Schlauchmagen ausgedehnt?!

Gedanklich angestoßen, durch die OP-Vorbereitungen einer Freundin für ihre Adipositas Chirurgische (AC)-OP, sind auch bei mir wieder viele „Schlauchmagen“-Themen in den Fokus gerückt. Nicht dass ich sie aus den Augen verloren hätte, aber es gab aktuell eben anderes, worauf ich mich konzentriert habe. Nun heißt es aber erst mal wieder „Back to basics“.

Also, nachdem ich mich bereits zu meiner neu gebildeten Meinung über die „Proteindiät aka Flüssigphase“ vor OP ausgelassen hatte, geht es mir heute um die „Essensmenge“ und „Magengröße“ nach OP. Schon wieder, mag nun manch einer denken? Ja, schon wieder. Denn obwohl ich für mich längst weiß, dass die „Magengröße/Ausdehnung“ kein alleiniger und längst nicht der wichtigste Faktor für eine langfristige Abnahme und das Halten des Gewichts am Ziel ist, so neige ich trotzdem dazu mich immer wieder verunsichern zu lassen.

Es reicht schon ein dahin geworfenes „Das ist aber viel (was du isst)!“, das mich an mir, und meinem Tun, zweifeln lässt – obwohl mein IST-Zustand eigentlich dagegen spricht. Das ist umso anstrengender, als dass das für AC-OP Patienten, besonders für die, die noch vor der OP stehen oder gerade frisch operiert sind, eines der wichtigsten Themen ist und es praktisch kein AC-OP Kaffeeklatsch oder keine SH vergeht, die es nicht auf den Tisch bringt. Und irgendwie verstehe ich dass natürlich auch.

Aber umso wichtiger ist es für mich geworden, hier endlich anzufangen meine Mythen auszuräumen und sie von den Fakten zu trennen. Ich habe nicht allzu viele Informationen zum Thema im Netz finden können. Ob ich vielleicht nicht die richtigen Suchwörter genutzt habe oder solche (detaillierte und in die Tiefe gehenden) Informationen einfach nicht allgemein zur Verfügung stehen, weiß ich nicht. Wobei hierbei natürlich auch, die allzu wissenschaftlichen Seiten und für mich als Laien schwer zu interpretierenden und zu verstehenden, als Informationsquelle ausscheiden.

Hier noch ein kleiner Hinweis: Die hier angesprochenen Aspekte, sind die Punkte, auf die ich bei meiner Aufklärungs-Recherche gestoßen bin und mich für den Moment interessiert haben und stellen keinen Anspruch auf Vollständigkeit dar.

Kann ich meinen/wird mein/ist mein Schlauchmagen wieder aus(ge)dehn(t)en?

Die Antworten darauf sind ziemlich eindeutig. Aber die Gründe dahinter sind mannigfaltig und stecken dort, wo ich sie zugegebenermaßen nie gesucht hätte. Vor allem aber, halte ich sie für unglaublich wichtig, um das Große und Ganze zu verstehen und mich mit meinen falsch interpretierten „AC-OP“-Logiken auseinander setzen zu können, sprich sie auszuräumen.

Kann sich ein Schlauchmagen (das selbe gilt natürlich auch grundsätzlich für einen Pouch) wieder ausdehnen?

Ja, das kann er.

Ja, das wird er, weil das Teil einer ganz normalen und „gesunden“ Heilung ist, die sich auf das Abschwellen des Magens bezieht, nachdem die OP eine Wunde darin geschlagen hat.

Und ja, weil es (auf lange Sicht) notwendig ist um genug Energie und Nährstoffe aufnehmen zu können, um gesund zu bleiben.

Und ja, weil genau das, bei unverhältnismäßiger „Behandlung“, also völliger Überdehnung durch Überessen, praktisch von dem Zeitpunkt der OP an und über einen langen Zeitraum, passieren wird.

ABER, all das spielt für eine langfristige Abnahme und das Halten des Gewichts am Ziel nicht die entscheidende Rolle. Am Ende zählt nur, was du isst und wie viel du isst, Qualität und Menge.

Erst einmal kurz und knackig zum Allgemeinen: Der Magen ist ein Hohlorgan aus Muskelgewebe. Sein Fassungsvermögen (normal, gesund und ohne OP) schwankt von 50 ml, im leeren Zustand, bis zu ca. 1,5 l im gefüllten (wikipedia.org). Und er ist dehnfähig, bis auf die doppelte Größe, wenn er regelmäßig über einen längeren Zeitraum überfüllt wird. Doch, wie eine Studie, von Geliebter et al, die 1996 veröffentlicht wurde, besagt, kann ein solcher, durch Überessen gedehnter Magen, auch wieder schrumpfen (im Fall der Studie bis zu 36 %), wenn ihm weniger Nahrung zugeführt wird.

Eine gesunde Magen(und Darm-)funktion kann durch falsche Ernährung und durch Krankheiten gestört (zb. Stichwort: Morbus Crohn) sein, seine Mechanismen durch Hormone (zb. Stichwort: Ghrelin) außer Kraft gesetzt worden sein oder sein Bindegewebe kann zu wünschen übrig lassen, usw., weswegen man grundsätzlich davon ausgehen kann, dass jeder Magen (und Darm) anders ist und anders reagiert.

Nun zum Besonderen, etwas ausführlicher: Für mich war es zunächst einmal wichtig, mir klar zu machen, was es – grundsätzlich, denn natürlich gibt es mehr als die hier aufgeführten Verfahren – bedeutet mit einem restriktiven Verfahren (Schlauchmagen) operiert zu sein, anstelle mit einem Malabsorptiven (BBD) oder einem restriktiven Malabsorptiven (Bypass). Zumal sich daraus auch eigentlich schon erschließen lässt, wie auf lange Sicht mit der Operation umzugehen ist (um eine optimale Gewichtsabnahme zu erreichen, bzw. das Gewicht erfolgreich zu halten), denn Restriktion = geringere Menge, was auf Dauer (weil Ausdehnung der Menge) eine größere Kontrolle verlangt und Malabsorption = weniger Aufnahme, was zwar auch eine Kontrolle der Menge verlangt, aber eben immer noch den „Malabsorption“-Faktor auf seiner Seite hat.

Zudem gibt eine ganze Reihe Operationsmethoden eine Sleeve-Gastrektomie oder Magenschlauch zu bilden, die alle unterschiedliche Auswirkungen haben können. Es werden verschieden große „Bougie“ (deutsch auch „Kalibrationstubus“) verwendet, so eine Art „3D-Schablone“, an der sich der Chirurg orientieren kann, die in „French“ gemessen werden (1 French = ungefähr 0,33mm). Je nach French des verwendeten Bougie = eine andere Größe des Schlauches. Und zudem schneidet jeder Chirurg etwas „anders“. Neben dem wo geschnitten wird, was (raus-)geschnitten wird, kommt noch die individuelle Magenlänge ins Spiel.

So kommt also, je nach dem was, wie und wo, ein Schlauchmagen von 50 – 150ml heraus. Mein Schlauchmagen zb. ist, in meinem AC-Pass, mit 150 ml angegeben. Was, schaut man sich so um, heute als recht groß interpretiert wird, wo eher 120 ml angestrebt werden.

Halten wir also schon mal fest: jeder Magen ist verschieden, er hat individuelle Voraussetzungen, kann mit Restriktiven oder Malabsorptiven oder einer Mischung aus beiden Verfahren operiert werden und seine Größe und Eigenarten nach OP sind vom Chirurgen und seiner Methode abhängig. Sprich auch jeder Schlaumagen/Pouch ist anders, in Größe, Form, Eigenheiten und Fassungsvermögen.

Sehr interessant fand ich auch, die Information, dass die verschiedenen Flächen eines normalen Magens unterschiedliche Dehnungseigenschaften haben; auch wenn ich nur wenig Tiefergehendes und für Laien, wie mich verständliches, dazu gefunden habe, lediglich folgendes aus der wikipedia.org: Die Pars cardiaca (DMageneingang) ist aber durch Bindegewebe relativ stark befestigt …. während der …. Pylorus (Magenpförtner) sich bei größerem Mageninhalt absenkt; und damit der verbleibende Schlauchmagen als faseriger und zäher beschrieben wird. Was bedeuten könnte, dass der beim Schlauchmagen verbleibende Teil des Magens eben nicht über dieselben „guten“ Dehnungseigenschaften des alten Magens verfügt; ganz davon abgesehen, DAS er eh nie wieder so groß werden kann, wie einst, weil der Restmagen ja rausgeschnitten wurde.

Soweit so gut, aber woher kommt mein Eindruck, dass sich mein Schlauchmagen so vergrößert haben könnte?

Nun, hier kommt wieder die OP, die Wunde und ihre Heilung ins Spiel. Denn solange der Magen noch von der OP geschwollen, langsam am Heilen ist kann er natürlich kaum Nahrung aufnehmen, geschweige den, das der nötige Platz dazu da wäre. Ich habe mich in dieser ersten Honeymoon-Phase bombig gefühlt und abgenommen wie nix. Und natürlich sitzt der überwältigende Eindruck, dieser ersten Monate, tief in meinem Kopf. Vielleicht tendiere ich deswegen dazu zu ignorieren, dass das natürlich nicht so weitergehen konnte/durfte. Denn wäre das der Fall, so würde ich heute tatsächlich mit 4 oder 5 % Körperfett, drohendem Organversagen einem reellen Hungerstoffwechsel entgegen streben.

Ich muss mir also wieder und wieder klar machen, dass, so sehr man seinen Schlauchmagen auch „schont“, sich an die Empfehlungen zur Nahrungsaufnahme nach OP hält und überhaupt alles tut, damit er so „klein“ wie möglich bleibt, je länger die OP her ist und je weiter die Heilung fortschreitet, desto Größer wird der Magen.

Es ist also absolut normal, dass ich unmittelbar nach der OP lediglich 2 teel. Klare Brühe essen konnte, heute (2,5 Jahre nach OP) jedoch wieder 300g (weiche) Mahlzeiten. Was im Übrigen absolut dem entspricht, was ich im Mittel quer durchs Internet recherchiert habe:

1 Monat nach Schlauchmagen OP: 30 – 60 g
6 Monate nach Schlauchmagen OP: 120 – 170 g
1 Jahr nach Schlauchmagen OP: 170 – 220 g
Und darüber hinaus: 220 – 340g

Eine als „normal“ angegeben Portionsgröße, einer warmen Mahlzeit, mit fester Nahrung, wird durchschnittlich mit 400 – 550 g angegeben.

Sehr interessant fand ich auch, folgenden Forschungsartikel aus dem Jahr 2008, der sich auf folgende Studie bezieht, über die Magenverweildauer, bei einem den Beobachtungszeitraum von 90 min nach der Einnahme einer warmen Mahlzeit (ein Hamburger) mit Patienten, mit Ausgangs-BMI vor OP über 40, jeweils vor OP, 6 Monate und 24 Monate nach OP.

Dabei wurde festgehalten, dass sich die Entleerung des Magens, ab Größer als 10%, signifikant im ersten halben Jahr von durchschnittlich 17,30 min. auf durchschnittlich 12,50 min. 6 Monate nach OP verändert hat, dann jedoch mit durchschnittlich 12,16 min. 24 Monate nach OP annähernd gleich blieb. Bzw. der Zeitpunkt vom Beenden der Mahlzeit, bis zu zur Entleerung des Hälfte des Magens war ebenfalls signifikant von durchschnittlich 86,50 min. vor OP, auf durchschnittlich 62,50 min. 6 Monate nach OP verändert, jedoch mit 60,80 min. 24 Monate nach OP ebenfalls annähernd gleich blieb.

Für einen gesunden Magen wird die Magenverweildauer übrigens, je nach Nahrungskonsistenz, Zusammensetzung und Energiedicht zwischen ca. 1  h (für Kohlenhydrate) – 4 h (für Fette), teilweise auch mit bis zu 6 Stunden angegeben und für Flüssigkeiten 10 min. (Wasser) – 30 min.

Für einen so kleinen Magen, doch noch eine so „hohe“ Verweildauer zu haben, die darüber hinaus auch 24 Monate nach OP relativ stabil bleibt, finde ich, schon mal keine so üble Nachricht (für mein Magen-voll-Gefühl).

Und obwohl für den Moment alles dagegen spricht, inkl. meines eigenen Gefühls und meiner Erfahrung (bis zu diesem Zeitpunkt), dass sich mein Schlauchmagen über das zu erwartende Maß hinaus gedehnt haben könnte, so schwebt doch eine Zunahme auch immer drohend über mir, als ehemals stark übergewichten AC-OP, einmal Fettzellen immer Fettzellen und diese wollen nun mal gefüllt werden, und sollte durchaus erst genommen werden.

Allgemein spricht man davon, auch hier hat meine Suche nach mehr exakten Zahlen versagt (seht es mir nach, ich tue mich wirklich schwer damit), dass es bei 15-20 % der Patienten im Verlauf der Zeit nach OP wieder zu einer signifikanten Zunahme kommt. Wobei davon bis zu 25 % das verlorene Gewicht wieder gänzlich zunehmen.

Zu einer Untersuchungen von Biron et al, aus dem Jahr 2006, habe ich nur eine Zusammenfassung gefunden, aber die Studie nicht: Demnach heißt es hier, dass 10 Jahre nach Bypass 20 % der Patienten, zurück über einen BMI von 35 gelangen und 34% zurück über BMI von 40. Beim Duodenalen switch waren es 20 % der Patienten, die wieder über einem BMI von 35 lagen und 40 % bei einem BMI von 40. Und obwohl ich keine Zahlen zum Schlauchmagen gefunden habe, bzw. dieser nicht Teil der Studie war, so ist DAS wirklich beängstigend.

Dabei ist ein zweiter, überarbeitender Eingriff, der das Problem der Zunahme wieder richten soll, auch keine Option, da er mit einem höheren Risiko verbunden, als der erste und einem kleineren Gewichtsverlust, von durchschnittlich „nur“ 4 – 15 kg in 6 Monaten, einhergeht. Auch hierzu habe ich keine Studie, sondern „nur“ eine Zusammenfassung gefunden.

Was bleibt also? Nutze das erste magische Jahr zur Abnahme, etabliere deine veränderte Ernährungs- und Lebensweise, denn im kritischen zweiten Jahr kann sich ansonsten alles gegen dich wenden, du drohst in alte Muster zu verfallen und eine Zunahme ist garantiert. Auch reicht eine alleinige Abnahme über die „natürlich“ Restriktion deines Schlauchmagens nicht mehr aus, da dieser nun ja wieder mehr Nahrung aufnehmen kann. Um dich weiter zu bringen, nutze dieses Jahr deine Fitness aufzubauen. Denn im 3-5 Jahr wird der Hunger zurückkommen und schon deshalb bleibe bei der Hälfte deiner Portion und bewege dich regelmäßig. Damit du ab dem fünften Jahr nicht Gefahr läufst, dich wieder an der essenden Masse zu orientieren. Denn nun heißt es, bei deiner Ernährung und Lebensweise zu bleiben und deine Fitness zu erhalten.

Bedenke auch, dass es nicht die Größe des Magens/Pouchs ist, die auf lange Sicht dein Gewicht bestimmen wird, sondern, dass neben der Menge, vor allem auch wichtig ist was du isst. Die Lösung: Qualität, nicht Quantität. Und je korrekter du dich sich an die Qualität hälst und je weniger du cheatest, desto höher ist die Chance dein Gewicht auf Dauer zu halten.

Ein Schlauchmagen wird sich nie wieder auf die alte Größe vor OP ausdehnen. Aber er ist – wie dein Geist auch – ein belastbares Ding. Und es ist niemals zu spät wieder anzufangen.

So habe ich es im Internet gelesen und besser hätte ich es auch selber nicht formulieren können.

Erinnern wir uns also der Basics:

Trenne Essen und Trinken, mit dem Abstand von 30 min.; was ich nicht immer mache, wobei ich nie beim Essen trinke, aber durchaus schon mal noch 10 min davor.
Genieße dein Essen, lass dir min. 15 min Zeit und iss langsam; womit ich ein echtes Problem habe und woran ich unbedingt arbeiten muss.
Iss zuerst das Protein, dann deine Fett und zum Schluss die Kohlenhydrat Beilagen; jepp, das mache ich.
Iss kleine Bissen und kaue gründlich; noch so eine Baustelle.
Trinke deine Kalorien nicht. Wasser ist der beste Durstlöscher. Trinkempfehlung: 40 ml pro kg Körpergewicht; jepp, das mache ich.
Nutze einen kleinen Teller und kleines Besteck; jepp, das mache ich.
Hör auf zu essen, sobald sich das erste zarte Gefühl von Fülle sich meldet; nun ja, ich versuche es.
Über-iss dich nicht, kontrolliere ggf. deine Portionen; jepp, das mache ich.
Gibt deinem Magen Zeit sein Satt-Signal zu senden und dir Zeit es zu empfangen; ausbaufähig!
Nasche nicht zwischendrin, sondern esse zeitlich geplante Mahlzeiten; *seufz*, dass ist ein verdammtes Problem.
Reduziere Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel in deiner Ernährung; jepp, das mache ich.
Nehme die, dir von deinem Krankenhaus empfohlenen, Supplemente regelmäßig; jepp, das mache ich.
Denk immer daran, warum du dich dieser Operation unterzogen hast und behalte dein Ziel im Auge; jepp, das mache ich.