Soja ist das neue Fleisch?

Anke goes vegan? Nein, darauf gibt es nur eine Antwort: Ich habe immer, gerne und viel Fleisch gegessen und werde das auch in Zukunft tun. Aber vermutlich sollte die Überschrift, aka Schlagzeile, auch besser heißen: „Frau wird von Schlauchmagen zum Soja essen gezwungen“. Was inhaltlich durchaus korrekter wäre, aber leider längst nicht so hip klingt.

Schon vor meiner Schlauchmagen OP war mir bewusst, dass die OP Geschmacksempfinden und auch die Ver-, bzw. Unverträglichkeiten von Lebensmittel beeinflussen kann. Zieht man zudem meine chronische Darmerkrankung, bzw. low carb-Ernährungsumstellung in Betracht, die ebenfalls großen Einfluss auf Verträglichkeiten haben kann, bzw. in meinem Fall auch tatsächlich hatte, darf niemand, mich eingeschlossen, eine mögliche Verlagerung meiner Lieblingsspeisen-Auswahl verwundern.

Eine neue Entdeckung ist jedoch, dass dies auch für relativ kurze Phasen auftreten kann. So hatte ich zb. im letzten Herbst eine Zeitlang große Probleme mit Laktose und konnte nur Laktose-freie Milchprodukte genießen, und selbst die nicht immer. Aktuell habe ich keine Probleme mit Quark & Co. Und, dass es auch lange nach OP (2,5 Jahre) noch passieren kann, dass sich mein Geschmack, bzw. meine Vorlieben ändern.

Ein Punkt, der mir bereits vor OP klar war, betraf die Verträglichkeit von dunklem langfasrigem Fleisch. Und tatsächlich, egal wie zart ein Gulasch gekocht wurde (und wie köstlich es auch schmeckt), seit der OP liegt mir dunkles Fleisch, Rind und Wild, wie ein Stein im Magen. Ich koche, brate und Slowcookerere es hin und wieder trotzdem, weil meine Männer es nun mal lieben und esse es meist dann aus Bequemlichkeit ebenfalls, was schlicht Dummheit ist. Aber gut, wer nicht hören will, muss fühlen.

Mit Schwein und Kalb erging es mir bisher tendenziell besser. Und ich mochte es auch immer noch ganz gerne, aber zurzeit reizt es mich überhaupt nicht und ich habe keine Probleme damit es links liegen zu lassen; früher undenkbar für mich!

Bei Wurst und Würstchen ist es die Haut, die mir das Essen, bzw. das Verdauen, beinahe unmöglich macht. Also sind die mittlerweile auch fast komplett von meinem Speiseplan gefallen. Gemischtes oder reines Schweine oder Geflügel-Hackfleisch bekommt mir zwar besser, aber so wirklich verlocken tue es mich im Moment ebenfalls nicht.

„Trockenes“ Geflügel, was ich von jeher bevorzugt habe, kein anderer der Familie wollte das „trockene“ Brustfleisch (mehr für mich also), bekomme ich kaum noch runter, lediglich ein „saftiger“ Hühnerschenkel, vermag mich hin und wieder noch zu reizen. Und beim Aufschnitt und der Hartwurst ist es der Geschmack, der zurzeit ein völlig abturner ist.

Als ich gestern meinem Sohn meine heißgeliebten Power-Salamisticks abgetreten habe, weil sie mir einfach nicht geschmeckt haben, war das ein Schock für die „Königin der Bouletten, Kabanossi und Gelbwurst“, der sich erst noch gänzlich setzten muss.

Aber vielleicht erklärt das auch, warum ich mich seit Wochen, immer wieder in den vegetarisch/veganen Ecken der Supermärkte wiederfinde und erwäge, ob ich nicht mal diesen oder jenes Soja-Produkt ausprobiere. Was umso amüsanter ist, da ich es eigentlich ziemlich albern finde, einerseits Fleisch der „armen“ Tiere wegen abzulehnen und dann Soja-Ersatzwürste, Frikadellen oder Wurst essen zu wollen. Aber okay, hier sollte ich vielleicht dann doch gerecht sein, schließlich backe ja auch Brot aus Alternativzutaten nach.

Es scheint an der Zeit zu sein, dass sich die „Fleischpflanze“ Anke, einmal näher mit dem Lebensmittel „Soja“ beschäftigt. Denn das hat/hatte bei mir nämlich bisher einen ziemlich schlechten Ruf. Zumal ich in meinen Dicken- und normalen (also „western diet“) Ernährungszeiten viele Soja-Produkte überhaupt nicht vertragen habe und nach dem Genuss stets mit reichlich Verdauungsproblemen beschäftigt war.

Und natürlich rührte der negative Gesamteindruck auch daher, auf Seite der Fleischesser zu stehen und damit auch empfänglich für die „Soja ist schädlich für die Gesundheit“s-Fraktion zu sein und stets alles Anrüchige rund um die Sojabohne anzuführen, wann immer mich das Leben hat auf Veganer oder Vegetarier treffen lassen.

Immerhin kann ich mir zugutehalten, dass ich wenigstens heute Studienergebnisse, die mir von den Medien, für die ein oder andere Meinung, als jeweils einzige Wahrheit verkauft werden, erst einmal hinterfrage und nicht mehr unreflektiert hinnehme.

Und wie so oft, bin ich auch beim Soja, schnell an dem Punkt angekommen, dass nichts gut oder schlecht ist, sondern die Dosis das Gift macht. Genau zu diesem Schluss ist auch eine Übersichtsstudie zum Thema „Phytoöstrogene“ gekommen, die ich sehr interessant fand: The pros and cons of phytoestrogens

Moderation is likely key and the incorporation of real foods …. is probably essential for maximizing health benefits.

Und damit bin ich auch schon bei dem meiner Meinung nach allergrößten Problem, denn Soja, bzw. Extrakte der Sojabohne, sind günstige Rohstoffe und praktisch in allen „normalen“ Lebensmitteln enthalten, etwa als Sojaöl oder Lecithin. Das Summiert sich eben unterm Strich.

In asiatischen Ländern isst man traditionell seit Jahrhunderten Soja Produkte, ohne negative Auswirkungen. Doch wird es dort weder in großen Mengen, noch ausschließlich genossen und als ein (zumindest in der Vergangenheit) auf traditionellem Wege verarbeitetes fermentiertes Lebensmittel. Diese Art handwerklich-traditionell hergestellte Produkte, landen bei uns eher weniger auf dem Markt, bzw. muss man sie schon sehr genau suchen. Denn die Lösung aller ernährungsphysiologischen Probleme von Soja, liegt in einer langen sorgfältigen Fermentation.

Die Sojabohne ist grundsätzlich glutenfrei, allerdings werden für den Anbau in der Regel glutenhaltige Rankhilfen, wie zb. Gerste genutzt, die natürlich auch ihren Weg die Ernte und damit in die Produkte finden können; was für mich nicht so unbedingt zählt, aber Zöliakie-Patienten durchaus Probleme bereiten kann.

Sie ist eine Hülsenfrucht, was sie grundsätzlich für mich problematisch macht, sie damit auch aus der Paleo-Ernährung ausschließt und bedeutet, dass ihre hohen Phytat-Anteile und sowie ihre Lektine, die, respektive meine, Darmwände angreifen (Stichwort: leaky gut).

Zudem sind wohl Kreuzallergien mit Birkenpollen bekannt, was wiederum mir die Sache als Birkenpollen-Allergiker nicht gerade einfacher macht.

Dass sie als pflanzliche Alternativen kein Cholesterin, weniger gesättigte und mehr ungesättigte Fettsäuren enthält, kann ich persönlich nicht als Vorteil gelten lassen und auch ihre angeblich deutlich besseren Klima- und Wasserbilanz finde ich fragwürdig, da Soja im kommerzielle Anbau in Monokulturen angebaut wird und dazu eine recht anspruchsvolle und die Böden auslaugenden Pflanze ist.

Wie andere Lebensmittel auch, so sind natürlich auch spezielle Soja-Produkte, wie etwa vegane „Bratwürste“ stark verarbeitete Lebensmittel und tragen damit auch nicht gerade zum Umweltschutz bei; was, nur um das schnell einmal einzuwerfen, nicht industriell-verarbeitete, saisonale, regionale Produkte und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung durchaus zu leisten wissen.

Was die immer wieder angeführten Phytoöstrogene, also Isoflavonoide (Genistein, Daidzein, Glycitein) betrifft, verweise ich hier wieder auf die Übersichtsstudie von oben, deren gesundheitliche Auswirkungen bestenfalls umstritten sind. Und in Studien, die möglicherweise auf negative Nebenwirkungen hinzeigen könnten, nicht in „normalen“ oder moderaten Konsummengen untersucht wurden. Wir erinnern uns … die Dosis macht das Gift.

Die Studienergebnisse, bzgl. der im Soja enthaltenen Goitrogene, die im Fall einer Erkrankung der Schilddrüse, deren Funktion zusätzlich beeinträchtigen können, wenn auch nur, im Fall, dass die Jodaufnahme eingeschränkt ist, scheinen mir relevant zu sein. Und so würde ich, einmal davon abgesehen, dass es nicht seine Wahl wäre, aktuell meinem Mann, der mit der Schilddrüse zu kämpfen hat, und mit seiner Jodaufnahme, nicht mit Tofu „belästigen“.

An dieser Stelle, fand ich es interessant, einfach mal alle Soja-Produkte, also die mit dem Hauptbestandteil Soja, die ich aktuell im Haus habe, zusammen zu räumen.

Hier kann man durchaus von moderarten Mengen sprechen, oder? Die glutenfreie Tamari von Kikkoman nutze ich schon seit Jahren, sie bekommt mir im Gegensatz zur Sojasoße ganz hervorragend, und wollte sie nur der Vollständigkeit halber mit aufführen. Die Flasche Coconut Aminos enthält natürlich kein Soja und ist auch glutenfrei und eine tolle Alternative, weswegen ich sie hier mit aufs Bild gepackt habe.

Für meine gelegentlichen Versuche (mehr sind es tatsächlich nicht) in Richtung Soja-Fleischersatz, bemühe ich mich Produkte auszuwählen, die unter 5 gKHs/100g haben. Dämlich, das ich nicht darauf geachtet habe, aber wie ich gerade gesehen habe, ist das bei dem vegetarischen mediterranen Bratling von dm nicht der Fall. Bei seinen 23 g KHs/100g werde ich mir noch schwer überlegen, ob ich die Dinger überhaupt esse.

Den Soja-Joghurt von Alpro mag ich wirklich gerne, ob als Kokos, Mandel oder Hafer-Variante. Denn während mein abendlicher Quark, mit meinen üblichen Ballaststoffen (Flohsamenschalen und Inulin) und vielleicht noch, wenn mir danach ist, mit Protein angereichert, zu einer zähen pampigen Masse wird, „schluckt“ der flüssigere Soja-Joghurt alles ohne mit der Wimper zu zucken und ist um einiges angenehmer zu Löffeln.

Richtig genießen gelernt habe ich „Sweet Tofu“, für dessen Grundlage ich den Mandel-Tofu vom dm bevorzuge. In der Pfanne angebraten, Vanille und Zimt drüber und dazu Frischkäse mit Mandelmus (und etwas Süße oder ein Flavour verrührt) – wirklich köstlich!

 

Was ich mit dem Seidentofu anstelle, weiß ich noch nicht. Auf den bin ich erst vor kurzem aufmerksam geworden und im Moment stehen eine Reihe an Rezept zur Disposition: „Low-Carb Schokoaufstrich“, „Veganer Käsekuchen“, „Brownies“ und einen sehr sündig aussehenden, höchst ansprechenden „Mousse au chocolat Kuchen“; wobei es noch gilt, die ein oder andere Zutat auszutauschen und auf meine Ernährung anzupassen. Mehl, Margarine oder Agavensirup, geht halt mal gar nicht bei mir.

Zieht nun also „Soja“ ins Happy End Kurven Haus ein? Nein, so würde ich es nicht ausdrücken. Aber für den Moment bin ich sehr interessiert daran und habe meinen Spaß am Ausprobieren. Und wenn ich eines gelernt habe, dann dass, das nichts für immer ist, sondern stets alles im Wandel. Doch Gott behüte, dass sich mein Schlauchmagen als nächstes überlegen könnte, dass es nun an der Zeit sei, für eine Weile kein Gemüse, Ei, Käse oder gar – was für ein Alptraum – süßes Naschwerk mehr zu mögen!

Zum Thema Fleisch mögen wir noch ins Geschäft kommen und eine Einigung finden, aber bei meinen „Mandel-Muffins“ hört der Spaß eindeutig auf.