[Status quo – Extra] Mitte Juni 2016, 2 Jahre nach OP

Happy Schlauchmagen-Day! Am 18. Juni 2016 ist Schlauchmagen 2 Jahre alt geworden. Für mich persönlich zählt jedoch nicht so sehr die OP als Moment der Wiedergeburt, sondern der Zeitpunkt Ende 2013/Anfang 2014 als ich, durchaus angetrieben durch die Hoffnung, die mir die Aussicht auf eine Adipositas OP beschert hat, angefangen habe, mich wieder „in Bewegung“ zu setzten, Veränderungen an- und ernst zu nehmen und etwas zu tun.

So sind eigentlich schon 2 ½ Jahre meines neuen Lebens ins Land gegangen.

Ich bin unglaublich dankbar dafür und unsagbar glücklich darüber, dass ich es damals geschafft habe meine ach so „bequeme“ und vermeintlich „sichere“ Komfortzone abzustreifen. Und manche Tage rätsele ich durchaus darüber, wie ich es aus meiner damaligen Situation heraus habe schaffen können, wo mir doch jeder Schritt wehgetan hat und so unglaublich mühsam war.

Natürlich ist die Hoffnung ein sehr starkes Instrument und trotz vieler Enttäuschungen mit eben dieser, habe ich mich trotzdem irgendwie daran geklammert. Doch ich denke, dass bei mir vor allem die persönliche Entwicklung, nicht mehr alles hinzunehmen, in Frage zu stellen und Veränderungen zuzulassen, sehr viel wichtiger für diesen Schritt war. So war es vielleicht auch ein Gutteil Wut, die mich vorangetrieben hat (als ich erkannte, dass man mich all die Jahre stets auf einen für mich falschen Weg geschickt hat und damit auch gewissermaßen klein-, ruhig- und brav-gehalten hat) und es immer noch tut.

Die Zeit diesen Umbruchs war geprägt von unglaubliche Eindrücken und faszinierenden (Wieder-)Entdeckungen, aber auch so mancher Veränderung, die gar nicht so einfach zu verdauen ist und an der ich wohl auch in nächster Zeit noch ordentlich zu knabbern haben werde.

Stütze und Hilfe sind mir dabei meine (Lern-)Erfahrungen aus der Reha 2006, nach der Diagnose Depression. Zudem denke, dass es mir auch sehr gut tut noch ein gutes Stück „Arbeit“ vor mir zu haben. Denn heute, nach Jahren, ach, Jahrzehnten des sich Hängenlassens weiß, dass ich – zwingend – ein festes Ziel und eine Aufgabe brauche.

Es mag recht einfach sein ein Ziel zu haben, es aber tatsächlich fokussiert anzugehen und stets im Auge zu behalten ist gar nicht so leicht; wie ich im letzten halben Jahr, nach Erreichen des uHus, wieder einmal feststellen konnte.

Denn allzu schnell lässt man sich fallen und richtet es sich auf den Lorbeeren gemütlich ein. Dass dem mal wieder so weit war, habe ich erst nach einer Reihe sehr inspirierende Aussagen für mich erkannt, über die ich zufällig bei meinem Stöbern im Internet gestolpert bin. Nun gibt endlich auch das Gefühl des Orientierungsverlusts, mit dem ich derweil zu kämpfen habe, einen Sinn.

Wobei ich zugeben muss, dass ich meine Ansprüche auch unerhört hoch gesetzt und dabei nicht auf meinen Körper gehört habe; und dem hat das gar nicht gefallen. Ergo, im letzten halben Jahr ging gewichtstechnisch überhaupt nichts. Dabei kann ich noch sagen „zum Glück“, denn so wie ich den Pausen-Ruf meines Körpers ignoriert habe, hätte der sich leicht rächen können und locker wieder was drauf packen und für kommende Hungerzeiten hamstern. So ist mein Gewicht „nur“ zwischen 2 und 4 kg hoch und runter geschwankt.

Die Erinnerung daran: „Gibt dir Zeit“, „erfreue dich daran, dass du den Status Quo nun schon über so viele Monate erhalten könntest“, „verlier dein nächstes Etappen-Ziel nicht aus den Augen“ und „bleib fokussiert“, war zu diesem Zeitpunkt höchst wichtig für mich. Aber auch daran, dass etwas „was bei anderen prima funktioniert, nicht unbedingt auch bei mir gut geht“, „ich meinen eigenen Weg finden muss“ und dass trotz aller Zufriedenheit und dem Glück, was ich in meiner neuen Ernährung gefunden habe, „da trotzdem immer noch das Monster namens „(Ess-)Sucht“ lauert“, musste ich unbedingt wieder erinnert werden.

All‘ das hat mich innehalten, einiges überdenken und in Frage stellen lassen und mich wieder auf Spur gebracht. So zumindest fühlt es sich für mich im Moment und es tut sehr gut.

Auch begreife (und akzeptiere) ich langsam, dass, auch wenn sich nichts auf der Waage tut, mein Körper immer noch Schwerstarbeit leistet und nach wie vor dabei ist, diese 1. Phase der Gewichtsabnahme zu verarbeiten. Die Vorgänge, also was genau passiert, sind mir zwar nicht ganz klar, aber es ist eindeutig: er sich immer noch – und zwar jeden einzelnen Tag.

Ausblick

Meinen zweijährigen Schlauchmagen-Geburtstag heranziehend, ist der perfekte Zeitpunkt da, ein neues Ziel zu formulieren. Nicht minder gut passt, dass ich gerade meinen Hausarzt gewechselt habe; bisher bin ich immer noch in meinen alten Wohnort gefahren, was wirklich sehr umständlich war; und nun mit ihm gemeinsam das Problem „Haut“ angehen will, wenn es zunächst auch nur darum gehen soll, die Problematik einmal abzustecken. Und ich, nach einigem ausprobieren in den letzten Monaten, nun endlich einen neuen Trainingsplan beginne; der mich auch auf einen möglichen Wander-Urlaub in den Bergen vorbereiten soll, noch so ein Ziel.

Habe ich das schon erwähnt? Ich liebe Listen! Also los:

Checkliste „Etappen-Ziel I“: ✔

Ernährungsumstellung ✔
Adipositas OP ✔
Bewegung ✔
uHu ✔

Checkliste „Etappen-Ziel II“:

Gewicht u95 kg
Ernährung stabilisieren
neuer Trainingsplan (für die nächsten 3 – 6 Monate)
Recherche und Information zum Thema Haut und WH-OP

Das ist natürlich noch nicht alles, doch ich habe mir vorgenommen, es von nun an langsam anzugehen, Schritt für Schritt, insofern lasse ich diese im Moment noch un-formuliert.

Rückblick

In diesem Zusammenhang dürfte auch ein kleiner Rückblick angebracht sein, darüber was sich konkret für mich geändert hat. Diese Liste bezieht sich meiner Meinung nach jedoch nicht nur auf meine Gewichtsabnahme, sondern vor allem auf meine Ernährungsumstellung:

  • Morbus Crohn, weiterhin unauffällig, in Remission
  • Gallensäureverlustsyndrom nach Darm-Resektion und deren Folgen (chronischer Diarrhoe), bis auf vorhandene Gallensteine, außerordentlich gut im Griff
  • Malabsorption nach chirurgischen Eingriffen, durch ausreichende Supplementierung, gut im Griff
  • Magen- und Darmprobleme: Verschwunden sind allgemeines Unwohlsein, Magen- und Bauchschmerzen, Krämpfe und Durchfall, nach Mahlzeiten; vermutliche hat sich jedoch eine Laktoseunverträglichkeit eingeschlichen (möglicher Zusammenhang: Crohn, evtl. auch Schlauchmagen) womit ich jedoch aktuell recht gut zurecht komme.
  • Bisher keine Probleme nach Schlauchmagen-OP.
  • Weniger, bis keine Medikamente mehr: 3 Bluckdrucksenker, 1 Harnsäurehemmer, 1 Mesalazin-Präparat (Entzündungshemmer) und 2 Antidrepessiva abgesetzt. Aktuell wird auch noch der Betablocker, als letztes verbliebenes Medikament, ob seiner Anwendung überprüft.
  • Blutwerte: die ich regelmäßig überprüfen lasse, haben sich phänomenal verbessert.
  • Weniger Erkrankungen und kaum noch Unpässlichkeiten: Keine Kopfschmerzen und keine Migräne mehr; gelegentlich Verspannungsschmerzen. Keine Erkältungen oder grippale Infekte. Heuschnupfen minimal.
  • Besseres Hautbild: Entzündete und juckende Stellen mehr auf der Kopfhaut, sind ebenso verschwunden, wie Hautirritationen in den Armbeugen und Kniekehlen, sowie unreine Haut und Akne.
  • Besserer Schlaf: Ich schlafe tiefer, fester und erholsamer. In der Regel zügiges Einschlafen und erfrischtes Aufwachen.
  • Keine Müdigkeit mehr nach dem Essen: keinen Leistungsabfall innerhalb des Tages und essen macht mich endlich satt, quälender Heißhunger ist verschwunden; emotionaler Hunger aber natürlich immer noch ein Thema.
  • Eine ganz neue Qualität von Energie: die Depression, schlechte Laune und Müdigkeit beinahe unmöglich macht.

Status quo

Ich habe meine alte Hülle abgestreift und bin wieder da! Verbesserte Lebensqualität = 100 %.

Aktueller Wiegetag: 18.06.2016 = 97,5 kg (Start: 192,6 kg /Jan 2014)