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Soja ist das neue Fleisch?

  • diet

Anke goes vegan? Nein, eher nicht. Vegetarisch? Schon eher. Felxitarier? Aber sicher.

Ich habe immer gerne Fleisch gegessen, ich habe Fleisch günstig im Supermarkt gekauft und dabei sind mir ethische Bedenken nie in den Sinn gekommen.

Heute kaufe ich nur noch Fleisch und Pute in den Metzgereien und den Produzenten meines Vertrauens und versuche meinen Milchkonsum auf hin und wieder Rohmilch zu beschränken, ebenfalls von Bauer meines Vertrauens

Doch heute soll es nicht um geschmackliche Fragen, fragwürdige Niedrigpreise oder das Tierwohl; wobei ich nicht die Relevanz dieser Themen herunterspielen möchte.

Vermutlich hätte die Überschrift, aka Schlagzeile, auch besser lauten sollen: „Frau wird von Schlauchmagen zum Soja essen gezwungen“. Was inhaltlich korrekter wäre, aber leider längst nicht so hip klingt.

Schon vor meiner Schlauchmagen-OP war mir bewusst, dass die OP Geschmacksempfinden und auch die Ver-, bzw. Unverträglichkeiten von Lebensmittel beeinflussen kann. Und tatsächlich hat sich mein Schlauchmagen immer wieder als Diva herausgestellt, die mal mit wenig und mal mit allem zufrieden war. Doch dass das auch noch lange nach OP immer wieder mal passieren kann, das hätte ich nicht vermutet.

Zieht man zudem noch meine chronische Darmerkrankung, die schon immer meine Unverträglichkeiten beeinflusst hat und meine lange und ernährungstechnisch-prägende low carb-Zeit in Betracht, darf sich eigentlich niemand, mich eingeschlossen, über eine mögliche Verlagerung der Auswahl meiner Speisen verwundern.

So begegnen mir immer wieder neue Varianten, etwa dass ich eine Weile keine Milch vertragen habe, diese mittlerweile wieder trinken kann, mir dafür aber heute Quark, insbesondere als Quarkspeise gegessen, Magenprobleme bereitet; in Kuchen verbacken komme ich jedoch gut damit zurecht.

Mit Proteinshakes habe ich eh seit einer Weile Probleme; wobei Whey in meinem morgendlichen Porridge für mich funktioniert. Hülsenfrüchte, kann ich schon seit Jahren nur in homöopathischen Dosen essen. Die ein oder andere Cherry Tomaten kein Thema, Tomatensoße, ein Problem. Paprika, schwierig. Spinat, manchmal. Brot, nur selbstgebackenes, mit Teig, der lange Zeit zum Ruhen hatte. Nudeln? Örgs, nein. Usw.

Damit könnte ich Seitenweise fortfahren. Aber es soll ja um Soja und Fleisch gehen.

Soja ist das neue Fleisch?

Die Diva will Soja.

Ein Punkt, der mir bereits vor OP klar war, betraf die Verträglichkeit von dunklem langfasrigem Fleisch. Und tatsächlich, egal wie zart ein Gulasch gekocht wurde (und wie köstlich es auch schmeckt), seit der OP liegt mir dunkles Fleisch, Rind und Wild, wie ein Stein im Magen. Ich koche, brate und Slowcookerere es hin und wieder trotzdem, weil meine Männer es nun mal lieben und esse es meist dann aus Bequemlichkeit ebenfalls, was schlicht Dummheit ist. Aber gut, wer nicht hören will, muss fühlen.

Mit Schwein und Kalb erging es mir bisher tendenziell besser. Und ich mochte es auch immer noch ganz gerne, aber damit scheint auch Schluss zu sein. Hin und wieder etwas Hackfleisch, ein Stück Bratwurst und etwas Schinken ist okay, aber meist vergeht mir schnell der Appetit daran und meine Männer dürfen sich ihre Portion um meine bereichern.

„Trockenes“ Geflügel, was ich von jeher bevorzugt habe, kein anderer der Familie wollte das „trockene“ Brustfleisch (mehr für mich also), bekomme ich kaum noch runter. Für mich gibt es das nur noch hin und wieder als Geschnetzeltes im Curry.

Als ich gestern meinem Sohn meine heißgeliebten Salamisticks abgetreten habe, weil sie mir einfach nicht geschmeckt haben, war das ein Schock für mich, die „Königin der Bouletten, Kabanossi und Gelbwurst“, der sich erst noch gänzlich setzten muss.

Das und die Tatsache, dass einer meiner Freunde vegan geworden ist, zieht mich nun seit Wochen in die vegetarisch/veganen Ecken der Supermärkte. Dabei weiß sich gar nicht so genau was ich von dem Soja-Thema halten soll?

Irgendwie amüsanter finde ich, einerseits Fleisch der Tiere wegen abzulehnen und dann Soja-Ersatzwürste, Frikadellen oder Wurst essen zu wollen. Aber okay, hier sollte ich vielleicht dann doch gerecht sein, schließlich backe ich ja auch „Nachbauten“, wie Brot aus Alternativzutaten.

Letztendlich habe ich beschlossen mich beim Soja an den bewährten Grundsatz zu halten: die Dosis das Gift macht. Genau zu diesem Schluss ist auch eine Übersichtsstudie zum Thema „Phytoöstrogene“ gekommen, die ich sehr interessant fand: The pros and cons of phytoestrogens

Moderation is likely key and the incorporation of real foods …. is probably essential for maximizing health benefits.

In asiatischen Ländern isst man traditionell seit Jahrhunderten Soja Produkte, ohne negative Auswirkungen. Doch wird es dort weder in großen Mengen, noch ausschließlich genossen und als ein (zumindest in der Vergangenheit) auf traditionellem Wege verarbeitetes fermentiertes Lebensmittel. Diese Art handwerklich-traditionell hergestellte Produkte, landen bei uns eher weniger auf dem Markt, bzw. muss man sie schon sehr genau suchen. Denn die Lösung aller ernährungsphysiologischen Probleme von Soja, liegt, wie so oft, in einer langen sorgfältigen Fermentation.

Die Sojabohne ist grundsätzlich glutenfrei, allerdings werden für den Anbau in der Regel glutenhaltige Rankhilfen, wie zb. Gerste genutzt, die natürlich auch ihren Weg die Ernte und damit in die Produkte finden können; was für mich nicht so unbedingt zählt, aber Zöliakie-Patienten durchaus Probleme bereiten kann.

Sie ist eine Hülsenfrucht, was sie grundsätzlich für mich problematisch macht, sie damit auch aus der Paleo-Ernährung ausschließt und bedeutet, dass ihre hohen Phytat-Anteile und sowie ihre Lektine, die, respektive meine, Darmwände angreifen (Stichwort: leaky gut) können.

Zudem sind wohl Kreuzallergien mit Birkenpollen bekannt, was wiederum mir die Sache als Birkenpollen-Allergiker nicht gerade einfacher macht.

Dass sie als pflanzliche Alternativen kein Cholesterin, weniger gesättigte und mehr ungesättigte Fettsäuren enthält, kann ich persönlich nicht als Vorteil gelten lassen und auch ihre angeblich deutlich besseren Klima- und Wasserbilanz finde ich fragwürdig, da Soja im kommerzielle Anbau in Monokulturen angebaut wird und dazu eine recht anspruchsvolle und die Böden auslaugenden Pflanze ist.

Wie andere Lebensmittel auch, so sind natürlich auch spezielle Soja-Produkte, wie etwa vegane „Bratwürste“ stark verarbeitete Lebensmittel und tragen damit auch nicht gerade zum Umweltschutz bei; was, nur um das schnell einmal einzuwerfen, nicht industriell-verarbeitete, saisonale, regionale Produkte und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung durchaus zu leisten können.

Was die immer wieder angeführten Phytoöstrogene, also Isoflavonoide (Genistein, Daidzein, Glycitein) betrifft, verweise ich hier wieder auf die Übersichtsstudie von oben, deren gesundheitliche Auswirkungen bestenfalls umstritten sind. Und in Studien, die möglicherweise auf negative Nebenwirkungen hinzeigen könnten, nicht in „normalen“ oder moderaten Konsummengen untersucht wurden. Wir erinnern uns … die Dosis macht das Gift.

Die Studienergebnisse, bzgl. der im Soja enthaltenen Goitrogene, die im Fall einer Erkrankung der Schilddrüse, deren Funktion zusätzlich beeinträchtigen können, wenn auch nur, im Fall, dass die Jodaufnahme eingeschränkt ist, scheinen mir relevant zu sein.

Soja ist das neue Fleisch?
Tofu-Schoko-Creme

Und was kommt auf den Tisch?

So fand ich es interessant, einfach mal alle Soja-Produkte, also die mit dem Hauptbestandteil Soja, die ich aktuell (Stand Feb 2017) im Haus habe, zusammen zu räumen.

Die glutenfreie Tamari von Kikkoman nutze ich schon seit Jahren, sie bekommt mir im Gegensatz zur Sojasoße ganz hervorragend, und wollte sie nur der Vollständigkeit halber mit aufführen. Die Flasche Coconut Aminos enthält natürlich kein Soja und ist auch glutenfrei und eine tolle Alternative, weswegen ich sie hier mit aufs Bild gepackt habe.

Für meine gelegentlichen Versuche (mehr sind es tatsächlich nicht) in Richtung Soja-Fleischersatz, bemühe ich mich Produkte auszuwählen, die unter 5 gKHs/100g haben. Dämlich, da ich nicht darauf geachtet habe, aber wie ich gerade gesehen habe, ist das bei dem vegetarischen mediterranen Bratling von dm nicht der Fall. Bei seinen 23 g KHs/100g werde ich mir noch schwer überlegen, ob ich die Dinger überhaupt esse.

Mittlerweile habe ich auch einen leckeren Räuchertofu, von Edeka, finde können. Sehr lecker in chinesischen Gemüsepfannen oder indischen Currys, finde ich.

Die Alternative-Joghurts und Quarks der Firma Alpro kann ich ganz gut ab und genieße ich hin und wieder; mögliche Kritik an der Marke lassen wir hier einfach mal dahingestellt.

Genießen gelernt habe ich „Sweet Tofu“, für dessen Grundlage ich den Mandel-Tofu vom dm bevorzuge. In der Pfanne angebraten, Vanille und Zimt drüber und dazu Frischkäse mit Mandelmus (und ggf. etwas Süße verrührt) – wirklich köstlich! Und aus dem Seidentofu stelle ich eine köstliche Schokocreme her, siehe: Tofu-Schoko-Creme.

Zieht nun also „Soja“ ins Happy End Kurven Haus ein? Ja und nein – flexitarisch eben.

Für den Moment habe ich meinen Spaß am Ausprobieren. Doch wenn ich eines gelernt habe, dann, dass nichts für immer ist, sondern stets alles im Wandel.

Doch Gott behüte, dass sich mein Schlauchmagen als nächstes überlegen könnte, kein Gemüse oder gar Nüsse mehr zu mögen! Zum Thema Fleisch mögen wir beide noch ins Gespäch kommen und eine Einigung finden, aber bei Brokkoli und meinen „Mandel-Muffins“ hört der Spaß eindeutig auf.

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