Ja, was isst du denn dann?

Mein Gewichtsverlust ist mittlerweile so offensichtlich geworden, dass Gespräche, die ich mit Freunden und Bekannten führe, unweigerlich an den Punkt kommen, wo es um meine Ernährung geht.

Ist ja auch kein Wunder, denn Gewichtsabnahmen beeindrucken immer und wenn dann noch eine große Menge Gewicht verloren wurde, umso mehr. Da will jeder gleich wissen, wie man das geschafft hat.

Also erzähle ich von meiner Adipositas-OP und meiner Ernährungsumstellung. Da für die wenigsten eine Adipositas-OP in Frage kommt, wendet sich schnell alles meiner Ernährung zu: Low Carb, mit Paleo-Einflüssen, wie ich es nenne.

Erstaunlich oft muss ich an dieser Stelle zunächst einmal erklären, was Low Carb und Paleo überhaupt ist und was es für meine Ernährung bedeutet. Doch dann kommt sie, die immer selbe Reaktion: „Wie? Kein Zucker, Brot, Brötchen, Nudeln, Reis oder Weizenmehl? Ja, was isst du denn dann?“ und „Ich könnte das nicht, Brot gehört für mich einfach dazu“ und „Ich verzichten eh schon auf so viel, für meine „gesunde“/“diätisch“ Ernährung, da will ich wenigsten Brot/Nudeln/Kartoffeln essen.“

Bleiben wir im Folgenden einfach mal bei dem Beispiel Brot. Warum sind wir so derart fixiert darauf Brot essen zu wollen? Warum fällt es uns so schwer auch nur an Alternativen, ohne Brot, zu denken?

Richtig. Auch ich habe das einst gedacht. Hätte man mich vor geraumer Zeit gefragt, so hätte ich gesagt, dass ich auf alles andere durchaus verzichten kann, Hauptsache ich darf Kartoffeln essen. Allerdings habe ich damals Brot & Co auch nicht mal im entferntesten als Verursacher meiner gesundheitlichen Probleme in Verdacht gehabt.

Dass es am Ende ganz anders kam, davon habe ich schon mehrfach erzählt. Und wer mehr zu diesem Thema erfahren will, dem empfehle ich unbedingt folgende Bücher:

Weizenwampe: Warum Weizen dick und krank machtDie Steinzeit-Diät: So kriegen Sie Ihr Fett weg - natürlich fit, schlank und gesund wie vor 200.000 JahrenGesundheitsgeheimnisse aus der Steinzeit: Das revolutionäre Primal Health-Konzept

Aber zurück zum Brot. Heute, nachdem ich durch den „Entzug“ gegangen bin, genieße ich – ohne auch nur einen Hauch von Verzicht – Käse, Wurst, Ei, Rohkost, Quark oder Joghurt – gänzlich ohne Brot. Ich esse Mahlzeiten, die durch Abwesenheit von klassischen Beilage, wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln glänzen, ohne dass ich das Gefühl habe auf etwas verzichten zu müssen. Ganz im Gegenteil, mein Speiseplan ist viel abwechslungsreicher geworden und definitiv interessanter.

Ja, ich ziehe (erhebliche) gesundheitliche Vorteile daraus, so viele Kohlenhydrate wie möglich aus meinem Leben rauszuhalten und keine Frage, da ist es natürlich eine leichte Entscheidung darauf zu verzichten. Aber ich kann auch an meinem Mann beobachten, dass es tatsächlich möglich ist, ohne auf „etwas verzichten“ zu müssen, wenn wir bei dem Beispiel bleiben, etwa die Frühstücksgewohnheiten zu ändern.

Noch erstaunlicher sind die positiven körperlichen Veränderungen – abseits der grandiosen Besserung der Probleme meines Verdauungsapparates – die ich an mir feststellen kann. Ich komme mit weniger Schlaf aus, der zudem tiefer und erholsamer ist, als ich es je erlebt habe. Meine Haut ist reiner geworden und meine Kopfhaut hat sich richtig gehen regeneriert und die juckenden, offenen Stellen, die mich Jahrzehnte lang geplagt haben, sind vollkommen verschwunden. Zudem sättigt mich das Essen, ohne Kohlenhydrate, viel länger, als es Pfannkuchen, Bratkartoffeln & Co je konnten. Auch das Gefühl am Süßigkeiten-Regal ohne Bedauern vorbei gehen zu können, weil mich die angebotenen Produkte nicht mehr verlocken können, ist einfach großartig.

Natürlich ist eine Stulle schneller geschmiert als ein Omelett in die Pfanne gehauen, ein Smoothie gemixt oder ein LC-Muffin gebacken. Aber etwas Käse, ein bisschen Wurst, Rohkost, Quark oder Joghurt ist genauso schnell angerichtet, wie ein Toastbrot. Und mit etwas Organisation und ein wenig Übung gehen selbst umfangreichere Frühstücks-Gerichte schnell von der Hand.

Ich habe mir das Brot essen, bzw. eine Low Carb-Ernährung, langsam ab-, bzw. angewöhnt und mir ein gutes halbes Jahr für die Umstellung Zeit gelassen. Mit dieser Strategie bin ich für mich persönlich gut gefahren. Andere werden vielleicht mit einen klaren Schnitt von heute auf morgen besser klar kommen.

Doch viel wichtiger, als die Umsetzung in den Alltag, finde ich, dass wir uns von unseren kulturellen Gewohnheiten (denn mehr ist es nicht) freimachen und uns vor allem nicht immerzu einreden, dass wir bei einer Ernährungsumstellung „Verzicht“ üben müssen.

Selbstverständlich will ich niemand reformieren, der das nicht will. Doch oft genug schlägt mir offensichtliches Interesse entgegen. Doch wer schon so negativ an die Sache herangeht, der wird unweigerlich scheitern oder erst gar keinen Versuch wagen; und wer weiß schon was ihm damit entgeht?

Um zu erkennen, dass nicht nur ich so leicht damit umgehen kann und vor allem das „Verzicht“ kein Thema ist, sondern auch andere es ähnlich empfinden, habe ich meine Freunde, Chris und Gini, sowie meine Mann Ralph gebeten, mir ein paar Fragen zu beantworten. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für die Antworten!

Wie lange ernährt ihr schon Low Carb?

Chris: Zum ersten Mal habe ich es vor 5 Jahren versucht, als ich mich nach der Metabolic Balance Diät ernährt habe. Dann kam der Heißhunger auf KH zurück. Seit Juli 2013 verzichte ich auf viele Kohlehydrate.

Gini: Ich ernähre mich seit ca. 4 Jahren Low Carb. Die ersten zwei Jahre sehr intensiv. Aber seit zwei Jahren bin ich wieder schlampig geworden, was ich leider auch am Gewicht merke. Im Moment bin ich wieder eisern.

Ralph: Die ersten Versuche waren mit Anke ab Januar 2014, regelmäßig ab März 2014.

Was hat euch dazu bewogen, euch mit einer Low Carb Ernährung zu beschäftigen?

Chris: Ich hatte eine magenverkleinernde Operation und habe danach meine Ernährung völlig umgestellt.

Gini: Ich wurde mit meinem Gewicht immer unzufriedener. Bei einer Größe von 1,64 m wog ich fast 90 kg. Ich war todunglücklich. Ich hatte mit meinen (damals) 31 Jahren eine Diät nach der anderen ausprobiert und nie hat etwas funktioniert. Mein Freund, der ebenfalls nicht mit seinem Gewicht zufrieden war, hat dann die Low Carb – Variante für sich entdeckt, nachdem er eine Dokumentation über Zucker gesehen hatte. Bei ihm purzelten relativ schnell die Kilos und das hat mich neugierig gemacht. Die ersten Erfolge kamen schnell. Somit war ich motiviert und hatte nicht wirklich das Gefühl auf etwas zu verzichten.

Ralph: Nachdem Anke mit Low Carb begonnen hatte, habe ich einfach mit gemacht. Die Initiative kam also nicht von mir.

Gibt es positive (oder negative) Aspekte, die ihr in Verbindung mit der Low Carb Ernährung, an euch feststellen konntet?

Chris: Wenn ich die KH einschränke, dann geht es mir mit meinem Reizdarm deutlich besser. Allerdings betrifft das meist Brot und vor allem Nudeln.

Gini: Nach ein paar Wochen hab ich mich wesentlich fitter und ausgeglichener gefühlt. Das Gewicht ging langsam aber stetig zurück (insgesamt waren es 12 kg) und damit folgte ein besseres Körpergefühl. Meine Haut wurde schöner.

Ralph: ca. 20kg weniger Körpergewicht sind schon mal sehr positiv. Negativ ist, das wenn ich mal will KH essen will und mit Kartoffeln & Co zuschlage, mir davon übel werden kann.

Habt ihr das Gefühl, mit eurer Low Carb-Ernährung auf etwas verzichten zu müssen?

Chris: Nein, nicht wirklich. Es gibt immer Ersatz.

Gini: Ich war nie ein großer Fan von Nudeln, Reis und Co. Einzig die Kartoffeln sind mir am Anfang abgegangen. Aber das ist nun nach 4 Jahren gänzlich verschwunden. Außerdem ist Kürbis ein guter Ersatz für Kartoffeln. Anfangs dachte ich auch, dass ich ohne Brot nicht leben kann – muss ich ja auch nicht. Ich backe halt mein eigenes Low Carb Brot. Ebenso verzichte ich nicht auf Süßes. Ich backe viel, kaufe LC-Schokoriegel oder Schokolade. Man muss nur wissen wo.

Ralph: Nein. Am Anfang war es „ungewohnt“ morgens kein Brot/Brötchen zu essen, aber inzwischen ist das kein Problem mehr.

Hier eine Bäckerei, dort Süßigkeiten-Abteilung im Supermarkt und überall Fastfood-Läden. Wie kommt ihr heute mit den Verlockungen des Alltages zurecht?

Chris: Fastfood ist überhaupt kein Problem. Schokolade lockt halt schon. Aber auch hier gibt es mit Xylit bzw. Stevia, inzwischen eine annehmbare Alternative.

Gini: Das ist so eine Sache. Im Allgemeinen schaffe ich es wunderbar den Versuchungen zu widerstehen – ich muss nur Alternativen zu Hause haben. Habe ich das nicht, dann wird es für mich gefährlich. Ich falle immer wieder in alte Essverhaltensmuster zurück, wenn ich gestresst, traurig oder genervt bin. Wenn ich dann nichts LC-Süßes zu Hause habe, kann das ganz schön schief gehen. Die letzten beiden Jahre hatte ich immer wieder Phasen, in denen Low Carb gar nicht ging – leider nicht tageweise, sondern monatsweise. Dadurch hat sich bei meinem Gewicht auch nicht wirklich mehr was getan. Aber Gott sei Dank, finde ich immer wieder zurück.

Ralph: Da mir auf Fastfood immer öfter schlecht wurde, war dass das Leichteste. Auf der Arbeit nasche ich schon mal ein paar (Weizen-)Kekse. Aber eben bei weitem nicht mehr so viele wie vorher.

Erlaubt ihr euch Ausnahmen oder gar Kohlenhydrat-Tage? Wie strikt, bzw. locker handhabt ihr eure Low Carb-Ernährung?

Chris: Also Kartoffeln, Getreide wie Hirse und Couscous erlaube ich mir schon. Ab und an. Das ist allerdings eher vom Gusto abhängig. Nach richtigem Gebäck verlangt es mich kaum und Brot schon gar nicht. Kuchen und Torten brauche nicht – koste ich aber sehr gern. Allerdings ein ganzes Stück würde ich nicht mehr essen.

Gini: Mein Freund und ich gehen ca 2 – 3 mal im Monat frühstücken. Da gibt‘s dann „normale“ Brötchen und auch mal Marmelade. Aber das war es im Normalfall dann auch.

Mir fällt es immer schwer wieder zu Low Carb zurückzufinden, wenn ich längere Zeit (z.B. Urlaub) kohlenhydratreich gegessen habe. Dann merke ich regelrecht wie der Zucker meinen Körper wieder süchtig machen will. 😉

Ralph: Ich betreibe es nicht so streng. Ich nasche regelmäßig vom Topf/Teller meines Sohnes, besonders bei Nudeln oder Reis und wenn der Heißhunger (z.B. Haribo) kommt gebe ich ihm nach. Allerdings werden diese Anfälle immer seltener. Auch erlaube ich mir, wenn Anke und Ich einen Stadtbummel machen meine geliebten Laugen-Brezeln.

Was ist euer Low Carb-Lieblings-Essen?

Chis: Eiweißwaffeln mit Quark-Schinken-Aufstrich 🙂

Gini: Hach, das ist schwer. Es gibt wirklich viele gute Rezepte. Wirklich gerne esse ich die Auberginen-Hackfleisch-Lasagne. Da kann ich mich eingraben. Kürbis im Sommer – als Beilage oder eigenständiges Gericht – geht immer. Und wenn es was zum Naschen sein darf – LC-Bounty und LC – After Eight.

Ralph: Eigentlich alles was Anke kocht. (Anmerkung Anke: <—- ist das nicht ein liebes Kompliment?)