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Das Schnipp-Gummi

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Ich trage nun, also ein Schnipp-Gummiband um mein Handgelenk. Die Idee habe ich von dem US-Psychologen Martin Seligman, via Sabine Asgodom, aus ihrem Buch „Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot“.

Martin Seligman steht übrigens aktuell auf meiner Leseliste, leider jedoch mit dem englischen Original, „What You Can Change. And What You Can’t“; was aufgrund meines eben doch nicht so guten Englischs bedeutet, dass es noch eine Weile braucht, bis ich damit durch bin. Aber das nur nebenbei.

Zurück zum Schnipp-Gummi. Martin Seligman, aka Sabein Asgedom, schlagen vor, dass man sich – unter anderen – auch negativer Gedanken, ums und zum Essen herum, bewusst machen soll. Und diese Gedanken mit einem energischen mentalen „STOPP“ anhalten soll. Sie tun uns nicht gut. Und belasten Essen negativ. Das Schnipp-Gummi dient dazu den Stopp-Gedanken körperlich (sanft!) spürbar zu verstärken.

Das Schnipp-Gummi

Die Idee mich sofort angesprochen. Was wäre, wenn man nur noch positive, genussvolle und achtsame Gedanken zum Essen im Kopf hat? Wenn man sich selber nicht ständig fertig machen würde nur weil man isst? Und wie würde sich das dann auf das Essen auswirken? Na ja, da ist es doch ein leichtes dazu einen Haushaltsgummi ums Handgelenk zu tragen, oder?

Nun ganz so einfach lief es dann bisher doch nicht. Zum einen hatte und habe ich da ein paar technische Probleme, z.b. ich vergesse, dass ich das kleine Gummi trage.

Das war (und ist) grundsätzlich schon mal schlecht, weil es auch bedeutet, dass ich den mentalen Gedanken STOPP vergesse. Allerdings war der Ansturm die ersten Tage auch so übermächtig. Ehrlich, ich hatte keine Ahnung, wie viele negative und mich-selber-fertigmach-Gedanken ich in Verbindung mit Essen im Kopf habe!

Und vermutlich weil ich nicht daran gedacht habe, habe ich das Haushaltsgummi auch ständig verloren. Beim Jacke ausziehen, beim Sport, beim Duschen oder generell beim Kleidungswechseln, mitunter auch bei der Hausarbeit, kam es zu hohen Verlusten. Zum Glück hatte ich einen recht ordentlich Vorrat an Haushaltsgummis beim letzten Krimskrams-Schubladen-Entrümpeln zusammengetragen.

Die ersten Tage Schnipp-Gummi waren also durchaus als überraschend holprig zu bezeichnen.

Erst wurde mir der Sturm meiner negativen Gedanken deutlich: das hättest du echt nicht essen dürfen, du bist eh schon viel zu dick. Schau dich im Spiegel an, du isst zu viel. Hattest du eben nicht gerade Frühstück? Waren das nicht ein, zwei, drei Kekse zu viel? Das hat aber nicht geschmeckt, trotzdem hast du es gegessen – selber Schuld für das was nun passiert. Wenn du so weiter isst, dann war es das mit deiner Größe 44/46. Was jetzt schon wieder Hunger, das kann doch nicht wahr sein? Sag mal, wie undiszipliniert bist du eigentlich! Kannst du nicht mal ein paar Minuten warten, bis das Essen auf dem Tisch steht? Du hast den Kuchen nicht verdient. Du solltest dich erst noch ein bisschen Quälen, bis du wieder was essen darfst. Nun hast du es schon wieder getan! Du bist böse. Du bist es nicht wert. Du hast es nicht verdient.

Und dann auf einmal war die totale Ruhe in meinem Kopf; was allerdings wohl nur eine Frage der Zeit sein dürfte, schließlich habe ich mich lange genug auf Selbstvorwürfe konditioniert.

Mittlerweile habe ich mein Schnipp-Gummi abgelegt. Auch weil ich bemerkt habe, dass ich angefangen habe damit zu spielen, was dem Schnipp-Effekt keinen Dienst erwiesen hat, weil das Haushalts-Gummi schnell schlapprig wurden und die Verluste noch weiter hochgetrieben hat. Ich habe quasi, wie Hänsel, (Haushalts-Gummi-)Krummen gestreut. Vergessenes ausgeleiertes rotes Haushaltsgummi = Anke was here.

Die Idee finde ich immer noch gut. Und aufgeben tue ich das Projekt auch nicht, das mit den gedanklichen STOPP übe ich weiter. Und nur hin und wieder so ein paar Tage Schnipp-Gummi tragen, sollte ich damit wieder schlampig umgehen und mich bei negativen rund-ums-Essen-Gedanken erwischen (und das Gefühl haben, dass das mentale STOPP nicht reicht), ist ja auch keine so üble Idee. Und so entfällt, denke ich, vielleicht auch der an das Haushaltsgummi-Gewöhnungseffekt.

Also Projekt Haushaltsgummi läuft. Nun heißt es weiter an meiner immer länger werdenden Leseliste zu arbeiten, die nicht nur Martin Seligman und einige andere enthält, sondern aktuell mit Roland Schweppes achtsames Essens-Thema ansteht.

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