Warum trinken dann doch wichtig ist….

Eigentlich heißt es ja, dass der Durst, das mit dem Trinken schon regelt (alte Menschen ausgenommen, den im Alter verliert sich das eigene Durstgefühl). Greift man ein, kann es sogar sein, dass man es übertreibt und zu viel des Guten kann auch beim Trinken ein Problem sein.

Von vielen Adipositas-Operierten höre ich jedoch immer wieder, dass es für sie ein echtes Problem ist, so viel zu trinken, dass sie auch nur annähernd auf die empfohlene Menge von 1,5 l am Tag zu kommen.

Ich hatte nie Probleme damit genug zu trinken. Ich konnte Wasser, Saft oder Tee problemlos weggluckern und mit meiner Trinkmenge sogar immer meine heftigen Durchfälle (auf Grund meines Morbus Crohn) ausgleichen.

Seit meiner Schlauchmagen-OP allerdings hat sich mein Durst und damit mein Trinkerverhalten jedoch völlig geändert – denn genug trinken, ist zu einer komplizierten Angelegenheit geworden.

Noch im Krankenhaus wurden wir dazu angehalten, nach und vor den Mahlzeiten jeweils 30 min nichts zu trinken. Logisch, denn wenn der Magen mit Trinken voll ist, passt ja nichts anderes mehr rein und Nährstoffmängel sind vorprogrammiert.

Aber das hätte man mir gar nicht so nachdrücklich sagen zu brauchen, denn bei mir geht es gar nicht mehr anders. So passt für mich etwa Frühstücken UND Tee trinken einfach nicht mehr zusammen. Ich musste mir angewöhnen, morgens erst meinen Tee (ich bin ein passionierter zum Frühstück Schwarzer Tee-Trinker) zu trinken und erst später dann, mit einem gewissen Abstand zu Frühstücken. Das gilt natürlich auch für die anderen Mahlzeiten.

Bei 4-5 Mahlzeiten am Tag, sind das schon mal 4-5 Stunden des Tages, an den man, will man es korrekt nach Empfehlung machen, nichts trinken darf. Trinkt man dann nicht diszipliniert nach Plan, weil man keinen Durst hat, es schlicht und einfach vergisst, oder sich die Pausen zwischen den Mahlzeiten lieber für Kaffee oder Schwarzen Tee aufhebt, kann es schon mal sein, dass die Wasserflasche, die ganze Woche über „reicht“.

Apropos: Entgegen weit verbreiteten Gerüchten entziehen weder Schwarzer Tee, noch koffeinhaltiger Kaffee dem Körper Wasser. Beides darf also durchaus in die tägliche Trinkmenge angerechnet werden.

Ich persönlich habe jedoch Tage, an dem ich Kaffee oder Tee nicht so gut vertrage. Besonders dann merke ich, dass ich für mich persönlich einfach keine 1:1 Rechnung aufmachen kann und meinen geliebten Schwarzen Tee anrechnen. Deswegen habe ich für mich beschlossen, dass Tee und Kaffee in meiner Trinkmenge außen vor bleiben müssen und Wasser und Kräutertee von nun am im Fokus stehen – ganz besonders nach meiner Erfahrung der letzten Woche.

Mir war es gar nicht aufgefallen, doch seit der OP letztes Jahr ging es bei mir mit der Trinkmenge schleichend abwärts. War es im letzten Sommer noch relativ leicht ans Trinken zu denken, etwa weil ich schwitzte, so wurde es im Winter immer schwieriger. Richtig klar ist es mir erst nach der letzten Woche geworden, wie wenig ich tatsächlich nur noch getrunken habe, als der „Overkill“ bei mir zugeschlagen hat: Verstopfung der feinsten Sorte.

Verstopfung bezeichnet eine unregelmäßige Stuhlentleerung, mit harten und zu trockenen Stuhl. Sie entsteht dann, wenn der Stuhl zu träge durch den Darm transportiert wird und ihm auf seinem langsamen Weg zu viel Wasser entzogen wird. Das schlimmste Ergebnis kann ein Darmverschluss sein.

Erschwerend kommt hinzu, wenn der Darm etwa durch eine OP, wie bei mir, Verengungen ausweist oder gar eine chronische Darmerkrankung, wie bei mir, vorliegt. Sprich, ich habe eine Scheiß Angst vor einem Darmverschluss, der mir im Krankenhaus, nach der Darm-OP 2009, für die Zukunft bereits prophezeit wurde.

Als mir am 5. Tag meiner Toiletten-Abstinenz so langsam dämmerte, dass ich ein echtes Trinkproblem habe, habe ich kurzerhand einen „Fasten“-Tag eingelegt, um mich endlich einmal so richtig aufs Trinken konzentrieren zu können. Ich weiß nicht, wie viel Flüssigkeit ich an dem Tag herunter gewürgt habe, aber mein Körper hat jeden Tropfen davon aufgesaugt und mir am Abend endlich die Möglichkeit zur Entleerung gegeben.

Mein Darm hat mir das sehr übel genommen und fast eine Woche mit Blut im Stuhl reagiert. Da ich das leider, aus der Vergangenheit, zur Genüge kenne, hat mich das weniger in Panik versetzt als die 5 kg, die ich in der Zeit zugenommen habe! In Worten FÜNF kg! OMG!

Mein Gastrologe (den ich wegen des Crohn, in diesen Fragen immer direkt anspreche) hat mir nun zur Stuhlregulierung mindestens 14 Tage morgens Flohsamen und abends ein Ballaststoffpräparat „verordnet“, bis wieder alles geregelt und von alleine funktioniern kann und für die Zukunft ausreichend Trinken.

Deswegen habe ich mir nun einen Trinkplan zu Recht gelegt, der mir vorschreibt, dass ich morgens nach dem Aufstehen erst einmal 2 Gläser (600 ml) Wasser trinken muss. Nachmittags lasse ich es dann etwas schleifen, hier gibt es dann Tee oder Kaffee. Rechtzeitig vor dem Abendessen ist dann jedoch wieder ein Glas Wasser dran (300 ml) und 2 weitere Gläser Wasser (600 ml) gibt es dann in den späteren Abendstunden verteilt. Und ich kann euch sagen, dass das eine echte Herausforderung ist!

Übrigens, neben dem „zu wenig Trinken“-Problem, machen viele Adipositas-Operierte auch immer wieder die Erfahrung, dass zu wenig Fett in der Ernährung ebenfalls zu Verstopfung führen kann.

In unserem früheren übergewichtigen Leben haben wir gelernt, dass Fett böse ist und unbedingt gemieden werden muss. Etwas was auch in mir tief verankert ist – und damit schlicht ein Problem. Denn zu einem ist Fett gar nicht so böse, wie uns lange eingeredet wurde, zum anderen essen wir als Schlauchmagen & Co-Patient eh völlig anders, vor allem was die Menge betrifft.

Sparen wir weiter am angeblich so „bösen“ Fett, kann das „Böse“ enden. Aber ehrlich mal, wenn man zum Frühstück eine halbe Scheibe Toast isst, weil man danach satt ist, braucht man wirklich nicht den Stich Butter zu sparen, der den Toast schmackhaft macht. Und wenn man dann auch noch, wie ich Kohlenhydratarm isst, muss man seine Kalorien eh von woanders beziehen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema und damit zu meinem Appell an alle Adipositas-Operierte: Trinken ist wichtig! Nicht nur für allgemeine Wohlbefinden, um zwischendrin den Magen zu füllen und es ein wenig hinauszuzögern bis die nächste Mahlzeit kommt, sondern auch um dem Darm seine Arbeit zu erleichtern. Deswegen seid skeptisch was euer natürliches Trinkgefühl betrifft. Kontrolliert es lieber hin und wieder und macht euch ggf. einen Trinkplan.