Dr. Latham Flanagans „cottage cheese“-Test

Eigentlich wollte ich erst einmal meinen Erfahrungsbericht zum „5 days pouch test“ nachschieben, doch, da sich heute morgen die Gelegenheit, für diesen „cottage cheese“-Test, ergeben hat, muss ich zunächst meine verblüffendes und irritierende Ergebnis von Dr. Latham Flanagans Versuch und meine Überlegungen dazu auf notieren.

Bei meinen Recherchen zur „Pouch- und Schlauchmagendehnung“ und „5 days pouch test“ bin ich über den offiziell im Jahr 2000 von dem Arzt Dr. Latham Flanagan vorgestellten Test zur Pouchgröße gestoßen. Wie von so vielen dieser Sachen habe ich bisher noch nicht davon gehört, in den USA scheint er sich jedoch als „Standard“ etabliert zu haben.

Grundsätzlich ist er für den Bypass-Pouch konzipiert, weshalb es auch nur „Größen-Empfehlungen“ (wobei „Größen“ und „Empfehlungen“ dabei sehr vorsichtig zu bewerten ist, aber dazu später mehr). Der Test funktioniert jedoch genauso gut für den Schlauchmagen; wobei hier angemerkt wird, dass man mit einem aussagekräftigen Test 2 Jahre nach OP warten sollte, bis der Sleeve „ausgereift“ ist.

Hier erst einmal zum Testverfahren:

„Der Hüttenkäsetest“

Kaufen Sie einen Becher mit (fettarmen) Hüttenkäse.
Beginnen Sie den Test mit einem vollen Becher und führen Sie den Test morgens auf nüchternen Magen aus.
Essen sie den Hüttenkäse in ganz „normalem“ Tempo, zügig, ohne Pause, aber auch ohne zu schlingen oder sich vollzustopfen, bis sich das erste Völlegefühl meldet. Nach max. 5 min aufhören zu essen.
Füllen Sie den nun teilweise gegessenen und teilweise leeren Becher mit abgemessenem Wasser auf, bis der Wasserstand den ursprünglichen Füllstand des Bechers zeigt.
Die Menge des, in den teilentleerten Hüttenkäsebecher gegebenen Wassers, zeigt die Größe ihres Pouchs an.

Den geleerten Becher kann man auch einfach auf eine Küchenwaage stellen und mit kaltem Wasser auffüllen und das Gewicht messen. 100 ml Wasser (korrekt bei 4 Grad Celsius) = 100g (+ je nach Temperatur, ein paar „Zwerquetschte“ mehr). Ich empfehle hier unbedingt den Hüttenkäse von „Gervais“ zu nehmen. Ich mag Hüttenkäse wirklich und bin da eigentlich nicht so wählerisch, aber wenn man schon früh morgens, auf nüchternen Magen, Hüttenkäse futtern soll,  dann doch bitte den besten, den es gibt. 😉

Ich habe mir einen dieser doppelten „Gervais Hüttenkäse“ mit 400 g gekauft; weil ich mir ganz sicher war, dass mir ein 200g-Becher nicht reichen würde. Ich habe mich also gleich nach dem Aufstehen, meine letzte Mahlzeit (ich gestehe, ich hatte in der Nacht vorher, spät noch Nüsse genascht) war ca. 8 Stunden her, ans Hüttenkäse futtern gemacht. Dazu ausgewählt habe ich den relativ kleinen Dessertlöffeln, den ich seit meiner OP, immer für Cremespeisen nutze. Und losgelegt.

Ich war wirklich verblüfft, dass ich, kaum hatte ich, für meine Begriffe, richtig angefangen, auch schon wieder das erste zarte, aber dennoch deutliche, leicht drückende Völlegfühl in mir „hören“ konnte. Und die 5 min. waren noch nicht einmal ganz vorbei! Da ich auf Nummer sicher gehen wollte, habe ich noch 2 Löffel nachgelegt, aber dann war Schluss. Ich hätte beim besten Willen keine weiteren Löffel mehr geschafft.

Also Wasser bis zur Füllmarke, die ich mir extra markiert hatte, auf den doch erheblichen Rest in meinem 400g „Gervais Hüttenkäse“-Becher – und wie viel ging rein? 150 ml? 150 ml?!

Ich habe mich nun schon so eingehend mit dem Thema befasst und weiß (tief in mir) das eigentlich auch alles, aber trotzdem kann ich’s immer noch nicht ganz fassen. 150 ml sind das an ca. Volumen was im meinem OP-Pass (OP Juni 2014) steht!

Und deswegen wird es Zeit, dass ich folgendes endlich in meinem Kopf bekomme:  Wie es ausschaut, ist das (in Ermangelung eines anderen Wortes, bezeichnen ich es einfach mal als) „technisches“ Maß meines Schlauchmagens, im leeren und morgendlichen nüchternen Zustand, nach wie vor die 150 ml, die ihm von OP an zugeschrieben wurde.

Scheinbar habe ich ihn tatsächlich so „schonend“ behandelt und ihn nie über diesen Punkt hinaus und schon gar nicht dauerhaft „vollgestopft“ (also bis zum möglichen Übergeben, was, bedenke ich die Berichte, die ich bisher so in den Selbsthilfegruppen gehört habe, gar nicht so selten vorkommt), als dass er sich ausgedehnt haben könnte.

Aber natürlich ist mein Magen nun ja ausgeheilt und vermag sich in seine ganz normalen Funktion, auf Grund seines natürlichen Aufbaues (Bindegewebe, Schleimhautfalten usw.), bei zugeführten Mahlzeiten dehnen, weswegen ich natürlich größere Portionen zu mir nehmen kann. Und, wo mich der Schlauchmagen auch nicht bremst, weil es sich dabei ja um immer nur kleine Volumen handelt, viel zu oft, kleine Snacks zwischendrin esse, die sich am Ende des Tages natürlich grandios summiert haben.

Und, dass ich eben auch viel zu selten auf das erste zarte Völlegefühl höre, um den „technischen“ 150ml-Effekt auch weiterhin optimal ausnutzen zu können, sondern eigentlich immer bis zum „Jetzt ist aber tatsächlich Schluss Zeitpunkt“ esse, bzw. ich meine Essensmenge via Kalorienzählen regle.

In seiner Pubilkation, auf Basis von beobachtungsbasierten Studien, „UNDERSTANDING THE FUNCTION OF THE SMALL GASTRIC POUCH; APPLICATION TO POST-OP TEACHING AND EVALUATION“ erklärt Dr. Flanagan, dass es bei bestimmten „long-term (2-5, und mehr Jahre)“-Bypass Patienten durchaus zu einer 6-7 ounces (ca. 170 – 200 g) Pouch-Größe kommen kann (Anmerkung: Volumen nach OP etwa 15-25 cm³), sie aber trotzdem ihr Gewicht halten, andere aber mit einer „Test“-Größe von sogar 3-5 ounces (ca. 80 – 140g) aufhören Gewicht zu verlieren, bzw. anfangen wieder zu zunehmen.

Seiner Erfahrung nach ist das Erreichen der Sättigung, bzw. das Fehlen eines anormalen Hungers, verbunden mit einer Bedarfsgerechten Kalorienaufnahme, das entscheidende Prinzip zur Gewichtskontrolle. Ja, Anke, lass das endlich mal sacken und glaube es einfach! Und er schließt daraus, es der Erfolg mehr vom Verhalten des Patienten abhängt, wie z.B. der Auswahl der Speisen, die Häufigkeit der Mahlzeiten und die Trinkmenge usw., als an der Größe des Pouchs. Wie war das noch? Größe ist nicht alles, oder?