Status quo # 17/17 – „Schwimmen“ für Anfänger

Rückblickend würde ich sagen, dass ich schon eine ganze Weile „ins Schwimmen“ geraten bin. Schaue ich mir die Beiträge der letzten Monate an, so kann man das auch ziemlich gut an dem auf und ab erkennen. Klingt doch alles recht „launenhaft“, was ich da so von mir gegebene habe.

Zunächst ist es mir das ganz nicht so bewusst geworden, weil ich anfangs noch mit, immer verzweifelnd werdender, Wut gegen den Strom angeschwommen bin – bis mir irgendwann, die letzten Monate, die Luft aus gegangen ist.

Mein Kopf fühlt sich übervoll mit Gedanken an und der Rest von mir leer gesaugt, kraftlos und müde. Ich stehe neben mir, alles fühlt sich falsch an und alle meine, zugegeben eher jämmerlichen und halbherzigen, Versuche gegenzusteuern, scheinen stets in die falsche Richtung zu laufen.

Die unbedeutendsten Dinge schaffen mich total. Aufgaben und Anforderungen an mich, die ich zu anderen Zeiten spielend zu Händeln weiß, überfordern mich komplett. Ich will den Kopf in den Sand stecken und so tun als ob ich nicht da wäre, will meine Ruhe, will gar nichts mehr.

Nun könnte man natürlich einfach sagen, gut, es gibt eben solche Tage und wenn man mal eine Weile nicht so gut drauf ist und sich dabei etwas im Selbstmitleid suhlt, ist auch okay. Insbesondere da ich für mich aktuell dabei keine gesundheitlichen Probleme sehe, eine Depression fühlt sich definitiv anders an.

Problematischerweise ist das jedoch für mich immer der Zeitpunkt, an dem ich zu unkontrollierten Essen neige, mein emotionaler Hunger riesengroß ist und die Stimme in meinem Kopf, die nach „etwas zu Essen in den Mund zu stecken“ schreit, unmöglich zu ignorieren ist.

In Folge dessen, schließlich heißt, mehr Essen = mehr auf der Waage, was den Stress nun ja nicht gerade entschärft, neige ich dazu mich ziemlich Kopflos und wenig sinnvoll in zumeist verzweifelte Experiment, Ideen und Aktivitäten zu verstricken.

Eines davon war mich an dem „Strandprogramm 2016“ von Team Andro, das ich zufällig im Netz gefunden hatte, zu versuchen. Ich habe zwar die Sache mit dem Kaloriendefizit gleich sein gelassen, aber sagen wir es mal so, wenn man sich eh schon Scheiße fühlt, sich auch noch eine Menge weitere Scheiße in Form von einem ungewohnten Trainingsprogramm auflädt und darauf noch ein recht strammes Cardio-Programmes (zumindest für mich) topt, ist das definitiv keine gute Idee.

Oh, ich muss sagen, dass mir mittlerweile das Trainingsprogramm (Woche 1-4) richtig Spaß macht und ich denke, dass ich die Pläne auch weiter ausführen werde; vor allem nun, da ich nach den ersten 14 Tagen, die Sache mit dem Cardio auf mein Niveau angepasst habe.

Man kann also sagen, dass das gerade mal noch gut gegangen ist. Auch die Sache mit der Woche „Süße-frei“ ist dann doch ganz gut gelaufen; wobei ich natürlich im Stillen gehofft hatte, dass sich der Verzicht von Zucker und vor allem künstlicher Süße vielleicht positiv auf mein Essverhalten auswirken würde – was nicht der Fall war (vielleicht war der Versuchszeitraum zu kurz?). Andererseits hatte ich ja auch keine Probleme mit Süßstoffen in die Ketose zu kommen oder während meines Fettlogik-Experimentes abzunehmen. Immerhin habe ich mir selber bewiesen, dass ich wirklich keine Probleme habe auf Süße – egal welcher Art – zu verzichten. Auch nicht schlecht.

Nicht ganz so gut ist die Sache mit der Mahlzeiten-Vorbereitung, -Timing und Speiseplan-Zusammenstellung gelaufen. Es hat zwar richtigen Spaß gemacht Meal Preps vorzubereiten und zu kochen und es war auch ziemlich klasse, dass ich nur jeden 2. Tag in der Küche stehen musste; wobei nicht das Kochen das Problem ist, das mache ich nämlich wirklich gerne, sondern dass das „in der Küche stehen“ mir auch immer Gelegenheit bietet (die ich nur zu gerne annehme), ein bisschen im Kühlschrank „zu grasen“ – was auch bedeutet, dass ich, wenn ich mich dann an den Tisch setzte, oft eigentlich schon satt bin – trotzdem was essen, weil es halt gerade auf dem Tisch steht usw.

Das Projekt scheiterte jedoch an der Tatsache, dass wir drei so unterschiedliche Mitglieder in der Familie, deren Ess/Mengen/Hunger-Bedürfnissen so weit auseinander gehen, dass ich es organisatorisch einfach nicht auf die Reihe bekommen habe, diese auch nur annähernd zu erfüllen. Die traurige Wahrheit war, dass ich in diesen Tagen mehr weggeworfen habe, als jemals zuvor. Es war also ein Bevorratungs/Koch/Ess-Chaos pur.

Dabei würde ich damit für mich selber damit eigentlich ziemlich gut fahren, glaube ich. Doch wenn ich für mich Vorkochen muss und dann noch mal für die anderen, weil die andere Mengen, zu anderen Zeitpunkten und andere Nahrungsvorlieben haben, erhöht sich zwangsläufig die Zeit, die ich in der Küche verbringe und damit die Zeit „zu grasen“. Und das ist keine Option, zumindest nicht aktuell.

Was die Ideen und Aktivitäten betrifft, so kamen die Intensionen dazu durchaus aus meinem Herzen. Aber ich habe mir mal wieder viel zu viel für den Augenblick aufgeladen, wollte alles perfekt und es allen recht machen, dass ich praktisch mitansehen konnte, wie mein Stresslevel gestiegen ist.

Irgendetwas musste passieren. Also habe ich kurzerhand letzte Woche alle Verabredungen abgesagt, mich allein darauf konzentriert trainieren zu gehen, meinen Haushalt zu machen, der nämlich auch unter den Stress gelitten hat, zu kochen und einzukaufen. Ich habe mich auf mich und die Basics konzentriert – und es hat mir unglaublich gutgetan.

Was ich dabei sehr spannend finde ist, dass ich (ganz besonders in solchen Schleuderzeiten) auch immer wieder „Momente der Erkenntnis“ habe. In denen sich (…ich nenne sie, wegen mangelnder anderer Bezeichnungen einfach mal…) „Glaubenssätze“ vor mir ausrollen und mir sehr genau ihre Problematik, ihr Ablauf und meine bisher übliche Reaktion aufzeigen. In der Vergangenheit bin ich nie über den Punkt „Ablauf“ hinausgekommen und konnte mir eigentlich nur dabei zusehen, wie ich mal wieder in der üblichen Weise reagiert habe, ohne zu verstehen oder Zusammenhänge erkennen zu können, woher das nun wieder kam.

Dieser Prozess braucht natürlich immer noch seine Zeit, ich finde nicht immer Lösungsansätze und ich dappe zunächst erst einmal in die üblichen Fallen, aber erkenne sie aber heute viel schneller, kann sie klarer sehen, schneller reagieren und sie damit auch schneller wieder für mich abhaken. Und je öfters das passiert, desto zügiger kommt es zu so einer Auflösung.

Klingt das verständlich? Macht das einen Sinn?

Wenn nicht ist auch egal, es reicht ja auch mit den schwerwiegenden Gedanken.