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Die „gesunde“ Ernährung

Mir war schon immer bewusst, dass ein paniertes Schnitzel mit Pommes, Majo und Ketchup keine sonderlich gute Essensauswahl ist. Doch he, schließlich gab es eine gute Portion Salat (mit dem „guten“ Dressing versteht sich) dazu, oder nicht? Andererseits dachte ich aber auch, dass 5 Portionen Obst und Unmengen an Gemüse am Tag gesund für mich wären. Dann, als ich mit low carb anfing, dachte ich, ich hätte den heiligen Gral für mich gefunden, der fortan alle Probleme für mich lösen würde. Und für eine kleine Weile war ich überzeugt davon, dass mir vegan perfekt für mich wäre, bis ich Carnivore ausprobiert habe.

Das hin und her mag für andere Orientierungssuchende verwirrend sein. Weiß die den überhaupt, was sie will? Doch selbst für die „Schnitzel mit Pommes“-Phase (Essen war Hilfe, Ersatz und Dämpfung) gab es eine Zeit in meinem Ernährungs-Leben. Solange, bis es eben nicht mehr funktioniert hat. Und hier kommt die Krux ins Spiel, es kommt eben immer darauf an ….

Was bedeutet eine gesunde Ernährung?

Eine gesunde Ernährung ist für mich subjektiv. Denn was für mich funktioniert, muss nicht auch für andere funktionieren. Wenn mich also heute jemand nach einem gesunden Ernährungsplan, für sich fragt, dann kann ich nur antworten: das kommt darauf an …. wer bin ich und was tut mir gut.

Ich habe über 40 Jahre lang Dinge gegessen, die mir Bauchschmerzen, Magenkrämpfe, blutigen Durchfall und deutliches Übergewicht beschert haben. Weil ich mir selber misstraut habe, habe ich auf die Regeln gesetzt, die mir vonseiten der Medizin und Ernährungsberater vorgegeben wurden. Nichts davon hat für mich funktioniert. Trotzdem habe ich nichts davon infrage gestellt, sondern bin ich davon ausgegangen, dass ich selber schuld daran bin und es nicht gut genug versucht habe.

Das erste Mal, dass mir das Konzept, ich müsse schließlich am besten wissen, was ich essen kann, entgegengehalten wurde, war, als ich mich Ende 2009 weigerte, die schreckliche grüne Eiweiß-Kost (nach einer Darm-OP) zu essen und den Professor fragte, ob ich nicht auch das angesetzte Wild, Rotkohl und Knödel-Mahlzeit (es war gerade der 1. Weihnachtsfeiertag) bekommen könnte. Damit hatte ich auf der Station und unter dem Pflegepersonal für ordentlich Auffuhr gesorgt. Für ihre Routine wäre es bequemer gewesen, wenn ich „nach Vorschrift“ gegessen hätte.

Irgendwie kann ich das verstehen, denn tatsächlich habe ich die Mahlzeit nicht vertragen; die grüne Pampe ist mir aber auch nicht bekommen! Zudem wusste ich damals tatsächlich nicht, was mir guttut und konnte das auch nicht wissen, denn die Darm-OP hat zu einer ganz neuen Situation innerhalb meines Verdauungstraktes geführt. Immerhin, die Abwesenheit der Eiweiß-Mahlzeit hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht übergeben musste. Trotz der Umstände also ein Erfolg.

Die Grundaussage, dass doch „nur ich wissen kann, was mir guttut“, habe ich jedoch verinnerlicht. Es hat jedoch noch ein paar Jahre lang gedauert, bis ich die Chance bekam meinen Körper neu kennenzulernen (dank der OP und der dadurch erfolgten Abnahme), seinen Signalen (dank meines neuen Bewusstseins um meine Trigger) zu vertrauen und alle anderen Empfehlungen in den Wind zu schlagen.

So habe ich mit der Zeit, durch viele Versuche, Wiederholungen und diverses „Krone richten“ erkannt, dass das Konzept „alles in Maßen essen“ für mich nicht funktioniert. Und ich weiß heute, dass es mir besser geht, wenn ich mich an eine süße-freie Ernährung mit weniger oder wenigen Kohlenhydraten halte. Der Weg dorthin war holprig, nie gerade und stets mit vielen Fallen gespickt. Und er führt mich auch heute noch immer wieder durch unebenes Gelände.

Eine gesunde Ernährung, also eine Ernährung, mit der ich mich gut und gesund fühle, bedeutet für mich: Abstinenz von Triggern, süße-frei und wenig Kohlenhydrate. Innerhalb dieses Spektrums ist jedoch alles im Fluss. Dogmen mögen mir beim Einstieg geholfen haben, doch heute haben sie darin keinen Platz mehr.

Es kommt darauf an ...

Jeder muss Mensch muss unterschiedlich weit (hier bezogen auf: die Ernährung) gehen, um seine Ziele zu erreichen. Sprechen wir über das Abnehmen, so wird der eine einfach mal für eine Zeitlang die Süßigkeiten weglassen können und der nächste ersetzt erfolgreich einfach mal die Nudeln durch mehr Gemüse.

Wieder andere haben so ernste gesundheitliche Probleme und eine so lange Krankengeschichte, dass ihnen nur eine sehr strikte ketogene Ernährung hilft oder es gar eine Eliminationsdiät, bei Rindfleisch und Salz, braucht. Es kommt also darauf an … wo komme ich her, wo will ich hin.

Keine Diät funktioniert für alle, doch jede Ernährungsform funktioniert. Die Herausforderung besteht darin, die richtige für sich finden. Das bedeutet Arbeit mit sich selbst: Versuch, Irrtum und Anpassung. Immer wieder Anpassung.

Wenn es dir gut geht mit dem, was du tust und du die gewünschten Ergebnisse erreicht, dann mach weiter so. Wenn es dir nicht guttut – und du bist der Einzige, der das beurteilen kann (aber sei dabei ehrlich) – lass es. Leben ist Veränderung. Wir sind nicht zu jeder Zeit gleich. Meine Ernährung hat sich über die Jahre immer wieder verändert. Sie musste sich verändern, weil auch ich mich und mit mir mein Körper sich verändert hat.

Das alles ist Teil davon „ein informierter Patient werden“. Es mag für eine gewisse Zeit zu einem bestimmten Zeitpunkt funktionieren, einfach irgendeinem „gekauften“ Plan zu folgen. Doch am Ende kann es Sinn machen, viele Teilstücke selber zusammenzutragen und je nach Lebensphase für sich einzusetzen.

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