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Madeira Cheatdays

Es ist vermutlich angebracht, an dieser Stelle gleich einmal einen Disclaimer zu setzten, ich bin nämlich der portugiesischen Sprache nicht mächtig, nicht einmal rudimentär. Gut, ich kann mittlerweile einen Kaffee, bevorzugt Galão (ein Espresso mit Milch) und ein Törtchen, bevorzugt Pastel de Nata (Blätterteigtörtchen mit Pudding) bestellen und komme mit meiner Bestellung der Originalaussprache soweit hin, dass Damen und Herren hinter den Theken wissen, was ich will, doch mögliche Fehler bzgl. Übersetzung oder Interpretationen portugiesischer Namen oder Bezeichnungen liegen komplett bei mir.

Ich habe zwar die Tage, mit Begeisterung den portugiesischen Koch-TV-Sender 24Kitchen.pt verfolgt, dabei so einiges aufgeschnappt und bin innerhalb kürzester Zeit ein Fan der Moderatorin Filipa Gomes geworden, ich konnte die Sprache jedoch lediglich als zusätzliches atmosphärisches Ambiente in mich aufnehmen. Verstanden habe ich rein gar nichts. Die Sendungen zu verfolgen hat trotzdem Spaß gemacht.

Aber zurück zum Anfang: Ich komme gerade aus Madeira zurück. Und obwohl auch auf Madeira gerade Winter ist und nicht alles geblüht hat, so war es eine Wohltat, für die Seele und das Auge, in den Farben, Formen, Pflanzen und Blüten der Insel zu schwelgen. Und sich, nach gefühlten 3 deutschen wolkenverhangenen und sonnenlosen Monaten, vergewissern zu können, dass es da irgendwo tatsächlich noch eine Sonne gibt.

Good.

Not so good.

Das Wetter war durchwachsen, Regen folgte dem Sonnenschein so schnell, dass man manchmal gar nicht nachkam Regenschirme ein und auszupacken und vielleicht war es auch ein bisschen zu kühl für Madeira; zumindest wenn man nach den Einheimischen geht, die sich, in ihre Version von Wintermäntel, eingepackt hatten und allesamt froren, während die Touristen, vor allem die aus Ländern des nördlichen Europas, in kurzen Hosen und T-Shirt, die wohltuende Wärme genossen haben.

Nicht ganz so low carb wie geplant. Aber wer kann schon bei einer solchen „Bola“, übrigens 1 Kugel, für 1,50 € und Triamisu, schon nein, sagen.

Eigentlich hatten wir den Urlaub moderat low carb geplant, so wie wir uns eben die letzte Zeit ernährt haben. Doch weil es unser erster Madeira Aufenthalt war, wir also die Gegebenheiten nicht kannten, und natürlich auch der Bequemlichkeit wegen, haben wir Halbpension in einem der großen Hotels gebucht. Und tatsächlich wäre es auch überhaupt kein Problem gewesen, sich einigermaßen ordentlich low carb durch das angebotene Buffet zu futtern. Morgens mit englischen Frühstück, Bacon, Ei und Käse, und Abends mit Gemüse und Fleisch und Fisch des Tages. Aber da kannten wir die portugiesischen Bolos (portugiesisch, Kuchen, wobei auch Brote, bzw. Brötchen als Bolo bezeichnet werden) noch nicht und haben mal wieder gründlich unterschätzt, was Urlaubsstimmung und man muss sich auch mal was gönnen anrichten können.

Und wir wollten Wandern, viel wandern. Oh, definitiv sind wir viel gelaufen, was letztendlich wohl auch der Grund war, dass meine Waage heute viel freundlicher zu mir war als befürchtet. Aber das mit dem low carb, und war es auch noch so moderat geplant, hat ungefähr bis zum Mittag der Anreise gehalten. Da gab es nämlich im Flugzeug, erstaunlich wohlschmeckende Vollkornbrot-Sandwichs.

Wandern auf Madeira, entlang der Levadas, der Wasserkanäle.

So ein Vollkornbrot-Sandwich, insbesondere da ich nur die Hälfte davon gegessen hatte, mag noch irgendwie in einen low carb-Plan passen, aber am Abend angesichts der Kuchen, Törtchen und Puddings auf dem Hotel Buffet, war das mit dem low carb dann eigentlich schon Geschichte. Keine Frage, vermutlich aus reiner Gewohnheit, habe ich die ersten Tage noch versucht, mein bestes zu tun, doch spätestens nach 2 Tagen konnte auch ich nicht mehr so tun als ob; das hier würde eine gnadenlose Cheatday-Woche werden, sowohl auf die Größe der Mahlzeiten, als auch die Menge der KHs bezogen.

Und es war verblüffend, wie gut mir die ganze KHs-Schlemmerei bekommen ist. Ich hätte überhaupt keine Probleme mit der Verdauung. Nur ein halber Protein-Riegel, den ich in einem ziemlich dämlichen Anflug von vielleicht sollte ich mal etwas kürzertreten mit dem ganzen Zucker gegessen hatte, der hat sich mit sofortigen Problemen gerächt. Was soll ich sagen, Proteinriegel gab es darauf hin keine mehr.

Ich kann nur vermuten, dass ich nach all den vielen strikten low carben Monaten und Jahren mein Verdauungssystem so weit reanimiert habe, dass ich so eine Woche KH-Überschuß ganz wunderbar wegstecke; was ja auch meine aktuelle, zwar immer noch recht cleane, aber deutlich KH-lastigere Ernährung zeigt. Ich erinnere mich noch an einen Frankreich-Urlaub, im Herbst 2014, damals war ich erst ein 3/4 Jahr auf low carb, an dem ich mit massiven Problemen zu kämpfen hatte, als ich einem Croissant zugesprochen hatte.

Allgegenwärtig auf Madeira: Strelitzien, auch „Papageienblume“ oder „Paradiesvogelblume“.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hattewobei ich mir das aber durchaus hätte denken könnenwaren meine Probleme mit dem Hotel-Bufett. Aber hier hat mich, wieder einmal, mein Schlauch gerettet. Auch wenn er mir regelmäßig Schmerzen bereitet hat, so hat er mir jedoch Schmerzen bereitet und damit der Schlemmerei immer wieder ein Ende gemacht. Oh, heute bin ich durchaus fähig, meine Portionen besser einschätzen zu können, dh. die Menge, die ich mir auflade, ist grundsätzlich schon viel angemessener geworden. Und doch lag da regelmäßig so viel auf meinem Teller, dass ich es a) nicht geschafft habe und b) regelmäßig Magenschmerzen bekommen habe.

Und es ist mir einmal mehr bewusst geworden, dass das mit den zweien oder der einen großen Mahlzeiten, bei mir einfach nicht mehr tut. Viele kleine Mahlzeiten bekommen mir in jeder Hinsicht viel besser; solange ich nicht über meine Kalorien esse, versteht sich.

Ein kleines Problem ist jedoch meine Trinkmenge. Zu Hause trinke ich bis zu 34 l am Tag, ohne Kaffee und Tee gerechnet. Im Urlaub, wenn wir viel unterwegs waren, kam ich manche Tage gerade mal auf 1 l. Richtig, ich habe einen Schaden weg, wegen dieser Unterwegs-Toiletten-suchen-müssen-Sache, wegen all der Probleme, die ich in meinem Leben schon mit meiner Verdauung hatte und den Schlag werde ich wohl auch nie wieder aus meinem Kopf bekommen und vielleicht ist es auch deswegen, dass ich mich unbewusst auch mit dem wenn-ich-unterwegs-bin-Trinken so überaus zurückhalte.

„high tea“ in Madeira.

Ja, und dann ist da auch noch das Problem mit dem Trinken und Essen gleichzeitig, wobei mir hier wieder der Schlauchmagen ins Geschäft spuckt. Und zum ersten Mal in meinem Leben bin ich einfach nur dankbar, wenn es im Restaurant mal etwas länger dauert mit der Bestellung, solange nur die Getränke flott serviert werden. Ich kann heute sehr gut bis zur Mahlzeit ran trinken, aber zur Mahlzeit und danach, was durchaus schon mal eine Stunde lang sein kann, geht rein gar nichts. Ich muss also zusehen, dass ich meinen Weinjepp, reichlich Alkohol gab es auchWasser oder was auch immer, noch vor dem Essen getrunken bekomme. Wenn es allerdings in die Schlacht am Buffet geht, ist damit zu rechnen, so meine aktuelle Erfahrung, dass mein (ansonsten hoffentlich) gesunder Menschenverstand nur sehr eingeschränkt funktioniert. Ergo, habe ich mein Trinken auf den Abend und die Nacht verlegt, was mich mehr als einmal aus dem Bett getrieben hat. Tja, selber schuld.

Ach ja, noch was, apropos Alkohol auf Madeira. Einmal vom wunderbaren Madeira abgesehen, gibt es dort auch ein traditionellesziemlich höllisches Zeugsnamens Poncha; wobei ich nicht die in Flaschen abgefüllte und im Supermarkt zu kaufende Variante meine, sondern die in einer kleinen Bar, im Hinterland an der Theke, direkt vor dem Genuss gemixten und gründlich verquirlten Zubereitung. Dem good stuff eben. Dazu ein paar Erdnüsse und warme Hühnerinnereien; was sich nun vielleicht sehr absonderlich anhört, aber recht gut miteinander harmoniert hat. Aber, oh my God, das Zeug hat reingehauen! Von so wenig (Poncho wird zum Glück in recht kleinen Gläsern serviert) war ich noch nie so schnell betrunken. Gut, ich trinke seit Jahren kaum noch Alkohol (habe es eigentlich auch so für die Zukunft vor) und vertrage zurzeit wenig, aber ich hatte durchaus das Gefühl, dass sich hier ebenfalls mein Schlauchmagen bemerkbar gemacht hat. Denn nach einer halben Stunde war der Spuk wieder vorbei; was auch ein (wenn auch zweifelhafter) Vorteil sein kann, oder? Ich kann mich an einem Abend mehrmals, für kurze Zeit betrinken. Das ist nicht nur recht kostengünstig, wobei so ein Poncha lediglich mit 2 € zu Buche geschlagen ist, sondern ich habe auch noch Chance zwischendrin immer wieder nüchterne Moment mitzunehmen.

Madeira ist definitiv eine Reise wert. Reisen mit Schlauchmagen, Verdauungs- und Nahrungsmittel-Empfindlichkeiten und low carb kann hingegen definitiv seine Tücken habenwenn einem dabei auch oft nur der eigene Kopf im Wege steht.

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