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Status quo – Rund um die Verdauung

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Meine Verdauungsprobleme begleiten mich seit meiner Jugend. Ich litt an wechselnden Nahrungsmittelunverträglichkeiten, immer wieder verbunden mit Magenkrämpfen und Durchfällen. Da ich gleichzeitig auch immer schon übergewichtig war, wurde der gestörte Ablauf auf ein zu viel an Kalorien und ein zu wenig an Bewegung geschoben. Die „amüsanteste“ ärztliche Diagnose für meine Probleme war „Muskelkater“. Alles, was darüber hinaus offen blieb, galt als ein „nervöser Magen“, sprich psychischer Ursache.

Bis in meine 50ziger Jahre hinein habe ich mir diesen Unsinn anhören müssen. Mit einem „könnte der Blinddarm sein“ wurde ich Ende 2009 in den OP geschoben und kam mit einem gekürzten Darm (Ileumresektion) und einer Morbus Crohn Diagnose wieder raus. Der lange Vorerkrankungszeitraum – die Entzündung hatte mich so geschwächt, dass ich bereits 6 Wochen bettlägrig bevor ich ins Krankenhaus kam – hatte mir on top eine Thrombose und eine Lungenembolie beschert,

Für mich war es eine große Erleichterung zu wissen, dass „mein nervöser Magen“ und „mein Muskelkater“ eine chronische Darmentzündung war, doch die OP hingegen löste meine Verdauungsprobleme nicht, sondern machte es noch schlimmer. Sicher, meine schlechte Ernährung (fast food, Fertigprodukte und viele raffinierte Kohlenhydrate), das Übergewicht und der damit verbundene Mangelernährung (auch bedingt durch die „chronischen“ Diarrhö) haben das Übrige getan dem System zuzusetzen.

Ich durfte lernen, dass meine Probleme unter einer vegetarischen und veganen Ernährung, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte, essen zu wollen, nicht besser wurden, sondern sich eher noch verschlechtert haben. Mit low carb hingegen kam ich deutlich besser zurecht. Unter einer ketogenen Ernährung sogar noch besser. Ich bin sogar noch weiter gegangen und habe eine Zero Carb Ernährung ausprobiert, Carnivore. Diese musste ich jedoch wegen erheblicher Probleme (die nicht alle in Verbindung mit der Ernährungsform standen) erst einmal zu einer ketogenen Ernährung zurückführen.

Trotz meinen Bemühungen war und bin ich auch aktuell nicht beschwerdefrei. Kurzgefasst kann man sagen, dass es mit der Lösung meiner Verdauungsproblematik seit Jahren nach dem Motto „zwei Schritte vor, einen Schritt zurück“ läuft. Die guten Tage sind zwar mittlerweile in der Überzahl, diese sind jedoch nach wie vor von einer guten Anzahl schlechter Tage durchsetzt. Schlechte Tage bedeuten für mich, dass ich an Orte gebunden bin, die mir einen schnellen und ungehinderten Zugang zu einem WC ermöglichen.

Die aktuelle Diagnose meines Gastrologen: da kann man halt nichts machen – Danke dafür! – hat mich auf Krawall gebürstet. Jetzt erst recht. Nachdem ich endlich verstanden hatte, dass Kalorien (die einzige Währung, die für mich bis dato gedacht von Bedeutung war) nur ein Teil der Gleichung sind, der Aufnahme und Verwertung von Nährstoffen dabei eine deutlich größere Bedeutung zukommt, hat die Pflege meines Darms endlich die Bedeutung für mich gefunden, die ihr gebührt.

Da ich mittlerweile wusste, dass Ernährung in meinem Fall nicht ausreicht, habe ich mich den Supplementen zugewandt. Ich bin ein disziplinierter Konsument von Supplementen und vielleicht lege ich dabei etwas zu viel Enthusiasmus an den Tag. Deshalb habe ich mir angewöhnt meine Einnahmen streng zu kontrollieren und nicht mehr alles allzu wahllos in mich reinzuwerfen. Was sich also im Folgenden wie ein großes „Supplemente-Fest“ liest sind tatsächlich viele einzelne N=1-Studien, an mir, über Wochen und Monate genau beobachtet.

das Problem

Eine Stuhlanalyse zeigte eine krankhaft gestörte Besiedelung meines Darms, eine Dysbiose und einem Leaky gut. Ein weiterer Befund hat eine Entzündung im Bereich Dünndarm (Enteritis), Kolon oder Rektum aufgezeigt. Ich habe Gallensteine. Meine Leberwerte waren noch nie und sind nicht optimal.

Vermutlich bedingt durch Gallen-Reflux, habe ich mir in Jahr 2020 eine Typ C Gastritis zugezogen. Zudem habe ich seit 2020 eine starke Refluxproblematik entwickelt, die eine Speiseröhrenentzündung verursacht hat. Zur selben Zeit sind verstärkt Histamin-Probleme aufgetreten, die sich bei mir in Migräne äußern.

Wegen erhöhter Lipase-Werte wurde meine Bauchspeicheldrüse untersucht, die jedoch, an dieser Stelle ein kleines Hurra, ohne Befund ist.

mein Lösungsansatz

Ich habe gelernt, dass das Problem von oben nach unten anzugehen ist, fange ich mit meiner Auflistung auch oben an:

Nachdem in Ruhe gegessen wurde (meine Übung dazu 5-mal tief und langsam durchatmen, bevor ich die Gabel in die Hand nehme) und ordentlich gekaut (leider „schlinge“ ich mitunter nach wie vor) braucht es ausreichend und saure Magensäure. Spätestens nach Schlauchmagen-OP und dem damit verbundenen kleinen Magen, ist davon auszugehen, dass ich nur reduziert Magensäure zur Verfügung habe und/oder die Magensäure womöglich nicht sauer genug ist. Ich würde gerne mit Betain-HCL und Pepsin experimentieren, musste jedoch bisher wegen Reflux-Problematik davon Abstand nehmen. Und habe mich gleich den Verdauungsenzymen zugewandt, die nach ausreichend saurer Magensäure das nächste wichtige Element sind.

Wie sich herausgestellt hat, ist meine Bauchspeicheldrüse ohne Befund, bedeutet, dass sie brav und in ausreichender Menge Verdauungsenzyme produziert. Trotzdem supplementiere ich seit einer Weile, da sie signifikant zu einer Verbesserung beitragen. Zudem haben sie einen eindeutigen Einfluss auf meinen Snack-Hunger. Ich konnte den Eindruck gewinnen, dass mich, unter der Einnahme, das was ich esse, deutlich mehr sättigt. So als ob mein Körper mit Hilfe von zusätzlichen Verdauungsenzymen besser mit der Nahrung zurechtkommt, dh. mehr Energie und Nährstoffe daraus gewinnen kann. Natürlich sehe ich hier auch einen Zusammenhang mit meiner ketogenen Ernährung.

In der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) habe ich gelernt die Leber (und die Galle) zu umschmeicheln mit suppig-saftigen Mahlzeiten, der Vermeidung von Rohkost – Salat gibt es also nur aus gekochten Zutaten  und der Reduzierung von Milchprodukten (gemäß der TCM wirken sie „kühlend“, Ziel ist es jedoch zu „wärmen“). Mich daran zu orientieren habe ich bereits im letzten Jahr begonnen.

In diesem Zusammenhang bin ich auch der Empfehlung gefolgt Bitterstoffe zu nutzen. Zunächst habe ich diese jedoch überhaupt nicht vertragen. Erst nachdem ich bereits ein halbes Jahr an meinem Darm „gearbeitet“ hatte, konnte ich Einnahme von Bittertropfen wieder einführen. Vor ein paar Jahren hatte ich es einmal mit Mariendistel probiert und solange ich diese zu mir genommen habe, konnte ich einer Verbesserung meiner Leberwerte erzielen. Nach dem Absetzten wurde die Werte damals wieder schlechter. Die Wirkung der Bittertropfen auf meine Leberwerte übersteigen heute jedoch deutlich die Wirkung der damaligen Gabe an Mariendistel-Kapseln.

Ich habe auch erwogen meine Galle mit Ochsengalle zu unterstützen. Bisher habe ich jedoch davon abgesehen damit zu experimentieren, da mir die Zusammenhänge noch nicht ganz klar sind.

Damit sind wir beim Darm angekommen. Gegen aktuelle entzündliche Prozesse im Darm, ein Teil-Ergebnis jüngster Untersuchungen beim Gastrologen, experimentiere ich zurzeit mit Kurkuma-Extrakt. Der Gabe direkt kann ich bisher keine Veränderungen zuschreiben.

In der Vergangenheit hatte ich so meine Probleme mit zu vielen Ballaststoffen in Form von Gemüse. Hinzu kommt, dass wenn ich viel Gemüse esse, das (wegen der reduzierten Aufnahmemenge pro Mahlzeit meines Schlauchmagens)  immer zulasten des Proteins geht. So bin ich dazu übergegangen mein Mikrobiom mit Guakernmehl- oder Akazienfaser zu füttern – was ich überraschend gut vertrage und meine Darmbewohner hoffentlich unterstützt. Ich führe damit gerade eine kurative Einnahme über 3 Monate aus. Auch dieser Gabe kann ich bisher keine Veränderungen zuschreiben. Ich bewerte es jedoch positiv, dass ich sie gut vertragen.

Wegen des Leaky Guts ergänze ich mit Sodium Buytrate, Buttersäure, in der Hoffnung die Zellen des Darmepithels zu nähren und die Barrierewirkung der Darmschleimhaut zu fördern. Subjektiv eingeschätzt, hat die Einnahme, zusammen mit den Verdauungsenzymen, für mich den bedeutendsten Vorschub der letzten Monate geleistet.

Was bisher außen vorgeblieben ist, sind Pro- und Präbiotika. Diese konnte ich bisher nicht zu mir nehmen, ohne die negativen Auswirkungen sofort zu spüren zu bekommen. Ich setzte jedoch darauf, wie es auch bei den Bitterstoffen passiert ist, dass meine „Reparaturarbeiten“ früher oder später bewirkten, dass ich in Zukunft besser damit umgehen kann. Für den Moment müssen sie noch außen vorbleiben.

die Umsetzung

Wie ich bereits erwähnt habe, ich bin ein disziplinierter Konsument von Supplementen. Die Einnahme gestaltet sich für mich relativ unkompliziert. 30min vor dem Essen gibt es Bitterstoffe, zum Essen die Buttersäure und die Verdauungsenzyme. Die Kurkuma-Kapseln zu einer fettreichen Mahlzeit.

Kaffee und schwarzer Tee ist nach wie vor Teil meiner Ernährung; auch wenn ich ahne, dass das grundsätzlich nicht förderlich sein dürfte.

Die Basis meiner Ernährung bilden tierische Produkte, mein Fokus liegt dabei auf ganzen (unverarbeiteten und qualitativ möglichst hochwertige) Lebensmittel. Diese Mahlzeiten ergänze ich mit grünem Gemüse, Avocado und Butter, sowie kleinen Mengen an Fermentiertem. Ich bemühe mich zurzeit darum Milchprodukte, Nüsse und Schokolade (mehr dazu im Beitrag: Status quo – der „Zuckerfrei“-Plan) zu reduzieren, bzw. aus der Ernährung zu nehmen. Mein Mantra lautet auch hier: Ausdauer und Geduld.

Einen Tag nach dem anderen.
Tag für Tag.
Nur für heute.

Ich bin es mir wert.

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