Status quo #2/17 – Style

Über so etwas, wie einen eigenen Style, habe ich noch nie nachgedacht. Ehrlicherweise kam mir das bei Größe 64 auch nicht wirklich in den Sinn. Ein Leben mit 200 kg hat mich allein schon ausreichend gefordert, ich brauchte für meinen Körper viel Luft und Platz, mir war eh immer warm und die kleinste Anstrengung hat mich zum Schwitzen gebracht. Zudem habe ich meine Zeit damit verbracht, möglichst unauffällig zu bleiben und unter dem Radar zu fliegen, in der Hoffnung, so die am wenigst möglichen Übergrifflichkeiten anderer erdulden zu müssen. Ich bewundere ehrlich jeden der damit umgehen kann, aber ich kann und konnte es noch nie.

Da überlegt man nicht lange was man anziehen will, Hauptsache es ist mit funktionell, bequem und schlicht. Und überhaupt, in dieser Größenordnung ist man einfach nur glücklich, wenn man ÜBERHAUPT etwas zum Anziehen findet (zumindest war das die meiste Zeit meines Lebens so, heute ist das Angebot zum Glück etwas weiter gestreut).

Es war kein Wunder, das eine dunkle Sweat(Trainings-)hose und ein einfarbiges T-Shirt oder Shirt, vielleicht noch ein hübscher Schal oder etwas Modeschmuck, Jahrzehnte lang mein Style war.

Als das mit dem Abnehmen anfing und ich endlich in den Bereich kam, der mir Kleidung von der Stange und somit in einer großen Bandbreite anbot, wollte ich das mit dem Style „geplant“ angehen. Doch so rasant, wie ich in der Folge durch die Kleidergrößen gerutscht bin, kam ich kaum mit dem Notwendigsten nach und wann immer ich etwas fand, was wirklich zu mir passte, mir gefiel und mich darstellte, war es in kürzester Zeit zu groß.

Und so stellt das aktuelle Ergebnis erneut eine sehr bunte Mischung dar, dem Style völlig abgeht. Doch vielleicht bin ich in diesem Punkt auch (mal wieder) in die völlig falsche Richtung gerannt und es ist ein Zeichen, das in meinem Kleiderschrank nach wie vor funktionelle und sportliche Kleidung vorherrscht. Diese ist definitiv schicker und farbiger geworden und hat nur noch wenig von der einstigen „dunklen Sweathose und dem ein- und gedeckt-farbenem Shirt“-Auswahl. Und he, gerade in diesem Bereich gibt es noch so einiges zu entdecken, insbesondere da ich eben erst in den Kleidergrößenbereich komme, der die WIRKLICH schicken Sport-Sachen bietet. (Warum nur denken, die Sport-Modehersteller, dass nur XS-Mädels sportlich sind?)

Mein Style: Sportlich!? *lach*, wer hätte so was je gedacht? Aber tatsächlich „fühlt“ sich alles andere, für mich irgendwie unpassend an.

Aus Spaß habe ich mich mal durch den online Stil-Test der Brigitte geklickt: Welcher Modetyp bist du? und der hat folgendes für mich ausgespuckt:

Die Naturverbundene

Du liebst die Natur und Kleidung ist für dich ein Weg, deine Persönlichkeit auszudrücken. Ökologisch korrekt und trotzdem nicht trutschig, so soll deine Mode sein. Einem Trend-Diktat willst du dich auf keinen Fall unterwerfen. Im Herzen bist du vermutlich ein kleiner Hippie, freiheitsliebend und gleichzeitig auf der Suche nach einem inneren Gleichgewicht.

Gar nicht mal so schlecht getroffen, finde ich. Obwohl so ganz „Ökologisch korrekt“ dann auch wieder nicht (angesichts meines letzten Primark Hauls), auch wenn mir das wohl schon gefallen wurde.

Der Glamour-Test: Welcher Style passt zu mir? dagegen, kam lediglich mit der Aussage in meine Nähe

Sie lieben es lässig und tragen in Ihrer Freizeit gerne Streetwear-Looks

lag aber ansonsten ziemlich daneben, was mich betrifft und bescheinigte mir eine grade zu kreativen Vorzeige Style, der sich auch beim besten Willen nicht bei mir finden lässt.

Lustig fand ich den Rat vom Frauenzimmer.de:

Konzentrieren Sie sich nicht so sehr auf das Verstecken Ihrer Problemzonen, sondern versuchen Sie lieber, Ihre Vorzüge zu betonen!

Sorry, aber genau das habe ich gezwungenermaßen lange genug gemacht – nicht mein Style. Auch Ratschläge wie

„Seien Sie einfach sich selbst treu!“

bringen mich nicht weiter, sind fast schon kontraproduktiv, da ich eben nicht genau weiß „wie ich eigentlich bin“. Und ich habe auch nichts davon im Schrank, was allgemein als „klassisches Basic“ zu bezeichnen wäre; noch so ein Rat …

etwa eine weiße Bluse, ein Trenchcoat, eine gut sitzende Jeans, ein Kaschmircardigan, ein Rock und – nicht zu vergessen – das kleine Schwarze.

Wobei … wenn ich ansonsten einem sportlichen Style nachgehe/gebe, dann wären doch die klassischen Basic DIE Ergänzung, um für alle Fälle gewappnet zu sein, oder? Ich hätte meinen Style und wäre auch für festliche oder offizielle Anlässe gewappnet. Mh, vielleicht ist es genau das? Darüber muss ich, glaube ich, mal genauer nachdenken.

Nun, derweil tröste ich mich damit, dass ich immerhin sehr sicher sagen kann „mag ich“ oder „nicht so meines“, was ja auch schon mal so einiges Wert ist, finde ich.

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