Ist eine Adipositas OP nötig um abzunehmen?

Ich habe mich bestimmt schon einige Male, innerhalb meines Blog-Tagebuchs, mit dieser Frage beschäftigt, aber ich denke, dass es ganz interessant ist hin und wieder erneut auf das Thema einzugehen, einfach auch um zu beobachten ob und wenn ja, wie sich meine Meinung dazu verändert hat.

Eines vorneweg, ich verstehe die Kritik an Adipositas-OPs und ich halte sie für durchaus berechtigt, auch weil ich denke, dass viel zu oft, viel zu gerne und viel zu schnell geschnitten wird. Allerdings kann ich es niemand verdenken, wenn er diesen Weg wählt, denn der (Wunsch-)Gedanke ist nun mal verführerisch: einfach was wegschneiden und zack – schlank werden (und bleiben). Auch mir ging das im Kopf herum.

Doch schon während meiner Vorbereitungszeit auf die OP, ja eigentlich noch bevor ich meinen Antrag auf Bewilligung einer solchen stellte, wurde mir klar (und hier schulde ich meiner Adipostasgruppe unendlichen Dank), dass das eben doch nicht ganz so einfach ist und weit darüber hinaus geht sich einfach „auf den Tisch zu legen“.

Doch ich treffe auch immer wieder auf (Adipositas-)Patienten denen im Vorfeld nie wirklich bewusst geworden ist, was dieser Schritt (für sie) bedeutet und was eine solche OP tatsächlich (für sie) tun kann und was nicht. Deswegen halte ich es nicht nur für einen glücklichen Umstand auf diese wunderbare Selbsthilfegruppe gestoßen zu sein, sondern auch, dass ich, auf Umwegen über meinen Crohn und mein Gallensäureverlustsyndrom, auf low carb, Paleo und lchf stieß und mir diese Ernährung zu eigen gemacht habe. Ich halte sie für den Schlüssel zum Erfolg. Der OP gebührt dabei lediglich der 2. Platz.

Im Zusammenspielt mit den Informationen, die mich auf dem Weg zur OP und durch die OP geführt haben, hier möchte ich vor allem das Ärzte Team unter Prof. Weiner hervorheben, und die ich selber recherchiert und erlesen habe, habe ich nicht nur meinen ganz persönlichen Weg zum Wohlbefinden finden können, sondern vor allem endlich Antwort darauf bekommen warum mein Körper so ist wie er is(s)t.

Und gerade weil es mir dieses Wissen eine so große Sicherheit bietet und ich so gut mit dieser Ernährung zurecht komme, werde ich immer wieder gefragt, ob den eine OP überhaupt notwendig gewesen wäre. Insbesondere warum ich, als ich feststellte, dass meine lc-paleo-lchf-Ernährung funktionierte (ich hatte bereits vor der OP damit 12 kg abgenommen), nicht auf die OP verzichtet habe und Weg weiter beschritten?

Am entschiedensten war wohl, dass ich von dem Geschenk, dass mir meine neue Ernährung im Bezug auf die positive Darm-Entwicklung machte, so berauscht war, dass ich (zu dem Zeitpunkt noch) keinen echten Zusammenhang zur Abnahme herstellte.

Und ich wollte eine nicht wieder rückgängig zu machende Maßnahme, die mich ein für alle Mal vom Essen „abschneiden“ sollte.

Das mag sich übertrieben dramatisch anhören, aber ich war (und bin) der Überzeugung, dass ich einen weiteren Rückschlag, einen Rückfall auf alte Maße und Masse, seelisch nicht überleben würde. Zudem bin ich kein Typ, der eine einmal getroffene Entscheidungen in Frage stellt. Ich hatte ich mich bereits für eine Adipositas OP entschieden und die Sache war sozusagen für mich durch.

Aber um zurück zur Eingangsfrage zu kommen: War eine Adipositas OP bei mir nötig? Hätte ich nicht auch ohne abnehmen können?

Eine Antwort zu finden ist gar nicht so einfach, da bei mir Ernährungsumstellung und Adipositas OP, sowohl geistig, als auch emotional und gesundheitlich eng miteinander verflochten sind. So eng, dass ich eigentlich keines vom anderen trennen kann.

Mit meinem heutigen Wissen, hätte ich es vielleicht gewagt mich ohne Adipositas OP erneut auf den Abnehm-Weg zu machen. Doch habe ich das Wissen dazu nur erlangt, weil mich die OP angestoßen, befeuert und vorangetrieben hat. Und wer weiß schon, ob ich ohne die Hoffnung überhaupt angefangen hätte irgendetwas zu tun? Und bis wohin hätte mich mein Abnehm-Weg allein mit einer OP gebracht, wenn ich mein Wissen nicht erweitert, keine Ernährungsumstellung vorgenommen und meine sportliche Laufbahn, deren Weg übrigens auch erst mit dem Wissen um meine neue Ernährung zu mir kam, nicht so zielstrebig vorangetrieben hätte?

Und ja, ich denke, dass ich ohne OP nicht so spielend und so viel abgenommen hätte. Oder wenn, dann wäre der Weg für mich wahrscheinlich viel holpriger gewesen. Und ja, ich beziehe aus der Sicherheit, eine solche OP im Rücken zu haben, auch eine gewisse (psychische) Stärke, die mir meine Angst, „Rückfällig“ zu werden und wieder zuzunehmen, ein Stück weit dämpft.

Im Gegenzug bin ich mir vollkommen bewusst, was ich mir mit einer solchen OP angetan habe. Ich habe mir die Entscheidung für eine OP nicht leicht gemacht, ich hatte Zweifel und Angst (die bis dato nie ganz gewichen ist) und habe mich sogar dafür geschämt, so schwach zu sein und darauf zurückzugreifen. Ich kann nicht behaupten, dass ich herumrenne und stetig „Hurra“ schreie, weil ich mir den größten Teil meines Magens habe entfernen lassen, aber es ist der Weg, den ich gewählt habe und dazu stehe ich.