Dies & Das

In der letzten Zeit hat es so einige Dinge gegeben, über die ich mir Gedanken gemacht habe. Aber nicht immer sind diese Themen so umfangreich, dass ich sie hätte in einen eigenen Artikel packen können. Deswegen habe ich hier einfach alles zusammengefasst, was mir so durch den Kopf gegangen ist.

Warum Low Carb, warum nicht Low Fat?

Hat man sich für eine Ernährungsform entschieden, die nicht der „Norm“ entspricht, ihr sogar ein Stück weit widerspricht, hat man alle Hände voll zu tun sich dafür zu recht fertigen.

Allein bis meine Familie, in diesem Fall meine Eltern, sich damit abgefunden hatten, dass ich eben keine Nudeln mehr esse und es auch nie wieder tun werde, war das Schwerstarbeit. Noch heute, beinahe 1 ½ Jahre nach meiner Ernährungsumstellung muss ich mir noch anhören, dass „ja auch bald wieder Pommes Frites/Nudeln/Brot gehen“ und „dass man ja auch mal eine Ausnahme machen kann“ oder man gar „langsam essen soll, damit mehr ein passt“ (was in diesem Fall natürlich auf den Schlauchmagen bezogen ist).

Oft denke ich, lass mir doch meine Ruhe, ich mach was ich will und lass dich dafür ebenfalls tun was du willst. Aber es kommt eben doch vor, dass ich meinem Gegenüber, den ich schätze und liebe, ein Stück vom dem Wunder, dass ich im Moment erlebe, vermitteln möchte. Insbesondere wenn ich sehe, dass er oder sie an ähnlichen Problemen leidet, wie ich gelitten habe.

Dann finde ich es vollkommen angebracht, dass ich mich hin und wieder mit missionarischem Eifer ins Gefecht zu stürze. Und dabei mitunter etwas gereizt auf das Thema „aber was ist dann mit meiner Lebensqualität, wenn ich auf alles verzichten muss“ reagiere.

Lebensqualität erreicht man also durch den Genuss von Chips & Co und dem Frühstücksbrötchen? Arme Welt! Ich für meinen Teil verzichte auf gar nichts und keiner kann leugnen, dass ich meine Lebensqualität exponentiell gesteigert habe.

Doch warum habe ich mich für Low Carb und nicht etwa Low Fat entschieden? Nun, ich stehe erst am Anfang, aber Low Carb scheint genau mein Weg zu sein; ich komme wunderbar damit zurecht, fühle mich absolut wohl und habe das erste Mal, seit ich denken kann keine seelischen und physischen Heißhungerattacken mehr.

Aber natürlich ist da auch noch mein Darm (und meinen Morbus Crohn) der mir jeden einzelnen Tag dafür dankt, dass ich meine Kohlenhydrate reduziert habe und Darmbluten, Durchfälle und chronische Entzündungen in Schach hält; was 40 Jahre lang, die auch so gesunden Ernährungsempfehlungen der DEG (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), zahlreiche Ärzte und Ernährungsberater nicht geschafft haben.

Deswegen werde ich den Low Carb-Weg, so lange er mir gut tut, auch weiter beschreiten.

Darüber muss ich mich natürlich immer wieder besinnen, dass man eben auch mit Low Fat abnehmen kann. Und eben einfach nicht jeder mit dem Low Carb-Prinzip zurechtkommt. Zumal was für mich wirkt, braucht nicht für andere nicht genauso zu funktionieren. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Aber ein Versuch ist es wert und man verliert nichts, wenn man es mal für 4 Wochen ausprobiert, oder?

Ich gebe es zu, im Rausch des Erfolges, ist es nicht immer leicht, sich das vor Augen halten. Da geht schon mal der Gaul mit mir durch und es ist kein Wunder, wenn man dann mit „da sind zu viele Kohlenhydrate drin“ zitiert, bzw. auf den Arm genommen wird.

Letztendlich kommt es doch nur darauf an, dass man die gewählte Ernährungsform auch tatsächlich leben kann und zwar nicht nur für eine begrenzte Zeit, sondern ein Leben lang gut damit zurecht kommt.
Denn nur genau das, ist nämlich die einzige „Diät“, die auch Erfolg hat.

Nur Low Carb im Sinn?

Wenn man wie ein Detektiv durch den Supermarkt schleicht und bei jeder Gelegenheit „Kohlenhydrate, ich habe euch erwischt“ ruft, immer und überall mit dem einen Thema ankommt und seinen Mitmenschen damit gründlich auf den Nerv geht, kann man schon mal an seiner eigenen geistigen Gesundheit zweifeln.

Ich verfüge über den Luxus, dass ich mich im Moment vollkommen meinem Abnehm-Projekt widmen kann und ich seit der Adipositas-OP eben nicht mehr nur Hausfrau und Mutter, sondern vor allem Vollzeit-Low Cabler bin.

Also ja, ich habe im Moment nur Low Carb im Sinn. Was für mich auch kein Probleme darstellt, da es mir zurzeit einfach großen Spaß im Internet zu recherchieren, Rezepte zu sammeln und auszuprobieren und diese auf meinem Blog kundzutun.

Low Carb Brot?!?

Meine Freundin, die ich erfolgreich dazu angestiftet habe, es doch auch mit Low Carb zu probieren, und ich wurden gefragt, als wir von unseren Versuchen erzählten, warum wir uns so bemühen Alternativen für Brot & Co zu finden, anstelle das „Brot“ einfach sein zu lassen?

Ich habe lange darüber nachgedacht und musste feststellen, dass ich der Fragerin in gewisserweise Recht geben muss. Ist dienlich mit Alternativen experimentieren? Warum so tun als ob, warum das Ganze nicht gleich weglassen?

Nun weil das eben gar nicht so einfach ist. Denn gerade für meine Freundin, die nicht in dem Umfang gesundheitlichen Nutzen daraus zieht, wie ich mit meinem Crohn und mit ihrer 3-monatigen Erfahrung noch als Einsteiger gelten kann, fällt es unendlich schwer auf knuspriges Brot, den knackigen Kräcker oder fluffigen Pizzateig zu verzichten. Klar, das Zeug ist ja auch verführerisch – und ja genau zu diesem Zweck konzipiert!

Und auch wenn ich persönlich längst mit Brot & Co abgeschlossen habe, so bin auch ich nicht bereit völlig auf süße Backwaren verzichten und froh hier Nussmehl-Alternativen gefunden zu haben; auch wenn es nicht so günstig ist massenweise Nüsse zu futtern oder gar Zuckerersatz zu nutzen.

Anders als im Paleo, wo geraten wird besser auf solche Sachen zu verzichten, sucht das Low Carb bewusst nach Alternativen und nutzt alles was sich finden lässt. Ich schwanke stets so ein bisschen zwischen beiden hin und her und bin eigentlich auch recht zufrieden damit. Das ist eben mein persönlicher LC-Weg.

Pro/Contra Adipositas OP

Zuerst habe ich es als ein Scheitern auf ganzer Linien angesehen, eine Adipositas OP auch nur in Erwägung zu ziehen und ich habe Jahrzehnte gebraucht umso ein Vorgehen ernsthaft in Betracht zu ziehen.

Heute weiß ich, dass es ziemlich arrogant von mir war zu denken, dass nur Feiglinge und Willensschwache auf solche Methoden zurückgreifen müssen, die ich verquererweise als Verräter am „ehrlichen“ Abnehmwilligen gesehen habe.

Zudem ist der Eingriff an einem (in der Regel) gesunden Organ risikoreich und die gesundheitlichen Folgen der Operation und des schnellen und umfangreichen Gewichtsverlust für Körper und Geist nicht absehbar.

Tatsächlich kenne ich Operierte, die heute, 4 und mehr Jahre, nach ihrer Operation, diesen Schritt bereuen. Denn auch eine Adipositas OP ist kein Garant für ein dauerhaft schlankes, gesundes und/oder glückliches Leben. Man kann sich eben mal nicht so schnell den Magen operieren lassen und den Kampf gegen die eigenen Pfunde als gewonnen abhaken.

Im Strudel der Tiefe und der entsetzlichen Kenntnis komplett versagt zu haben, der mich im Oktober 2013 nach unten zog, wäre es mir natürlich recht gewesen wenn ich mich lediglich operieren lassen müsste und dann alles gut werden würde.

Ich habe es vor allem meiner wundervollen Selbsthilfegruppe zu verdanken, dass ich verstanden habe und für mich wirklich und wahrhaftig akzeptiert, dass das so nicht funktioniert.

Aber erst die Hoffnung auf ein Hilfsmittel bei meinem Kampf, hat überhaupt erst alles in Bewegung gebracht. Hätte ich damals nicht angefangen, mich um eine mögliche OP zu bemühen, hätte ich vielleicht gar nicht die Kraft gehabt, mich um Veränderung zu bemühen.

Für mich sind die Adipositas-OP und meine Ernährungsumstellen eng miteinander verbunden, ohne das eine hätte es das andere womöglich nie gegeben. Doch es gibt auch Tage, an denen macht mir meine Entscheidung, den Magen verkleinern zu lassen, schlicht weg Angst.

So kann ich jeden verstehen, der er sich gegen eine solche Operation entscheidet. Und ich zolle all denjenigen meinen allergrößten Respekt, die ihre Gewichtsabnahme, ohne die Unterstützung einer Adipositas OP angehen oder angegangen sind.

Aber auch die Gruppe, die wie ich, auf eine Hilfestellung durch eine OP hofft, kann ich heute verstehen. Man sollte sich nur nichts vorlügen, denn auch mit Bypass und Schlauchmagen, die gewünschte Figur kommt nun mal nicht von alleine.

Für mich ist die Frage müßig, ob ich es auch ohne Schlauchmagen geschafft hätte. Denn ohne den Antrag auf Bewilligung (und Genehmigung), hätte es wahrscheinlich auch keine dermaßen engagierte und grundlegende Ernährungsumstellung für mich gegeben.

Wann ist Low Carb Low Carb?

Schon um Zeit und Nerven zu schonen halte ich mich Größtenteils von Diskussionen zum Thema fern. Ich bin niemand der ein „sauberes“ Paleo lebt oder Anspruch darauf erhebt „richtiges“ Low Carb auf den Tisch zu bringen.

Ich habe mein Leben lang (Ernährungs-)Regel von anderen befolgt und bin stets damit gescheitert. Nun mache ich meine eigenen Regeln. Ich informiere mich nach besten Wissen und Gewissen, probiere aus, wäge ab, mache Fehler, lerne daraus – entscheide mich am Ende aber immer für den Weg, der mir persönlich am besten erscheint.

Im Lauf der letzten 1 ½ Jahre hat sich dabei einiges geändert. Und das finde ich auch gut so, denn es zeigt, dass ich in meiner Entwicklung nicht still stehe, sondern innovativ voran schreite (so empfinde ich das zumindest).

Habe ich also damit angefangen 150 g Kohlenhydrate pro Tag für mich als Low Carb zu definieren, so war das perfekt zu dem damaligen Zeitpunkt. Heute ist Low Carb für mich eher um die 50 – 80 g Kohlenhydrate pro Tag.

Die Frage und die Diskussion darum entlockt mir bestenfalls ein Schmunzeln, meist aber ein resigniertes Kopfschütteln.

Endlich Glücklich?

Keine Frage finde ich irritierender als die „ob ich nun glücklich sein, nun da ich so viel abgenommen habe?”

Und auch wenn ich sie schon zig Mal gehört habe, so bin ich noch immer wieder so verblüfft, dass ich darauf keine adäquate Antwort geben kann. Was wollen die (in der Regel normal-gewichtige) Menschen hören, wenn sie mich das fragen?

Wenn sie wissen wollen ob sich der Alltag als dünner Mensch einfacher gestaltet, dann ist die Antwort definitiv: „ja“. Wenn die Antwort darin besteht zu erfahren, das „dünn sein toll ist“, das ich „jetzt erst richtig lebe“ und „nun endlich glücklich bin“ gibt es keine andere Aussage von mir als ein: „nein“.

Denn „dünn“ sein macht nicht mehr oder weniger glücklich als „dick“ sein. Wäre es so, dann wäre ich 30 Jahre lang dauerhaft unglücklich gewesen; was – nur um das klar zu stellen – nicht der Fall war.

Klar, es hat ein paar Vorteile, irgendwo in der Stadt in einem x-beliebigen Kleidergeschäft von der Stange kaufen zu können, ist schon ziemlich cool, im Kaffeehaus-Stuhl im Straßencafe zu sitzen, ohne in den Stuhl gepresst zu werden oder am Ende gar nicht mehr rauszukommen. Man hat keine Angst mehr, dass man die Toilette aus der Wand reißen könnte und braucht im Flugzeug um keine Gurtverlängerung mehr zu bitten.

Und natürlich ist es ein gutes Gefühl nicht mehr durch seine enorme Körperpräsens in einer Menschenmenge aufzufallen. Näher am Tisch sitzen zu können und so nicht mehr Gefahr zu laufen, sich immer mit allem zu bekleckern. Auch sich bewegen zu können ohne sofort aus der Puste zu sein, ist eine feine Sache. Aber bedeuten diese Gefühle wirklich Glück?

„Glücklich sein“ ist für mich etwas anderes.

„Wenn ich dünn bin, dann ….“ scheint tief zu sitzen. Auch ich hatte mich einst diesem Chor angeschlossen und hätte mein Leben gerne solange auf Eis gelegt, bis es mir eines Tages gelänge „dünn“ zu sein. Doch das geschah nie und irgendwann habe ich verstanden, dass das so eben nicht funktioniert. „Leben“ kann man nicht aufschieben, bis man irgendwann glaubt, dass es nun mit dem eigenen Körpergewicht harmoniert und gelebt werden kann.

Glück habe ich auch als Dicke erlebt, ebenso wie Pech, Liebe, Eifersucht, Not und Freude. Es gab gute und schlechte Tage, glückliche und traurige, unpässliche und fröhliche. Und daran hat sich auch nach 90 abgenommen Kilos nichts geändert.

Ich sehe diese Punkt, bzw. diese Erkenntnis, als das spannendste Fazit der vergangenen Monate: Ich bin immer noch ich – mit all meinen Problemen, Eigenschaften und den kleinen Verrücktheiten, die das Leben ebenso ausmachen.

Aus aktuellem Anlass, hier noch ein PS: Wie mir meine Waage heute Morgen mitgeteilt hat, habe ich heute exakt 90 kg an Gewicht verloren. Noch bin ich nicht der, von mir so ersehnte uHu (unter Hundert), aber ich bin unglaublich stolz auf mich.

Trotzdem wogt in mir immer noch die nie enden wollende Panik, dass es damit vielleicht eines Tages wieder vorbei sein könnte. Ich kann sie einfach nicht unterdrücken und schon gar nicht loswerden. Zudem trauere ich um die 30 (und mehr) Jahre, die ich, die 90 kg mehr, mit mir herumgetragen, so sehr gelitten und mich um so vieles gebracht habe.

Und so sehr ich mich über meinen Erfolg freue, so bitter-süß ist er doch, dass mir nach dem Wiegen erst einmal dicke Tränen über das Gesicht gelaufen sind. Sollte ich jemals die 100 unterschreiten, werde ich mich wohl komplett zur Heulsuse wandeln.