Rückblick und Ausblick 2014/15

Was für ein unglaubliches, turbulentes und verrücktes Jahr!

Nie hätte ich mir vorstellen können, wie es mir heute, so lange Zeit später nach meiner Entscheidung mich um eine Adipositas-OP zu bemühen, gehen würde.

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Anfang 2014 / Ende 2014

Manche Tage sind ganz normal, dann vergesse ich einfach, dass ich mich noch vor einem Jahr mit 200 kg, Schmerzen und andauerndem Durchfall durchs Leben geschleppt habe. Ich esse einfach, um meinen Körper am Funktionieren zu halten, ohne Wertung und ohne mir groß Gedanken darüber zu machen.

Dann wieder spüre ich das pure Glück über meine „neue“, bzw. wiedererlangte, Beweglichkeit, den kleineren Raum, den ich nun einnehme (ich hätte nie gedacht, dass ich das als positiv empfinden würde, hatte ich doch immer die Tendenz viel Raum für mich beanspruchen zu wollen) und die zurückgewonnene Selbstsicherheit in meinem Auftreten anderen Gegenüber. Und die Freude darüber Kleidung auch mal shoppen gehen zu können und nicht in Super-Spezial-Geschäften (wenn auch wunderschöne, aber so doch eben sehr) wallende Zelte kaufen zu müssen.

Doch es gibt natürlich auch die Tage, wo Essen zu einer traurigen Angelegenheit geworden ist und ich voller Neid auf meine, sich wohlig rund und zufrieden essende, Familie schaue, während ich an dem Mini-Stück Pute herumkaue, was mir einfach nicht das glückliche Gefühl vermitteln kann, wie es nur eine übervolle Schüssel voll Pasta, eine Tafel Schokolade oder eine Tüte Chips geben kann.

Für einen natürlich „normalen“ Esser mag sich das ganz schön verquer anhören, wer will sich schon so vollfressen bis ihm der Bauch weh tut! Doch für einen Adipösen, der seine Essstörung in gewisser Weise gepflegt hat und daraus nicht wenig Trost gezogen hat, dürfte dieser Gedanke nachvollziehbar sein.

Versteht mich nicht falsch, nach wie vor habe ich nur sehr sehr wenig Bedürfnis nach Pasta, Schokolade oder Chips (sprich Kohlenhydrate), ich wollte hier nur allgemeingültige Beispiele anführen. Denn auch 9 Monate nach meiner Umstellung auf Low Carb (im Moment geht das Ganze sogar eher in Richtung Paleo) fühle ich mich sehr wohl mit dieser Ernährungsform und will/werde sie auch weiterhin beibehalten.

Mitunter treiben mich auch Bedenken um was da noch alles auf mich zukommen kann. Was ist mit den (Spät-)Folgen des Abnehmens und des langen sehr starken Übergewichts? Wie lebt es sich Jahre um Jahre mit einem Schlauchmagen? Und was wird im Alter werden? Fange ich erst einmal an darüber nachzudenken, macht mir meine eigene Courage und Entscheidung zu der OP zu gegriffen schon etwas Angst.

Trotz der Unglaublichkeit der zurückliegenden Ereignisse (60 kg habe ich 2014 abgenommen und haben nun wieder, nach 20 Jahren die 120 kg, natürlich im Moment noch +, auf der Waage stehen) und an der Angst davor eines Tages wieder zur „alten“ Übergewichtigen zu werden, die mich, wie drohende Gewitterwolken begleitet, hält sich bei mir grundsätzlich jener zurückhaltende Optimismus, der mich seit Anfang des Jahres begleitet.

Mir ist klar, dass es ab nun nicht mehr so einfach gehen wird. Waren die ersten 60 kg noch ein Kinderspiel, werden die nächsten 60 kg, sowie das Halten meines Wunschgewichtes am Ende, wohl eine Haushohe Herausforderung werden. Ob ich diese dann tatsächlich körperlich und seelisch bewältigen kann, kann nur die Zeit zeigen.

Für den Moment (mehr als zu jeden Zeitpunkt davor) bin ich jedoch gewillt daran zu glauben.

Für das Jahr 2015 habe ich mir jegliche Erwartungen verboten. Natürlich habe ich mir vorgenommen, meine Motivation und meinen momentanen starken Willen dafür zu nutzen, neben der Arbeit an meinem Gewicht und dem Feilen an meiner Ernährung, auch meine Fitness weiter voranzutreiben und zu stärken.

Genug Aufgaben also um mich eine Weile zu beschäftigen und bei Laune zu halten – hoffe ich. Also auf in ein neues Jahr, neuen und hoffentlich noch „leichteren“ Erfahrungen!