Innerer Schweinehund sucht Motivation

Wartet ihr auch darauf das „Klick“ im Kopf, auf „Motivation“ oder darauf dass euch euer „innerer Schweinehund“ aus seinen Fängen lässt?

Nun zumindest ich habe darauf gewartet … und gewartet und gewartet. Und währenddessen die Augen vor allem verschlossen und mich weiterhin dem hingegeben, was mir eine behagliche Komfortzone zu sein schien, die nichts weiter von mir verlangte, als sich in der Opferrolle zu suhlen, Jammern,  mir extrem selber leidzutun und Ausreden zu finden.

Wobei mir bei letzterem sogar die Medizin entgegen kam und tolle Krankheitsbilder zur Verfügung stellte, wie etwa „Essstörung“, „Depression“ oder „chronische Darmerkrankung“. Was sich wiederum vortrefflich für ersteres ausnutzen ließ.

Oh, ich will damit nicht sagen, dass ich keine Essstörung, Depression oder eine chronische Darmerkrankung habe, doch so wie sie gehandhabt wurden, spielten sie mir lediglich zu, anstelle mich auf einen Heilungsweg zu bringen. Hier wurden wie immer Symptome statt Ursachen behandelt.

Dabei wäre eine solche Ursachenbehandlung bitter nötig gewesen, denn diese „Opferrollen-Komfortzone“, sog mir nach und nach alle Lebensenergie aus, nahm mir die Hoffnung und erschöpfte mich zu Tode. Und so schrecklich und schmerzhaft solche Moment auch sind, so dankbar bin ich heute dafür, dass es Erlebnisse im Leben eines Menschen gibt, die so prägend sind, dass man einfach aufwachen MUSS.

Bei mir kam dieser Moment Ende Oktober 2013, als ich aus einer Laune heraus auf die Waage stieg und deren Anzeige fast 200 kg anzeigte. Zugegeben es gibt wohl dramatischere Erlebnisse. Doch denke ich, spielt das keine Rolle, denn auch bei mir ging es gewissermaßen um Leben und Tod, wenn auch (noch) nicht in dieser Sekunde.

Natürlich wäre es mir auch lieber gewesen, wenn mich die Motivation eingeladen und mein innerer Schweinehund mich ins Ziel getragen hätte. Doch in diesem Moment wurde mir klar, dass ich keine Zeit mehr hatte, auf was auch immer zu warten, ich musste etwas TUN und zwar sofort.

In Asfa-Wossen Asserate Buch „Draußen nur Kännchen“ las ich bereits vor einigen Jahren, dass weder das Prinzip, noch den Begriff des „Inneren Schweinehundes“ in seinem Geburtsland, Äthiopien, gäbe und er auch keine Übersetzung aus dem Deutschen dafür finden könne.

Das muss man sich mal vorstellen, während wir hier in Deutschland alles auf diesen einen „Hund“ schieben und damit eine bequeme Ausrede finden, kennt man ihn noch nicht mal in allen Ländern! Wobei ich mir sicher bin, dass es auch in Äthiopien eine Umschreibung für diese Art Ausrede gibt, schließlich sind wir alle nur Menschen, aber doch ist es faszinierend.

Warum spielt er dann für uns so eine Rolle? Warum warten wir auf Motivation oder den Klick im Kopf? Nun, weil es eben einfacher ist, alles auf den inneren Schweinehund oder die abwesende Motivation zu schieben, als endlich in die Puschen zu kommen.

Auch mir blieb nichts anderes übrig, als „Schweinehund“, „Motivation“ und „Klick“ zu ignorieren und einfach mal ohne sie anzufangen. Und das funktionierte vorzüglich, sodass ich heute den Spieß längst umgedreht habe, ich brauche sie schlicht nicht mehr. Rasen mähen, Gemüse essen und Zähne putzen stelle ich ja auch nicht in Frage.

Und nein, das ist nicht einfach und seit ich meine Abnehmreise gestartet habe, konnte (und werde) ich den Verlockungen des inneren Schweinehundes nicht immer widerstehen.

Ich finde das natürlich alles andere als prickelnd, ich bin oft genug deswegen enttäuscht von mir und die Abwärtsspirale sitzt drohend im meinem Nacken (alte Muster sitzen nun mal tief). Aber heute versuche ich es zur Abwechslung mal damit ehrlich zu mir selbst zu sein.

Ich mache mir bewusst, dass es meine ganz persönliche Entscheidung war, dies und jenes immer wieder über meinen Hunger hinaus zu essen. Und dass das nicht besonders toll war, ist auch klar, aber ich nun gefälligst dazu stehen und akzeptieren muss, dass ich eben nicht perfekt bin.

Naja, das klappt nicht immer. Doch weil es ist eben ehrlicher ist, als wenn ich irgendwelche „Fressanfall/Essstörungs/konnte nicht anders“-Ausreden dafür finde, komme ich am Ende immer viel besser damit zurecht und finde viel schneller zurück auf meinen Weg.

Diese Erkenntnis der Eigenverantwortung war und ist für mich so schlicht, wie schmerzhaft. Und nicht neu, den bewusst war sie mir schon immer, ich zog es bisher nur vor, sie nicht verstehen zu wollen. Zudem ist „einfach tun“ und „nicht nachgeben“ zwar leicht daher gesagt, aber mühsam in der Umsetzung, manchmal kaum auszuhalten und voller Tränen, Wut und Enttäuschungen.

Aber auch eine Herausforderung, mit der ich mich, hier „draußen“, außerhalb meiner alten Komfortzone, so viel lebendiger fühle als jemals in meinem Leben zuvor.