Morbus Crohn

Im Dezember 2009, nach qualvollen 6 Wochen, in denen mich Fieber, Erbrechen, Durchfall und Schmerzen im Unterbauch, immer wieder an den Rand der Dehydrierung und völligen Erschöpfung gebracht hatten, wurde ich mit Verdacht auf Blinddarmentzündung (eine hilfelose Geste der Ärzte, die nicht weiter wussten) ins Krankenhaus eingeliefert und dort praktisch umgehend in den OP geschoben.

Da nicht labroskopisch vorgegangen werden konnte, wurde am offenen Bauch operiert, was mir, zusammen mit einer Infektion, die ich mir auf der Intensivstation geholt hatte, eine Lungenembolien und eine Tiefenbeinthrombose einbrachte.

Operativ entfernt wurde bei der OP mein Terminales Ileum (grob umschrieben: die Verbindung zwischen Dünn- und Dickdarm), was sehr stark vereitert war. Die Pathologie der entnommenen Gewebeteile ergab die Diagnose Morbus Crohn. (Erklärung „Morbus Crohn“: Eine genetisch bedingte, nicht ansteckende und nicht heilbare, chronisch entzündliche Darmerkrankung)

Ich muss heute davon ausgehen, dass mich diese chronische Erkrankung bereits seit meiner Jugend, unerkannter Weise, drangsaliert hat, jedoch auf Grund meines lebenslangen Übergewichtes, nie auch nur in Erwägung gezogen wurde.

Die OP war Segen und Fluch zugleich.

Hatte ich bis dato annehmen müssen, unter so etwas wie der Panikstörung Agoraphobie oder an einer sozialen Dysfunktion zu leiden, weil ich prinzipiell dann heftigen Durchfall bekam, wenn ich das Haus verließ um Auszugehen, mich mit Freunden treffen oder zu reisen – wurden nun die Zusammenhänge klar. Ich hatte keine psychischen Probleme, sondern wahrscheinlich kurz vorher etwa gegessen, was unverträglich war oder hatte gerade einen akuten Krankheitsschub, von dem ich nichts ahnte.

Die Diagnose Morbus Crohn nahm mir eine zenterschwere Last von den Schultern und ermöglichte es mir, die von meinem Psychiater verschrieben Medikamente abzusetzen.

Doch musst ich fortan mit dem Fehlen der Ileozäkalklappe (Bauhinsche Klappe, Dickdarmklappe) leben, was bis zu 10-mal Durchfall am Tag bedeuten kann und teilweise so spontan und mit so heftigem Drang kommt, dass er nicht zu halten ist.

So reicht manchmal schon ein kleines Lutschbonbon, etwa ein „Tick Tack“, um einen praktisch unhaltbaren flüssigen Stuhlgang auszulösen, der umgehend nach einer freien Toilette verlangt.

Wie sich so etwas auf das Sozialverhalten auswirken kann, dürfte klar sein: ich ging, wenn nun auch aus anderen Gründen als noch vor OP-Zeiten, schlicht und einfach nicht mehr aus dem Haus. Lediglich zum Einkaufen, dort wo sauber WCs bereit standen, oder mal schnell zu engen Freuden oder Familie, die um meine Probleme wussten.

Was die Durchfälle, das Erbrechen, die Bauch- und Magenschmerzen und schmerzhaften Blähungen betrifft, änderte sich für mich alles, als ich Anfang 2014 die Low Carb-Ernährung für mich entdeckte.

Natürlich waren mir Low Carb-Diäten längst ein Begriff, aber ich habe mich mit der Philosophie dieser Ernährung oder den gesundheitlichen Hintergründe nie wirklich befasst. Noch hatte ich bis dato jemals Kohlenhydrate als mögliche Schuldige für meine Magen- und Darm-Probleme in Verdacht gehabt.

Doch seit ich Kartoffel, Nudel, Reis und Brot u.a. auf Nimmerwiedersehen gesagt habe, habe ich innerhalb von kürzester Zeit ein völlig unerwartetes, fast schon vergessenes, Lebensgefühl zurückgeschenkt bekommen. Magenkrämpfe, Bauchschmerzen, Darmkollern, schmerzhafte Blähungen sind praktisch vollkommen verschwunden und meine Durchfälle sind auf ein mir absolut erträgliches Maß zurückgegangen (und in der Regel wohl nur noch der technischen Seite (Kurzdarmsyndrom) meiner Ileumresektion im Jahr 2009 geschuldet).

Ich bin zwar seit 2009 Entzündungsfrei, doch erst als ich die schrecklichen „Nebenwirkungen“ auf ein Minimum beschränken konnte, lebe ich das erste mal seit Jahren mit meinem Crohn in friedlicher Koexistenz.