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happy me #09 – 7 Brainwaves

7 Tage – 7 Gedankenblitze

T57 / Montag, den 11.12.2017

Abnehmen für andere, bzw. eine „gute“ Zahl auf der Waage für andere.

Heute war mein halbjährlicher Endokrinolischer Termin angesetzt und mein erster Gedanke war, dass ich ziemlich frustriert bin, dass ich immer noch mit meinen 90zig kg dort hin gehen muss, wo ich mir doch im Sommer vorgenommen hatte, dort heute mit 85 vorstellig zu werden. Als ich das Warum, heute morgen in einer ruhigen Minute beim Tee, näher hinterfragt habe, musste ich erkennen, dass es hier vor allem um den, bei der Untersuchung eingeschlossenen Wiege-Termin geht, für den ich gerne weniger Gewicht gehabt hätte. Was wohl auch bedeutet, dass ich in diesem Fall gar nicht mal FÜR MICH weniger haben wollte, sondern FÜR den ARZT!

Dass das ein komplett falscher Beweggrund ist und zudem noch einer, der nicht im geringsten als Grund (dauerhaft) Gewicht zu reduzieren taugt, brauche ich mir, glaube ich, nicht mehr deutlich zu machen. Von Verstand her, weiß ich das. Vielleicht finde ich es deswegen auch immer so besonders erschreckend, wenn mir solche „Blitzgedanken“ in den Kopf kommen.

Und was lernen „wir“ daraus: Ziele, die ich für andere erreichen will, können nie so bedeutungsvoll für mich sein, wie Ziele, die ich für mich erreichen will.

T58 / Dienstag, den 12.12.2017

Trostsuche im Essen bei Schmerzen? Oder doch eher Trostsuche im Essen wegen „Schuld“?

Ich bin eigentlich kein Typ der nachts an den Kühlschrank geht. War ich nie. Warum auch, bis dahin hatte ich ja eh genug gegessen, um mich dann am Ende doch noch so richtig voll zu fühlen. Gestern Nacht konnte ich nicht einschlafen, ich hatte Schmerzen, mir hat die Schulter weh getan. Ich habe wohl beim Training gestern da ein wenig Mist gebaut und mich „verhoben“. Also bin ich wieder raus, weil es einfach keinen Sinn macht mich wieder und wieder im Kreis zu drehen und habe mir einen Kräutertee gemacht, meine Gedanken sortiert, ein paar Rezepte notiert und ein paar Zeilen gelesen. Das hilft in der Regel (vor allem, wenn das Buch eh etwas langweilig ist, wie aktuell). Entspannt und macht mich müde.

Doch schnell habe ich gemerkt, dass mir das nicht reicht. Ich brauchte vermutlich Trost; wegen den Schmerzen in der Schulter und meiner Schuldzuweisung an mich selbst; so zumindest meine Vermutung, wenn ich heute darüber nachdenke. Also bin ich an den Kühlschrank, habe mir etwas Käse, Salami und ein Ei genommen. Das war natürlich alles nichts, im Vergleicht zu früheren „Ess-Attacken“, aber es kam doch irgendwie überraschend.

Soweit so gut. Natürlich frage ich mich nun, wie ich mit so was umgehen soll. Wie soll ich mich verhalten, wenn mich der Wunsch nach Trost, in diesem Fall wegen der Schmerzen und weil ich mich über mich ärgere weil mir so was passiert ist, überkommt. Und ich denke, dass es hier ganz gut wäre akzeptieren zu lernen, dass man einen Fehler gemacht hat, Fehler Teil einer Entwicklung sind und hilfreich sein und zur Fehlervermeidung beitragen können. Sprich mit diesem „Schuld“-Thema (das sich durch so viele Bereich meines Denkens zieht) anders umgehen lernen.

Denn jedwede Art von „Schuld“ auf mich zu nehmen (ob es nun in meiner Hand lag oder nicht), ja mich darin förmlich zu baden, um dann gequält den Märtyer raushängen lassen zu können, ist ein großer Teil meiner Vergangenheit. Ich weiß zwar, dass in diesem Punkt bei mir schon ein Umdenken angefangen hat, doch die Fallen sind halt immer noch aufgestellt und warten nur darauf, dass ich da rein tappe.

T59 / Mittwoch, den 13.12.2017

Er kaut so komisch … Am Tisch mit Schlauchmagen & Co.

Es ist also doch etwas dran, und dachte mal wieder, dass ich da einen Spleen entwickelt habe, bzw. wie meine Mutter immer so schön sagt: Du bildest dir was ein! In kurzer Folge war es nun der zweite Adipositas-OPler, der davon berichtet hat, was es ihn an Nerven „kostet“, mit einem „normalen“ Magen am Tisch zu sitzen und ganz privat eine gemeinsame Mahlzeit einzunehmen.

So negativ es sich auch meiner Meinung nach auf die Selbsthilfegruppensitzung auswirkt, insbesondere wenn alle nur darauf warten zum gemütlichen Teil kommen zu können und ins Restaurant zu gehen, so hilfreich war es jedoch, für mein Verständnis und mein späteres eigenes Handeln, das Essen mit Adipositas-OPlern kennenzulernen. Schon vor OP habe ich gelernt, dass Sonderwünsche anzubringen, nicht peinlich oder einem unangenehm sein muss, wenn die Speisekarte nicht das her gibt, was man für sich bevorzugt. Eigene Kombinationen zu bestellen, halbvolle Teller zurückgehen lassen oder den Wunsch äußern, dass die Reste eingepackt werden, ist für mich schnell normal geworden. Ob dann das ausgewählte Restaurant sich bemüht oder sich unflexibel zeigt, ist dann ja noch mal eine ganz andere Sache. Aber schließlich hat man ja auch die Wahl die Lokalität kein weiteres Mal aufzusuchen.

Den nicht operierten Mann, Sohn und/oder Tochter nicht mehr zu Tisch zu holen, weil man nicht mehr so ganz damit zurecht kommt wie und was andere Essen ist eine andere Sache. Dass geht wohl tatsächlich so weit, dass man sich an Dingen zu stören beginnt, die einem vor OP nie aufgefallen sind, bzw. die man so noch nie wahrgenommen hat, wie mögliches Schmatzen, „lautes“ Kauen, mit dem Besteck klappern, sich den Teller im (subjektiven) Übermaß vollzuhauen oder drei Riesenportionen mal nachzunehmen.

Ganz ehrlich? Ich glaube, hier spricht der Fressneid und das nunmehr nicht mehr in diesem Ausmaß mögliche Fressvöllegefühl, aus uns ehemaligen stark Übergewichtigen. Wir wissen zwar auf der Vernunftebene, wohin uns das gebracht hat und das wir das auch gar nicht mehr wollen, und doch tobt da tief in uns doch irgendwo der Neid. Denn was war das immer schön so viel essen zu können, so richtig reinzuhauen und so übervoll zu sein. So zumindest geht es mir. Und wenn ich dann meinen Mann, ausversehen (er ist nun wirklich nicht der Typ dafür zu Schmatzen), etwas lauter Kauen höre, stört es mich gewaltig. Überhaupt, da frisst mein Sohn eine ganze Tüte MMs und ich darf nicht … äh, will nicht. Aber in dem Moment, in dem ich vom Neid auf das Gefühl zerfressen bin, mir eine Tüte MMs reingehauen zu haben – kann ich einfach nicht klar denken.

Sicher am Ende „schmeckt nichts so gut, wie sich schlank sein anfühlt“, aber zuerst einmal steht da eine mächtige Portion Neid.

T60 / Donnerstag, den 14.12.2017

Am Arsch vorbei …

Gestern Abend habe ich angefangen der Hörbuch „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ von Alexandra Reinwarth zu hören, sehr interessant und sehr inspirierend.

Tatsächlich habe ich mir ebenfalls von einer Weile vorgenommen, dass mir mehr Dinge, Menschen, Situationen „Am Arsch vorbei gehen“ sollen, die es in meinem Sinne einfach nicht Wert sind, anders behandelt zu werden. Ich will mich einfach nicht mehr verbiegen müssen, um Erwartungen anderer, oder dem ich glaube, dass es die Erwartungen anderer sind, zu entsprechen. Ich will nicht mehr  „unbedingt“ und „um jeden Preis“ von allen gemocht werden. Ich will gemocht werden, eben weil ich nicht unbedingt immer das mache, was man von mir erwartet.

Am Arsch vorbei … passt so für mich, und ich übe mich täglich darin. Allerdings scheint es so, dass mir noch das rechte Maß dafür fehlt und ich zu Übertreibung neige; wie mir meine Umgebung so „hingebungsvoll“, oder besser „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, reflektiert (aber wenn ich mir das zugestehe, dann dürfen sich die anderen auch im Umgang mit mir ausprobieren und üben). Aber he, ich – und in diesem Zusammenhang vielleicht eher „wir“ – probiere mich hier in einem, für mich völlig fremden Feld aus und das Laufen, lesen oder Essen mit Besteck lernen, hat ja auch nicht vom Fleck weg geklappt, sondern wurde erst mit viel Übung manierlich.

T61 / Freitag, den 15.12.2017

Gefühlsachterbahn

Tja, am Arsch vorbei … ist zwar eine tolle Idee, aber auch „am Arsch vorbei“ muss scheinbar geübt werden. Deswegen gab es heute erst einmal „Gefühlsachterbahn“, statt „am Arsch vorbei“ und ein mal wieder – ein Essanfall.

Ja, es musst sein, denn der Ansturm der Gefühle hat mich doch ganz schön durcheinander gewirbelt. Und ich wusste in diesem Moment nicht wohin damit. Ich wusste einfach nicht, wie ich ihn beruhigen sollte außer mit Essen. Also habe ich losgelassen und gegessen-  und schwups, war er auch schon wieder vorbei. Vielleicht, weil ich war trotzt des Wirbelsturmes an Emotionen immer noch entspannt war?

Denn dieses Mal ging es um ein Thema, dass ich für mich bereits abgeschlossen hatte. Ich bin zwar kurz vom Glauben abgefallen über die Unverfrorenheit, die mir da vor den Latz geknallt wurde, aber da ich für mich das Thema bereits durchdacht hatte und mich sicher und wohl mit meiner Entscheidung gefühlt habe, war ich trotzdem ganz entspannt.

Dass ich den Gefühlsansturm trotzdem nicht lenken konnte, ihn nicht aus-sitzen, sondern aus-essen musste, fand ich bedauerlich. Und doch bin ich ziemlich zufrieden mit mir, wie ich damit umgegangen bin und wie ich ihn für mich, auch hinterher bewertet habe -ganz entspannt eben. Und dass ist doch auch was wert.

T62 / Samstag, den 16.12.2017

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold …

Warum muss ich immer meine große Klappe aufreißen und anderen ungefragt meine Kommentare zu Übungsausführung im Studio aufs Auge drücken? Ich finde, das so fürchterlich. Eine wirklich schrecklich Eigenschaft.

Ja, richtig, was die machen ist für die Katz – wenn man den Hüftbeuger trainiert, wo man doch eigentlich den Bauch treffen will. Aber was geht es mich an? Ich sollte mich vor allem darum kümmern, dass mir das selber nicht passiert, oder?

Und auch wenn ich schwöre, das meine Beweggründe nicht unehrenhaft sind und nicht aus einem „Ich weiß alles besser“ herauskommen, sondern von Herzen und mit ehrlichem Engagement, so weiß ich doch auch, dass das so eben nicht auf andere wirkt; insbesondere, da ich im sprachlichen Ausdruck nicht gerade ein „Meister der Diplomatie“ bin.

Warum halte ich also nicht meine Klappe? Außer ich werde gefragt; was bisher noch nie vorgekommen ist – weil alle damit zufrieden sind, lediglich so zu tun als ob sie den Bauch trainieren – also warum?

T63 / Sonntag, den 17.12.2017

Zu tief ins Cookie-Glas geschaut?

Da backe ich gleich 5 Sorten Cookies und grüble dabei darüber nach, wie ich die Finger aus dem Cookie-Glas halten kann. Wie bescheuert ist das den? Naja, in dieser Hinsicht bin ich ja einiges von mir gewohnt. Aber sich selber Verführungen aussetzten, denen man nur schwer – eigentlich gar nicht – widerstehen kann? Ist das irgend so eine masochistische Ader? Was bezwecke ich damit? Dass ich mir sagen kann, nun, jetzt sind sie halt gebacken, da kann ich sie auch essen? Ist das irgendeine verdrehte Art von „was war zuerst da“? Der Cookie oder Anke, die bäckt?

Okay. Ich habe es so gewollt und es mir selber zuzuschreiben: wenn aus diesem Cookie-Traum, ein Cookie-Trauma wird, was höchstwahrscheinlich ist, nicht beschweren! Dann habe ich mir jedes zusätzliche Kilo auf der Waage redlich verdient.

Was solls, im Januar soll es ja mit der Diät weitergehen (hahaha!).

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