Status quo #6/17 – alternativer, konspirativer, SH-Schlauchmagen/Bypass/Low Carb/Abnehm-Kaffeeklatsch

Es war fast so ein bisschen wie ein Treffen von Selbsthilfegruppen-Verschwörer, die sich im „geheimen“, also außerhalb der SH-Räume und Treffen zusammengerottet haben, um ihren, einst nach Schlauchmagen/Bypass/Magenband/vor OP-befindlichen verlorenen und erneut wieder gewonnen Kilos an den Kragen zu gehen.

Die Waffe der Wahl, diesmal „Low Carb“ – und jedes andere Hilfsmittel, was aktuell angesagt und greifbar ist. Eine Waschschüssel voll mit Null-Kalorien-Flavour/Sirups/Tropfen aus meiner „chemischen“ Hexenküche zum Testen und Ausprobieren – OMG, habe ich das tatsächlich alles gesammelt? – und einer Ladung lc-Schnecken mit Vanille-Mohn-Füllung und einem erstklassigen Kaffee.

Erster Punkt der Tagesordnung: Austausch von Klatsch!

Zweiter Punkt der Tagesordnung: Austausch der eigenen Befindlichkeiten; was dann schnell zum eigentlich Thema geführt hat: Zunahme/Abnahme.

Es gibt da natürlich auch ein paar andere Dinge, aber vor allem lehrt mich die Angst vor einer (unkontrollierten, nicht mehr stoppbaren, hilflosen) Zunahme (wie ich sie in der Vergangenheit so oft erlebt habe), in Sinne von „wieder richtig dick werden“, so richtig das Fürchten. Die 3,4,5 kg die ich im Dezember 2016 zugenommen habe, habe mich schon fast austicken lassen, was ist da erst, wenn ich 13,14,15 kg zunehmen würde?

*Tief durchatmen, Anke! Alles wird gut.*

In weniger Angsterfüllten Momenten, wenn ich klar denken kann, weiß ich und vertraue felsenfest darauf, dass ich nicht wieder in diesem Maße, also + 100kg, zunehmen werde, weil ich heute tief in mir weiß und akzeptiert habe, wo die Grundsätze liegen und was zu tun ist. Ich bin kein Gewichts-Opfer mehr, sondern weiß mich heute aktiv zu wehren. Fettlogik, sei dank!

Und auch deswegen werde ich es schlicht nicht zulassen PUNKT

Nun, das mag (vielleicht/hoffentlich) für mich funktionieren, aber was ist zu sagen, wenn mich andere fragen? Andere, die in der Gewichts-Opfer-Rolle gefangen sind, die auch mir so wohlbekannt war/und ist. Und die mein (neues) Konzept „T-U-N, tun es einfach, schiebe niemals fehlende Motivation vor und ess weniger oder genauso viel (um dein Gewicht zu halten), wie du verbrauchst“ in ihrer Abwärtsspirale, einfach nicht erkennen können/wollen.

Die nach wie vor, nach dem bequemen Weg suchen und so verzweifelt auf ein Diät-Konzept setzten (hier Low Carb), das so gar nicht zu ihnen passt und das sie einfach nicht durchhalten können, zu erneuten Operationen greifen (zum Zweck wieder oder mehr abnehmen zu können, wobei das Überarbeiten eines Pouches, z.b. mit einem Overstich, in bestimmten Fällen absolut sinnvoll ist) oder zu Medikamenten (mit zweifelhaftem Nutzen, wie ich behaupten möchte. Hat den je ein Medikament zum Abnehmen nachhaltig funktioniert?), die mittlerweile, so scheint es mir, wie Bonbons in Adipositas-Kliniken verteilt werden?

Und nein, kommt mir nicht damit: Auch ich finde, dass man sich ALLER (legalen) Mittel bedienen sollte/kann/darf, die einem in einer Diät nutzen könnten. Aber wenn man nicht grundsätzlich versteht und akzeptiert, wie der Hase läuft, wie das Prinzip Ernährung/Diät grundsätzlich funktioniert, ist es meine Meinung, dass das sowohl rausgeschmissen Geld ist, als auch ein gesundheitliches Risiko, was einzugehen in keinem Verhältnis zum Erfolg steht.

Immer wieder interessant, finde ich, ist auch die Diskussion, um die Flüssigphase vor einer AC-OP. Ich habe, mit schlechtem Gewissen, schließlich wollte ich ja diesmal alles perfekt machen, das Thema Flüssigphase sehr weit gedehnt ausgeführt. Und deswegen bin ich auch niemand, der in den Tenor mit einstimmt, dass eine Flüssigphase (also eine flüssige proteinreiche, low carb und low fat Ernährung über 4 – 6 Wochen vor OP) insofern sie das operierende Krankenhaus vorgibt, nicht diskutierbar ist.

Das Problem ist meiner Meinung nach aber auch ein ganz anderes. Denn es geht mir nicht um ein „für und wider“, sondern darum, dass ich behaupte, dass der Prozentsatz, der das ehrlich durchzieht und ehrlich durchhält, verschwindend gering und keinem realistischen Verhältnis zu den Behauptungen steht: aber klar, habe ich eine Suppenphase gemacht! und denen, die hinterher groß über andere herziehen, die mutig, oder dumm genug sind, zuzugeben, keine gemacht zu haben oder wenn vor OP, nicht vorhaben, eine zu machen.

Aber nicht, dass mir nun einer nachsagt, ich würde eine Flüssigphase vor der OP nicht befürworten! Nein, so ist es nicht. Aber schließlich ist es so, dass das zwar vorausgesetzt wird, aber faktisch kaum zu überprüfen ist. Sprich, hier gibt es wohl nur selten jemand, der nicht schummelt; Ausnahmen, die selbstverständlich meine Bewunderung haben, ausgenommen. Auch ich habe natürlich angegeben eine korrekte Flüssigphase gemacht zu haben, schließlich wollte ich meine OP nicht in Gefahr bringen, und es wurde kommentarlos so akzeptiert. Ja, man hat mir sogar aus ärztlicher Sicht bestätigt, wie toll ich das gemacht hätte und wie vorteilhaft ich meine Leber „geschrumpft“ hätte. *WTF?*

Und weil das auch noch raus muss, damit ich den Nachmittag abschließen und für mich verarbeiten kann, muss ich nochmals auf mein Lieblingsthema eingehen: Ich esse nur 1200 kcal und/oder nehme nicht ab, … wegen meines (Hunger-)Stoffwechsels, … der vielen Diäten/Jojos, .. weil ich keine Zeit habe Sport zu machen, … wegen meiner Schilddrüse, … meiner Medikamente, … meiner fehlenden Motivation, … weil meine Frau so gut kocht! usw. Okay, das letztere stammt nicht aus der Runde, sondern ist ein Fundstück zum Thema, einer anderen Gelegenheit.

Bitte, bitte, lest „Fettlogik überwinden“ von Dr. Nadja Hermann und schaltet euren gesunden Menschenverstand ein. Auch ich musste/muss da durch, es gibt keinen anderen Weg.

Puh, das hört sich nun alles irgendwie sehr negativ an. Aber tatsächlich war es ein wirklich fröhlicher und muntere Kaffeeklatsch und ein produktiveres und intensiveres Treffen, wie ich nur selten eine SH erlebt habe; wobei ich auch hier, NATÜRLICH einer SH nicht ihren Nutzen und Zweck abreden will, auch ich habe davon profitiert!). Die belastenden und auch irgendwie verzweifelten Gedanken dazu wachsen wohl eher auf meinem Mist. Zumal es so ist, dass eine ganze Reihe meiner Lieblingsmenschen anwesend war, ich ihnen doch so gerne helfen würde und ihnen etwas von dem Geben, was mich vorantreibt. Natürlich auch, damit sie mir im Gegenzug mal unter die Arme greifen können, wenn es nötig ist. Aber ich will eben keine Fettlogiken mehr im meinem Leben und deswegen ist es für mich so wichtig mit Mythen und Fettlogiken aufzuräumen.

Ergo, Ergebnis: 1 hoffnungsvolle (ich), 1 entspannt strickende, 2 völlig verwirrte, 2 komplett überforderte, 2 skeptische = 8 gute Launen und durch und durch motivierte Low Carb-Verschwörer und eine Verabredung für eine Wiederholung in 14 Tagen.