[Status quo] Ende Juli 2015, 13 Monate nach OP

Medizinisch

Vermutlich durch einen Stoß vors Schienbein habe ich mir, auf meinem Krampfadern-Thrombose-geschädigten Bein, ein Erysipel (Wundrose) zugezogen. Das tut nicht nur bei der geringsten Berührung höllisch schmerzen, sondern auch die Entzündung, die deswegen in meinem Körper tobt, schafft mich total. Ich bekomme nun Antibiotika, damit sich das Ganze auf keinen Fall zu einer Blutvergiftung ausweiten kann und soll die üblichen Empfehlungen – Stützstrümpfe, kühlen, hochlagern, bewegen – befolgen. Aber wenn man so fertig ist, woran auch das heiße Wetter und der fürchterlich niedrige Blutdruck seinen Anteil hat, und bei der Hitze, ist es wahrschlich kein Vergnügen ein „artiger“ Patient zu sein.

Derweil habe ich meinen Follow Up-Termin in Offenbach an der Sana Klinik wahrgenommen – und mit gemischten Gefühlen erlebt. Einerseits war es mir wichtig, nicht zuletzt um auch mein Gewissen zu beruhigen, mich zu meinem Schlauchmagen-Jahrestag wieder einmal im Krankenhaus vorzustellen, andererseits hat es mir aber auch nicht wirklich etwas gebracht.
Nun ja, vielleicht eine (freundliche) Diskussion mit dem untersuchenden Arzt, darüber dass es Zeit wird mich von meiner Galle zu verabschieden.

Was übrigens für mich persönlich kein Problem darstellt, da ich mich längst an den Gedanken gewöhnt habe. Allerdings habe ich Außerhalb der Adipositas Klinik noch keinen Arzt gefunden, der derselben Meinung war und mich, zwecks Entfernung der selbigen, in ein Krankenhaus einweisen gewollt hätte.
Nun wie auch immer, dem Problem werde ich mich früher oder später stellen müssen – denn für mich ist klar, dass Ding muss raus BEVOR ich die erste Gallenkolik habe.

Etwas einfacher umzusetzen waren dagegen die Empfehlungen der Ernährungsberaterin der Sana Klinik Vitamin D3, Vitamin B12 und Calcium zu verdoppelt, wegen der immer noch recht grenzwertigen Werte.
Da alles was eine optimale Supplementierung betrifft, bei mir auf offene Ohren stößt, schließlich weiß ich noch sehr gut wie schlecht es mir mit meinen diversen Mangelerscheinungen erging, ist dieses Thema weniger ein Problem.

Spannend war wie immer auf andere OP-(Ex-)Adipösler zu treffen; ist euch schon einmal aufgefallen, dass sich Ex-Dicke auf eine ganz bestimmt Art bewegen, so als würden sie immer noch ihr altes Gewicht mit sich rumtragen?

Ach ja, die Blutwerte von der Endokrinologin sind gekommen. Der hohe Homocystein-Wert hat sich wieder normalisiert (vielleicht doch nur ein verfälschter Laborwert, wie es die Endokirnologin vermutete), dafür ist mein Pyrilinks-D-Spiegel auf beängstigende Weise durch die Decke geschossen. Winkt hier tatsächlich eine Osteoporose? Nun warten wir erst einmal die nächsten Werte ab; zudem greifen hier ja auch die Empfehlungen der Ernährungsberaterin der Sana Klinik ein und die Tatsache, dass ich wieder in den Kraftsport eingestiegen bin, passt ebenfalls.
Ansonsten bin ich total glücklich über meine durchweg guten Blutwerte.

Noch eines, nachdem mein Blutdruck mehrfach auf Werte unter 100/70 gesunken war, habe ich den Calciumkanalblocker in der Dosis halbiert. Geändert hat sich bisher wenig und ich erwäge auch noch die 2. Hälfte des Bluthochdruckmittelns abzusetzen. Schließlich nehme ich ja auch noch einen Betablocker, der eigentlich im Stande sein müsste ggf. Spitzen und Tiefen abzufangen. Im Moment messe ich meine Werte engmaschig, weil ich natürlich sicher sein will, bevor ich das Amlodipin komplett absetzte. Ich habe übrigens diesmal komplett auf die Diskussion mit meiner Hausärztin verzichtet und bin eigenmächtig zur Tat geschritten. Bei der nächsten Routineuntersuchung werde ich ihr mein Handeln natürlich beichten.

Essenstechnisch

Ich versuche mich weitestgehend „normal“ zu ernähren, also so wie ich es auch in Zukunft handhaben möchte. Gemüse, Fleisch sind die Hauptbestandteile meiner täglichen Ernährung. Aber ich genieße nach wie vor auch Milchprodukte und süße Low Carb-Bäckereien. Das mag vielleicht nicht optimal sein, ist natürlich auch kein „sauberes“ Paleo und vielleicht sogar „grenzwertiges“ Low Carb (je nach Definition des selbigen), aber manchmal muss es eben sein.

Die letzte Woche hatte ich anscheinend eindeutig zu viel in Cookies & Muffins geschwelgt, denn auch wenn meine Essensplan-Kontrolle, die ich immer noch gewissenhaft notiere, eigentlich nichts besorgniserregendes zu vermelden hat, so sind doch wieder 106 kg auf der Waage. Zugegeben ich hatte auch eine wirklich faule Woche, Probleme mit der Verdauung (wieder mal zu wenig getrunken) und ein bisschen Radfahren fordert mich mehr nicht wirklich. Aber gut, jetzt nur die Nerven behalten, weitermachen und durch.

Doch im großen und ganzen habe sich die Mengen eingependelt; wobei ich nach wie vor von einem Kinderteller esse und auch das Kinderbesteck nutze, da sich meine Tendenz zum „Schlingen“ nicht wirklich gebessert hat, damit aber in Schach zu halten ist.

Sportlich

Von meinem neuen Studio hatte ich ja schon berichtet. Es gefällt mir zwar nicht, dass dort alles auf Cardio ausgelegt ist (einer der großen Missverständnisse im Frauensport, dass immer noch geglaubt wird, mit viel Crosstrainer & Co eine Gewichtsabnahme erreichen zu können), aber ich fühle mich persönlich wohl dort. Da ich immer noch einige Fehler bei der Ausführung der Übungen mache, arbeite ich im Moment eher noch an meinem „Stil“, denn an meiner „Leistung“. Aber mir soll es recht sein, schließlich will ich mir keine Fehler antrainieren und da bin ich schon dankbar, dass ich eine so aufmerksame Trainerin gefunden habe.

Da mein Mann Urlaub hatte und wir nicht weggefahren sind, hatten für mich gemeinsame Aktivitäten Vorrang. Ich bin also nur wenig ins Studio gekommen, dafür aber gemeinsam mit meinem Mann viel Radgefahren und Nordic Walken gewesen.

Status quo

Bis auf die Tatsache, dass es gewichtstechnisch generell nur noch schleichend und mit einigem nervigen „Auf und Ab“ vorangeht und der blöden Sache mit der Wundrose, fühle ich mich wohl. So gibt es Tage, da komme ich mir nach wie vor noch total dick vor und es gibt solche, an denen ich mich vor Glück über meine neue Figur fast überschlage. Und wie das, so wechseln sich auch die Angst vor der Zukunft (mögliche gesundheitliche Folgen nach der OP oder eine etwaige Gewichtszunahme) und der erwartungsvolle und positive Blick nach vorne ab.

Aktueller Wiegetag: 27. Juli 2015 = 106 kg (Start: 192,6 kg /Jan 2014)