Dies & Das II

In dieser „Dies & Das“-Ausgabe möchte ich meinen Senf zu Bemerkungen und Fragen abgeben, die an mich herangetragen wurden. Gleichermaßen ist es auch wieder eine Gedankensammlung, die ich wie Dumbledore (der große Denker und Zauberer aus Harry Potter) sein „Denkarium“ nutzen, ebenfalls in ein Becken werfe, um sie später erneut und mit Abstand überdenken zu können. Denn, und auch hier stimme ich dem Dumbledore zu, manchmal hat man einfach viel zu viel im Kopf und dann tut es einfach gut diese Gedanken loszuwerden.

Mein Arzt, Diabetologe, Ernährungsberater, Heilpraktiker, Trainer …. ist nicht glücklich mit meiner Low Carb Ernährung

Diese Aussage verblüfft mich immer wieder ein wenig, denn nun mal ganz ehrlich, wenn ihr eurem Arzt, Diabetologen, Ernährungsberater, Heilpraktiker oder Trainer vertraut und/oder glaubt, warum haltet ihr euch dann nicht an deren Empfehlungen?

Wenn ihr es gegen deren Empfehlungen trotzdem versucht, dann kann doch euer Glaube/Vertrauen in sie nicht allzu groß sein, oder?

Damit wir uns nicht falsch verstehen, Ärzte retten mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung, ihrer Tatkraft und ihrem Engagement Leben und dafür bewundere ich sie. Trotzdem denke ich (heute), dass wir Patienten ein wenig mehr Selbstbewusstsein entwickeln sollten, schließlich geht es um unser Wohlbefinden, und nicht alles kommentarlos schlucken, sondern Diagnosen und Anweisungen durchaus kritisch hinterfragen.
Bzw. wenn wir uns dafür entschieden haben, ihren Anweisungen Glauben und Vertrauen zu schenken, diese eben auch befolgen.

Meine persönliche Erfahrung mit Ärzten ist nicht besonders positiv. Dabei kreide ich ihnen noch nicht einmal an, dass sie es nicht besser wussten. Ganz im Gegenteil, so erhielt ich bereits ein Jahr bevor mich, die Folgen eine außer Rand und Band geratene Entzündung im Darm für 6 Wochen auf die Intensivstation geschickt hat, die richtige Diagnose, Morbus Crohn. Doch leider verlies sich der untersuchende Arzt damals nicht auf seine (richtige) Diagnose, sondern schenkte den (falschen) Laborergebnissen glauben. Hätte er zu seiner Diagnose gestanden und die Untersuchung und Laborergebnisse wiederholt, wären mir vielleicht ein wochenlanges Leiden, Krankenhaus, Intensivstation, Thrombose, Lungenembolie und noch mehr Ärzte, erspart geblieben.

Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Ärzte allzu oft den bequemen Weg gehen. Und wenn sie dann auch noch das Glück haben einen Übergewichtigen Patienten vor sich zu haben, kann die Ursache jeglichen Leids eh ganz wunderbar auf den Patienten geschoben werden. Der Übergewichtige der sich eh schon schuldig und als kompletter Versager fühlt, weil es ihm nicht gelingt beim Essen an sich zu halten, ist der perfekte Sündenbock, der bereitwillig gerne noch ein bisschen mehr Last auf sich nimmt.

Überhaupt, hätte irgendeiner der Ärzte, die ich im Laufe der 35 Jahre aufgesucht habe, die mich bereits Magen- und Darmprobleme geplagt haben, auf eine chronische Darmerkrankung untersuchen können? Nein, kein einziger davon ist jemals auf die Idee gekommen, stattdessen haben sie mir erfolgreich (als guter Patient habe jede dieser Diagnosen natürlich brav verinnerlicht) Reizdarm, seelische Probleme, einen empfindlichen Magen, einmal sogar Muskelkater und natürlich Übergewicht (ach ne?) als Gründe diagnostiziert.

Und warum hat nicht ein einziger, nachdem es mit meinen Durchfällen nach der Darm-OP so schlimm wurde, eine Lösung in der Ernährung gesucht? Es kann doch nicht angehen, dass noch kein einziger Gastrologe (ich habe wohl an die 6 davon aufgesucht, wegen meiner starken Durchfälle nach der OP) je davon gehört hat, dass man den Verzicht auf Weizen & Co als Gegenmittel einsetzten kann?

Stattdessen wollten sie, dass ich Heilerde (deren wohltuende Wirkung ist nicht komplett abschreibe, die mir aber bei meinen starken Problemen als Heilmittel komplett überfordert war), Immodium akut (und zwar massenweise) und/oder Colestyramin nehme, ein Resorptionshemmer für Cholesterin, der auch bei chologener Diarrhö Einsatz findet. Ein höllisches Zeug mit einem Beipackzettel, der Nebenwirkungen locker von hier bis Frankfurt auflistet! Die Pharmaindustrie verdient einen Haufen Geld damit, da es Millionenfach bei hohen (angeblich so schädigenden) Cholesterinwerten eingesetzt wird und mit ihrer Cholesterinsenkenden Wirkung und besagten Nebenwirkungen bei ihren Patienten die Gesundheit ruiniert.

Ich mich weigerte dies Lösung zu akzeptieren und musste ich noch vier weitere Jahre leiden, bis zufällig einen Kommentar in einem Forum las, der davon berichtete, wie segensreich die Wirkung sei, die er mit dem Verzicht von Brot, Kartoffeln & Co. nach seiner Darm-OP (dieselbe, die auch ich hinter mir habe, eine Ileumresektion) bewirkt hätte (und auch bei mir bewirkte).

Deswegen frage ich euch, warum soll ich irgendjemand glauben, der mir erzählen will, dass nur eine Ernährung „richtig“ und „gesund“ wäre, die aus täglichen 45 – 55% Kohlenhydraten, aus Getreide, Getreideprodukte, Vollkornbrot, Kartoffeln, Obst und Gemüse (was ich ja esse, bzw. nun wieder essen kann ohne Durchfall davon zu bekommen) besteht?

Und überhaupt, wenn wir schon beim Thema sind, ergibt es irgendeinen Sinn einem Diabetiker (Typ 2) Kohlenhydrate zu empfehlen und ihm gleichzeitig die Spritze in die Hand zu drücken, damit er sie nach „dem Genuss“ „wegspritzen“ kann? Wäre es nicht viel sinnvoller Kohlenhydrate und Insulin gleichermaßen aus dem Leben zu streichen?

Ich würde mal behaupten, dass dabei der einzige Verlierer die Pharmaindustrie wäre – und naja, der können wir so was doch nicht antun, oder? Schließlich haben die schon genug darunter zu leiden, dass ich ihnen den lebenslangen Colestyramin-Absatz verweigere.

Mein Problem ist, dass ich immer noch „Dick im Kopf“ bin …

… und ich mir damit selber im Weg stehen, zb. wenn ich neue Menschen (und/oder einen möglichen Partner) kennenlerne. Diese Aussage einer, aus dem Club der Magenbypässe und über70 kg Verlierer, hat mich lange beschäftigt.

Denn tatsächlich ist es so, dass es auch mir unheimlich schwer fällt mein altes Gefühl für mein ehemaliges Übergewicht hinter mir zu lassen.

Nun ist es natürlich noch nicht so lange her, dass ich richtig dick war, die Erinnerungen sind also noch frisch und ich war sehr lange übergewichtig, was sich natürlich auch in mein Gehirn eingebrannt hat. Zudem habe ich im letzten Jahr einen rasanten Gewichtsverlust hinter mir, der mich durchaus schwindelig werden lässt.

Aber irgendwann muss es doch bei mir ankommen, dass ich eben keine 1,92 m Hüftumfang mehr habe, oder (sondern aktuell 1,23 m)? Dass ich nicht jedem Kompliment, kleinem Flirt oder mir entgegengebrachter Freundlichkeit gegenüber grundsätzlich skeptisch bin, es weit von mir weise und/oder es als Unsinn abtue (wahlweise um sich über mich lustig zu machen, mich zu verletzten oder mir etwas Gutes tun zu wollen). Oder dass ich nicht mehr voraussetze, dass Blicke von Fremden ausschließlich „Oh man, ist die fett“ bedeuten.

Und dass obwohl ich mich immer mal wieder – jedes Mal aufs Neue überrascht, aber doch durchaus – wohlwollend im Spiegel anschaue – eine grundsätzliche positive Stimmung scheint also tief in mir vorhanden zu sein.

Wie ist dass, wenn man abnimmt, mit dem Treppen laufen ….

„Ich puste im Moment wie ein Walross! Wenn ich abnehme, müsste das Treppensteigen doch einfacher gehen, oder?“ Diese Frage stellte mir jüngst unser sympathischer „BoFrost“-Fahrer als er von meinem Gewichtsverlust erfuhr; aber auch von meinem Orthopäden hatte ich sie schon gehört.

Doch leider musste ich ihm aus meiner Erfahrung heraus sagen, dass sich nur wenig daran ändert. Auch nach 90 abgenommen Kilos, kann man beim Treppensteigen noch genauso aus der Puste kommen, wenn man keine Fitness und vor allem keine Muskulatur aufbaut.

Leider geht auch die Arthose nicht weg, was mein Orthopäde bestätigte und meinen „BoFrost“-Fahrer betrübte. Oh, ich bin mittlerweile absolut schmerzfrei, was einfach toll ist. Doch ohne Kniebandagen beim Sport oder beim längeren Radfahren oder Wandern geht es nicht mehr.

Ich konnte ihm aber bestätigen, dass der Platzgewinn, etwa in seinem Fahrzeug, den er mit Annehmen erlangen könnte, einfach fantastisch ist. Oder das Platznehmen in jedem X-beliebigen Straßencafe-Stuhl, das Schuhe zubinden oder das Kofferpacken, wo doch die Kleidung so wunderbar mit dem Körperumfang geschrumpft ist. 😉

Meine Familie/Mann/Kinder wollen kein Low Carb/Paleo/LCHF ….

Was tun, wenn die Familien nicht mitmachen will? Diese Frage bekomme ich ganz oft zu hören und ich konnte feststellen, dass sie mitunter als sehr gerne Ausrede genutzt wird, um die Dinge beim Alten zu lassen. Denn wer will findet Wege, wer nicht will findet Gründe!

Deswegen fragt nicht was eure Familie will, sondern was ihr wollt; nicht nur, aber ganz besonders wenn ihr diejenige seid, die über Speiseplan, Küche und Kochen (in der Hauptsache) entscheidet.

Und macht es nicht komplizierter als es ist. Modifiziert die Mahlzeiten einfach so weit, dass ihr für euch Problemlos die kohlenhydratreichen Beilagen für euch weglassen könnt und gebt eurer Familie was sie möchte.

Zugegeben nicht alle Lieblingsspeise, bzw. Menüs lassen sich so umsetzten. Nudel- oder Kartoffelauflauf fordert eben, dass man, will man einen anderen Weg gehen, eine Alternative schafft, bzw. um eine weitere Auflaufform nicht umhin kommt. Aber auch hier ist es nicht schwer ein wenig Gemüse in eine Auflaufform zu werfen, Hackfleisch/Schinken/Tomatensoße/Sahne-Ei-Mischung und Käse drüberzustreuen.

Und gebt eurer Familie einfach ein wenig Zeit sich an eure neue Essenzusammenstellung zu gewöhnen. Genießt euer Essen, lehnt euch zurück und wartet ab bis sie neugierig werden – und das werden sie.

Es wird nicht von heute auf morgen gehen, doch ich garantiere euch, bald wird es Mahlzeiten bei euch geben, die vollkommen ohne kohlenhydratreichen Beilagen auskommen, Kuchen, die mit Nussmehlen gebacken wurden und selbsthergestellte Keto-Schokolade – und die alle lieben werden.

Deswegen lasst eure Familie nicht der Grund sein euch von Low Carb abzuhalten. Wenn ihr Gründe dagegen habt, dann wenigstens solche, die auch euch betreffen.

Wirkt es sich negativ (auf Psyche und Motivation) aus, sich ein (Gewichts-)Ziel zu setzten?

Darüber hatten wir letzten eine recht interessante Diskussion, als ich bemerkte, dass ich, nachdem ich nun die 100 erreicht hätte, es endlich wagen würde, mir die 80 auf die Fahne zu schreiben.

Es wurde schnell klar, dass die Fronten bei diesem Thema, je nach Charakter, sehr unterschiedlicher Natur waren und wohl in diesem Punkt auch kein gemeinsamer Nenner zu finden ist.

Während sich die einen auf keinen Fall mit einer Zahl unter Druck setzten lassen wollten, erscheint es den anderen, als perfekte Motivation, ein solches Zahlenziel zu haben. Wie so oft denke ich jedoch, dass die Wahrheit und die beste Vorgehensweise wohl irgendwo dazwischen liegt.

Prinzipiell denke ich, dass es kein Problem darstellt, wenn man sich ein (Gewichts-)Wunschziel setzt; solange man offen dafür ist, dieses auf dem Weg dorthin ggf. anzupassen. Damit hat man ein bisschen von allem, (positive) Motivation, (negativen) Druck und gewissermaßen eine Hintertür.

Denn ich finde, dass ein allzu verbissener Umgang damit, uns keine Möglichkeit mehr für einen Blick nach rechts und links, eine Neuausrichtung oder eine Anpassung lässt. Zudem stempelt er uns, sollten wir es nicht schaffen das angesetzte Ziel zu erreichen (wobei es ja auch dafür durchaus einen guten Grund geben kann, denn wir dann jedoch nicht sehen können), gnadenlos als Verlierer ab.

Deswegen: Ich will kein Verlierer mehr sein, Träume trotzdem von der 80zig als mein Ziel und würde sie gerne erreichen. Sollte ich mich jedoch auf meinem Weg dorthin, mit einer anderen Zahl ebenso wohlfühlen oder mein Körper diese vorbestimmte Zahl nicht zulassen, bin ich absolut offen dafür auch jede andere anzunehmen.

Mit einer Einschränkung: ich werde tun was ich kann, damit ich nie wieder über die 100 komme und was „diese“ Zahl betrifft bin ich auch nicht bereit zu verhandeln. 😉