Shopping-Tour

Alte Kleidung durch neue ersetzten zu müssen, war/ist eine Qual für mich. Ich habe es noch nie genießen können, wenn eine Einkaufstour anstand.

Zumal ein solches Vorhaben, in den Größen 62/64, eh auf wenige Internetshops und noch weniger Läden beschränkt – und letzte dann sowie nie, die wirklich großen Größen auch tatsächlich vorrätig haben – fand (Online-, oder früher Katalog-)Shoppen für mich eigentlich immer nur in sehr privatem Rahmen und in der Regel in eigener Gesellschaft statt.

Kein Außenstehender, der gnadenlos und oft zu recht seine Meinung zu dem oder jenen Kleidungsstück verkündete, Beifall spendet, Vorschläge macht, Begeisterung zeigt oder einem zu einem Teil überredet, was man selber wohl nie gekauft hätte und vor allem keine oft so befriedigende Schnäppchenjagd und ein sehr geringer Spaßfaktor.

So kam es, dass ich entweder gleich bei den Basics (T-Shirts, Shirts und Schlupf, Trainingshosen) in den angebotenen Farben blieb oder aber so manche Kaufsünde als ungetragene Modeleiche im Schrank liegen hatte.

Gestern war ich zum ersten Mal, seit ich zurückdenken kann, mit Mädels, in diesem Fall aus meiner Adipositas Selbsthilfegruppe, zum Shoppen unterwegs – und hatte nicht nur eine Menge Spaß sondern konnte auch ein paar echte Schnäppchen ergattern.

In erster Linie war natürlich die Gesellschaft an sich ausschlaggebend. Eine abenteuerliche Gruppe, die stark, laut und lustig auftritt, schafft eine Wohlfühlatmosphäre, die man einfach mit nichts aufwiegen kann. Mittendrin fühlt man sich sicher, geborgen und es fällt einem leicht auch einmal aus sich rauszugehen.

Und dann war da natürlich auch jemand, der mir gnadenlos auf die Finger, bzw. auf die Figur, gesehen hat. Und denen ich es auch zu verdanken habe, dass ich heute hier nicht mit einem Haufen neuer Kleidung in viel zu großen Größen herumsitze.

Denn es war schon etwas surreal, wie ich nach und nach Kleidergröße um Kleidergröße runter gehen musste, bis ich endlich etwa anhatte, was – nach der Meinung der Truppe (und ehrlicherweise auch meiner) – nicht aussah, als hätte ich mir einen Sack übergestülpt.

Dass hat mir sehr zu denken gegeben und mir erneut sehr bewusst vor Augen geführt, dass ich echte Probleme damit habe, den schnellen Gewichtsverlust, von bisher 40 kg, zu verdauen. Automatisch und ausschließlich habe ich nach viel zu großen, überall verhüllenden Kleidungstücken gegriffen und dabei überhaupt nicht in Frage gestellt, wie ich mich darin fühle.

Hier mal ein Bild von meinem neuen Lieblingsteil:

Shopping Sep 2014 Anke

Das ist mir erst Stunden später aufgefallen, als ich bereits wieder meine eigenen (alten) Klamotten anhatte und ich mir mit einem Mal vorkam als trüge ich ein unförmiges Zelt, anstelle eines T-Shirts und einer Schlupfhose.

Bis zu dem Moment als ich meine richtige neue Größe anhatte, war mir das überhaupt nicht bewusst. Zwar fand ich meine (alte) Kleidung nun als sehr bequem, weil eben recht weit, aber dennoch durchaus als brauchbar.

Nach der Modenschau und der Shoppingtour jedoch, fand ich meine (alten) Sachen einfach nur noch furchtbar und ich habe mich ganz schrecklich darin gefühlt. Und ja, ich habe erneut einen Altkleidersack gepackt, auch wenn ich zugegebenermaßen erst einmal darüber schlafen musste, bevor ich mich dazu entschlossen habe.

Im besten Falle werde ich wohl nicht allzu lange an meinen neuen Stücken Freude haben; meine neue Lederjacke habe ich jedoch, für den Fall, extra eine Nummer kleiner gekauft (ebenfalls auf ausdrücklichen Rat meiner Begleiter). Aber sei es drum, es war in vielerlei Hinsicht eine sehr spannende und erhellende Erfahrung und natürlich freue ich mich nun auch schon auf die nächste Shopping-Tour mit meinen Mädels!