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Soja ist das neue Fleisch?

  • diet

Mein Gedankengang zu „Soja ist das neue Fleisch?“ entstand im Februar 2017, zu einer Zeit des Umschwungs. Meine nach-Adipositas-OP-Phase war vorbei und ich konnte mein Gewicht nicht länger mit den restriktiven Auswirkungen der OP regulieren, schlicht weil mein Magen ausgeheilt war und natur- und wunschgemäß wieder mehr Nahrung aufnehmen konnte.

Ich war „Diätmüde“ geworden und fühlte mich ausgebrannt und erschöpft (was kein Wunder war, denn meine Schilddrüsenwerte waren damals völlig im Keller) und meine Ernährung, die zuvor auf viel Gemüse, etwas Fleisch, Fisch, Geflügel, Eier und Milchprodukte basierte und mein Gewicht, waren in Schräglage geraten.

Zu der Zeit fing ich auch an konventionelle Fleischproduktion zu hinterfragen, günstiges Fleisch aus dem Supermarkt abzulehnen und neue Produzenten, die mein Vertrauen erringen konnten, zu suchen. Auch bemühte ich mich meinen Milchkonsum auf Rohmilch zu beschränken. Da meine Quellen nun nicht mehr im Supermarkt vor der Haustür zu finden waren, ging mein Verbrauch zurück.

Parallel dazu las ich mehrere Artikel, die sich mit den positiven Auswirkungen von Kohlenhydraten auf die Schilddrüsenwerte bei Frauen beschäftigten und ein Freund von mir verlor mit einer veganen Ernährung viel Gewicht.

Die Diva will Soja

All diese Eindrücke ließen mich in die vegetarisch-vegane Ernährungsschiene schlüpfen. Die Diva aka mein Schlauchmagen will Soja, sagte ich mir. Und es war ein bisschen so, als ob ich in einen bequemen Hausschuh schlüpfte. Es war einfach für mich Fleisch, Eier und Milchprodukte aus meinem Ernährungsplan zu streichen. Zumal es mir (zunächst) deutlich besser ging.

So wurde aus Kuhmilch Mandel- und Hafermilch, Joghurt gab es fortan auf der Basis von Kokos und aus tierischem Fleisch wurden Sojaschnetzel. Ich und mein Schlauchmagen fühlten uns wohl mit Soja & Co.

Soja ist das neue Fleisch?

Zunächst bemühte ich mich nach darum möglichst Kohlenhydrat-arme Produkte auszuwählen, unter 5 gKHs/100g hatten. Ich genoss „Sweet Tofu“, für dessen Grundlage ich den Mandel-Tofu bevorzugte und aus dem Seidentofu hergestellte: Tofu-Schoko-Creme – alles noch schön low carb.

Soja ist das neue Fleisch?
Tofu-Schoko-Creme

Doch schnell wurde es mehr, zb. mit vegetarisch-mediterranen Bratling von dm, mit 23 g KHs/100g. Aber warum auch nicht, ich wollte das ja eh ausprobieren, mit den Kohlenhydraten. Solange es vegan war, warum nicht?
Das setzte sich im Jahr 2017 fort, bis es mir Anfang 2018 an einem Hotel-Buffet in Madeira um die Ohren flog. Auch wenn ich meist vegan oder vegetarisch war, die Kohlenhydrate waren, mit aller Macht, zurück in meinem Leben.

Die gute Seite war, dass sich meine Schilddrüsenwerte praktisch sofort erholt hatten – was jedoch vermutlich an der Tatsache lag, dass ich dem Kaloriendefizit nach OP entschlüpft war. Die negative, dass ich in den nächsten 2 Jahren 30 kg zunehmen sollte.

Das Soja-Thema

Ein Punkt, der mich in den 2 Jahren Soja-Genuss nie wirklich losgelassen hat war, wie ich mich eigentlich zu dem Soja-Thema stehen soll? Es war zwar nicht so, dass ich mich allein mit veganen Ersatzprodukten ernährt habe, sie waren eher Beiwerk zu einer recht cleanen Ernährung, aber sie fand sich trotzdem auf meinem Teller.

Irgendwie konnte ich mich nie wirklich damit anfreunden, einerseits Fleisch der Tiere wegen abzulehnen und dann Soja-Ersatzwürste, Frikadellen oder Wurst essen zu wollen. Aber okay, schließlich backe ich mir ja auch „low carb Nachbauten“, wie Brot. Für mich brauchte es also nie der Burger-Pattie oder das vegane Würstchen zu sein. Ich war auch mit einem Block Tofu höchst zufrieden.

Letztendlich habe ich beschlossen mich beim Soja an den bewährten Grundsatz zu halten: die Dosis das Gift macht. Genau zu diesem Schluss ist auch eine Übersichtsstudie zum Thema „Phytoöstrogene“ gekommen, die ich sehr interessant fand: The pros and cons of phytoestrogens

Moderation is likely key and the incorporation of real foods …. is probably essential for maximizing health benefits.

In asiatischen Ländern isst man traditionell seit Jahrhunderten Soja Produkte, ohne negative Auswirkungen. Doch wird es dort weder in großen Mengen, noch ausschließlich genossen und als ein (zumindest in der Vergangenheit) auf traditionellem Wege verarbeitetes fermentiertes Lebensmittel. Diese Art handwerklich-traditionell hergestellte Produkte, landen bei uns eher weniger auf dem Markt, bzw. muss man sie schon sehr genau suchen. Denn die Lösung aller ernährungsphysiologischen Probleme von Soja, liegt, wie so oft, in einer langen sorgfältigen Fermentation.

Die Sojabohne ist grundsätzlich glutenfrei, so konnte ich lernen, allerdings würden für den Anbau in der Regel glutenhaltige Rankhilfen, wie zb. Gerste genutzt, die natürlich auch ihren Weg die Ernte und damit in die Produkte finden können; was für mich nicht so unbedingt zählt, aber Zöliakie-Patienten durchaus Probleme bereiten kann.

Soja ist eine Hülsenfrucht, was sie grundsätzlich für mich problematisch macht, sie damit auch aus der Paleo-Ernährung ausschließt und bedeutet, dass ihre hohen Phytat-Anteile und sowie ihre Lektine, die, respektive meine, Darmwände angreifen (Stichwort: leaky gut) können.

Zudem sind wohl Kreuzallergien mit Birkenpollen bekannt, was wiederum mir die Sache als Birkenpollen-Allergiker nicht gerade einfacher macht.

Dass sie als pflanzliche Alternativen kein Cholesterin, weniger gesättigte und mehr ungesättigte Fettsäuren enthält, kann ich persönlich nicht als Vorteil gelten lassen und auch ihre angeblich deutlich besseren Klima- und Wasserbilanz finde ich fragwürdig, da Soja im kommerzielle Anbau in Monokulturen angebaut wird und dazu eine recht anspruchsvolle und die Böden auslaugenden Pflanze ist.

Wie andere Lebensmittel auch, so sind natürlich auch spezielle Soja-Produkte, wie etwa vegane „Bratwürste“ stark verarbeitete Lebensmittel und tragen damit auch nicht gerade zum Umweltschutz bei; was, nur um das schnell einmal einzuwerfen, nicht industriell-verarbeitete, saisonale, regionale Produkte und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung durchaus zu leisten können.

Was die immer wieder angeführten Phytoöstrogene, also Isoflavonoide (Genistein, Daidzein, Glycitein) betrifft, verweise ich hier wieder auf die Übersichtsstudie von oben, deren gesundheitliche Auswirkungen bestenfalls umstritten sind. Und in Studien, die möglicherweise auf negative Nebenwirkungen hinzeigen könnten, nicht in „normalen“ oder moderaten Konsummengen untersucht wurden. Wir erinnern uns … die Dosis macht das Gift.

Die Studienergebnisse, bzgl. der im Soja enthaltenen Goitrogene, die im Fall einer Erkrankung der Schilddrüse, deren Funktion zusätzlich beeinträchtigen können, wenn auch nur, im Fall, dass die Jodaufnahme eingeschränkt ist, scheinen mir relevant zu sein.

War es das nun?

Aktuell (Stand November 2020) ist eine vegetarisch/vegane Ernährung für mich kein Thema. Da mich keine ethischen Bedenken antreiben, sondern gesundheitliche Probleme für mich im Vordergrund stehen, lauern für mich zu viele Fallen in einer solchen Ernährungsform. Ich komme, und das haben mir die letzten Monate erneut gezeigt, mit einer low carben Ernährung grundsätzlich viel besser zurecht. Diese sieht heute jedoch ein wenig anders aus, als in meinen ersten low carb-Jahren nach Adipositas-OP; etwas was ich erst lernen musste.

Übrigens, eine vegane ketogene Ernährung empfinde ich für mich tatsächlich als zu einschränkend.

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