Der Berg ruft!

Das Wandern ist des Müllers Lust … oder so? Nun ich finde Wandern nicht gerade die lustvollste Beschäftigung, die es gibt. Ganz im Gegenteil, sich so einen Berg hochzuquälen und Höhenmeter um Höhenmeter zu machen ist äußerst ätzend.

Und runter erst! Brennende Waden, ziehende Oberschenkel und schmerzende Knie nur um einen Berg, wie eine Begrziege runterzuhoppeln? Ich weiß wirklich nicht warum man sich so was antut. Da kann doch nur eine masochistische Ader dahinter stecken.

Insbesondere da meine äußerst eigensinnigen Füße, die kaum ein Paar Schuhe mögen und Fersen, die schon mal nach 15 min auf dem Laufband zu Blasen neigen, sind 10 km Berg auf und Berg ab nicht gerade zugeneigt.

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Übrigens meine Schuhe (Bergstiefel von Lowa) waren eingelaufen, ich hatte gute Wandersocken an und ich hatte meine Fersen mit (teuren) Blasenpflastern versorgt; wenn ich das nicht Voraussetzung gewesen wäre ….. nein, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken.

Und dann sind da auch noch die Gondeln und Sessellifte! Wer auch immer sich diese Folterinstrumente mit Aussicht auf jedem Zentimeter ausgedacht hat, gehört immer und immer wieder bestraft. Warum hat nicht ein Konstrukteur für ein unterhaltsames Inneres gesorgt, vielleicht ein hübsches Bild auf dem Boden oder interaktive Brillen, die Boden unter den Füßen vortäuschen? Stattdessen gibt es unansehnliches und langweiliges Riffelblech für die, die die Aussicht lieber nicht genießen wollen, weil sie nicht daran erinnert werden wollen, dass sie in einer kleinen Gondel irgendwo am Hang in der Luft rumhängen.

Und erst die Pinkelpausen-Romantik zwischen Gaststube und Stall, zusammen mit 100 anderen Blasenschwachen (und diesmal meine ich nicht nur die an den Fersen) Frauen. Raststätten-Toiletten-Schlangen bei den Damen-Örtlichkeiten sind ja berüchtigt, aber nichts gegen die auf der Alm.
Ja, und dann wäre dann da auch noch die Sonne am Berg. Es mag einige geben, die einen Altweibersommer genießen und an den letzten Tagen bei 30 Grad noch schnell in den See springen. Strahlende heiße (Altweiber-)Sommer-Sonne am Hang, auf Geröll, über der Baumgrenze, bedeuten nur wenig Genuss, sondern Schweiß UND Sonnenbrand; als wäre nicht eines schon schlimm genug.

Nun die einen nennen es eben eine Wanderung, ich nenne es eine Tortur. Siehe Bild, Anke nach 900 Höhenmetern.

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Und? Schon vorgebucht für nächstes Jahr? Aber klar. Denn natürlich zieht es uns im nächsten Jahr wieder dorthin und wir folgen in Bergschuhen, vollen und offenen Blasen und unter Schmerzen und Qualen dem Ruf der Berge.

Denn nichts ist für mich so befriedigend, wie am Ende den Berg bezwungen zu haben. Für mich, die vor kurzem noch praktisch komplett inmobil war und nun mal eben 800 oder 1000 Höhenmeter aus eigener Kraft macht, ist das einfach der Wahnsinn.

Ja, mir haben auf den letzten, zugegebenermaßen recht steilen Metern ein wenig die Beine gezittert und ich war nach 3 Stunden einfach nur froh auf dem Gipfel die Ruhe und den Frieden genießen zu können, den die gewaltigen Giganten um mich herum ausstrahlen.
Ach ja, und Blasenpflaster, egal was sie kosten mögen, sind jeden Cent wert!

Und deswegen werde ich diese Herausforderung auch wieder annehmen; den anderen beim Erleben zugesehen oder nur am Strand und Swimmingpool rumgelegen, habe ich wahrlich lange genug.

PS: Hier noch ein kleiner Nachtrag zum „Fettlogik“-Experiment: Weil ich mittlerweile sehr gut weiß, wie sehr viel träger meine Regeneration verläuft, wenn ich unter Bedarf esse, habe ich mir für diese Wander-Woche einen Freifahrtschein in Puncto Essen verpasst, Nüsse, getrocknete Früchte, Proteinriegel, Pfannkuchen schon zum Frühstück – und hatte die schlimmsten und komplett unrealistischsten Befürchtungen; deren Nährboden alte Fettlogik waren. Nun, heute hat die Waage genau dasselbe angezeigt, wie am letzten Tag meines Experimentes. Notiz an mich: Eat for Energy! Nur wer ausreichend isst, kann auch die Leistung erbringen, die die Kalorien wieder verarbeitet.