eigentlich darin üben, zufrieden zu sein, die Erkenntnis überhaupt gewonnen zu haben, oder? Ganz nach dem Motto: Situation erkannt, Gefahr gebannt. Braucht es mehr? Nun ich glaube nicht.

Vielleicht wäre es auch angebracht diese ganze Sache von anderer Seite anzugehen. Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass schon kleine Veränderungen, eine Variante des eigenen Trotts einschlagen, sich mit etwas neuem/anderem Beschäftigen, mich bisher immer wieder ein gutes Stück voran gebracht hat. Und das galt bisher bei mir auch in Punkto Essen. Erfolg ist nun mal eben eine Treppe.

Nehmen wir meinen Frühstücks-Haferflocken-Schichtkäsekuchen. Den habe ich nun mit echter Begeisterung über Wochen genossen. Gestern habe ich mir erneut einen gebacken und heute konnte mich nichts, aber auch gar nichts dazu verführen ihn zu genießen. Stattdessen gab es einen Käseteller zum Mittag. Vielleicht ist es auch einfach an der Zeit mal wieder was an der Ernährung zu drehen.

Ein interessanter Schritt wäre evtl. mich nochmals an lchf zu versuchen; hier habe ich doch einiges in Jimmy Moores „Ketgogene Ernährung“ dazu gelernt; auch im Hinblick darauf, dass wir im nächsten Jahr einen Langzeitversuch in Ketose starten wollen. Und wenn ich schon dabei wäre, vielleicht wäre es auch keine schlechte Idee, das mit dem Kalorientracken mal für ein paar Wochen zu lassen und auch die Waage nur noch wöchentlich zu besuchen?

Nicht falsch verstehen, ich halte Kalorienzählen und die Waage heute für hervorragende Hilfsmittel. Und ich komme mit beidem sehr viel besser zurecht als in der Vergangenheit und wollte sie nicht missen, aber es hemmt mich doch in Gewisserweise ein wenig mich an der wohltuenden Kalorienausgleichbilanz/Hunger/Sättigung von lchf oder der Ketose zu üben. Etwas was ich für mich unbedingt austesten will.

Also kurz, in alles ein wenig Entspannung reinbringen, wie mein Mann es so schon formuliert hat. Habe ja schon erwähnt, dass das für mich eine ganz schöne Herausforderung wäre? Puh.

Aber ja, wenn ich so darüber nachdenke, dann könnte es eindeutig Zeit für einen Richtungswechsel sein. So viel spricht dafür, z.b. im Training weiter zu kommen oder endlich mal wieder mehr Energie zu haben. Doch ich müsste meinen Wunsch, die 80 kg bis Jahresende zu erreichen erst einmal in die Tüte stecken. Und das fällt mir so schwer. Dabei wäre es nur vernünftig, denn habe ich in den letzten Wochen etwas erreicht? Nein. Nichts komma null nix.