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Alles eine Frage der Größe

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Dieser Beitrag ist vor allem ein reminder an mich selbst: Nobody is perfect – und muss es auch nicht sein.

Den Anspruch in jeder Hinsicht perfekt zu sein, habe ich tief in mir. Bedauerlicherweise. Und wenn ich meinen Ansprüchen nicht genüge – und wer kann das schon, wenn Perfektion verlangt wird – dann bin ich nicht nur bodenlos enttäuscht von mir, sondern verachte mich deswegen geradezu, wert mich ab und quäle mich mit Selbstvorwürfen. Einfach gesprochen „charmant“, wirklich charmant.

Neben vielen anderen (unerfüllbaren, weil zu perfektionistischen) Ansprüchen an mich, ist für mich auch „alles eine Frage der Größe“ geworden.

Und einerseits ist das auch gut so, denn ich bin gerne eine 44. Ich wäre gerne eine 42 oder eine 40 (und gebe dieses Ziel auch nicht auf), aber ich bin eine glückliche 44.

Nachdem ich jedoch letzt‘ mit dem Messband amtlich festgehalten habe, bzw. musste, weil ich es einfach nicht mehr wegzureden war, dass ich über den Sommer 2018 ordentlich zugelegt habe, blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit der Tatsache zu konfrontieren, dass ich zurzeit keine (in den meisten Fällen) 44 bin, sondern (manchmal) eher eine 46.

So weit so gut. Damit sind mir aber nicht nur meine Hosen etwas enger geworden, auch meine wundervolle Allwetter- 3 Lagen-Schöffl-Jacke ist zur gut sitzenden Rüstung geworden, die bestenfalls ein sehr dünnes Shirt unten drunter zulässt. Hurra, Winter ich komme! Nur in welcher Jacke und Hose?

Nun ist das Abwägen der Kosten um zu eng gewordene Bekleidung zu ersetzten, die eine Sache. Die größere Nummer für mich ist hingegen, ist das Eingeständnis, auf eine größere Kleidernummer zurückgreifen zu müssen.

Es fühlt sich so sehr nach Versagen an, dass ich es lange, sehr lange nicht zulassen wollte – und mich nicht dafür, wie üblich zu verachten und zu bestrafen  (kennt ihr das auch, euch mit Essen zu bestrafen und euch dabei genüsslich für jeden Bissen zu verachten?), auf der Couch sitzen (eh, ich bin viel zu fett für Bewegung, bringt ja eh nichts) und die engste Kleidung aus meinem Schrank zu tragen (das hast du nun davon: alt, hässlich und fett) hat mich einige Kraft gekostet. Den Kopf einfach in den Sand zu stecken oder mich meiner Panik und damit der Spirale nach unten, hinzugeben war so verlockend und wäre so einfach gewesen.

Wie ich es genau geschafft habe, letztendlich Haltung anzunehmen, meine Krone zu richten und weiterzumachen, weiß ich nicht genau. Ich vermute einmal, es hat mit viel Sturheit zu tun. Kampf. Weg. Ziel. Eine Richtung. Umwege gehören zum Leben. Basta. Back to Basics.

Ich habe mir meine Fitbit-Uhr umgeschnallt (Ziel 10.000 Schritte, min. 5 mal die Woche), mein Bewegungsprogramm wieder aufgenommen und (hier war und ist einiges an Gewalt notwendig und viel Muskelkater) mein Konsum von Convenience Lebensmittels, also „bequemen“, teil-fertige und verzehrfertige Lebensmittel, wieder stark eingeschränkt.

Und – halleluja – ganz langsam, sehr, ganz langsam und in ultrakurzen, minimal-Schritten, zeigt sich wieder etwas Entspannung im Bereich Po/Bauch/Hüftgold.

Und ich habe mir eine neue Jeans gekauft; nicht nur eine Größe größer, sondern gleich zwei. Damit das Ding auch wirklich sehr bequem sitzt – und weil meine Freundin nicht dabei war, die stets darauf besteht, dass Jeans eng sitzen müssen.

Meine lieben Freundin, du ahnst wohl schon was passiert ist? Mea culpa meine Lieben, ja, die Jeans sie könnte vielleicht doch einen Hauch zu „bequem“ für eine Jeans sitzen. Und ja, vermutlich hätte ich gut daran getan, die bessersitzende Nummer kleiner zu kaufen. Verzeih es mir, aber ich war noch im „ich verachte mich, weil ich zu einer größeren Größe greifen muss-Modus“ und dachte, die 46 geschähe mir recht.

Auch eine Winterjacke, die einen Pullover darunter zulässt, habe ich gefunden. Im Second Hand Shop. Amüsanterweise in „meiner“ 44.

Und ich glaube, genau das war auch der Grund dafür, dass ich letztendlich nachgegeben und habe mir diesen ganzen Mist von wegen eine größere Zahl im Kleider-Etikett zu tragen sei Versagen aus dem Kopf geschlagen habe und mir – mal wieder – ins Bewusstsein gerufen haben, dass Kleidergrößen so was von willkürlich angelegt sind und damit überhaupt die dümmste Art eines  Vergleiches.

PS: Zu meiner eigenen Verwunderung, hat mir die gelöste Kleidergrößen-Frage zwar Entspannung in meinem Kopf beschert, ist aber nicht negativ auf mein Ess- oder Bewegungsverhalten zurückgefallen. Okay, ich habe Süßigkeiten für einen Familienadventskalender gekauft und auch ein bisschen was aus der Convenience Abteilung zum Naschen. Doch im Großen und Ganzen läuft es mit der cleanen Ernährung bei mir nach wie vor gut.

PSS: Ach ja, warum ich nicht auf die größeren Größen zurückgegriffen haben, die ich beim Abnehmen durchlaufen habe? Weil ich zum einen nur sehr wenig in 46 hatte, bzw. behalten habe.

War es dumm die größere Kleidung auszusortieren? Nein, ich glaube nicht. Es war richtig so. Und ich würde es wieder so machen. Vielleicht. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass mich Schwankungen meines Gewichts, auch größere, in der Zukunft weiterhin begleiten werden. Entspannt und mit Vernunft damit umzugehen lernen (natürlich ohne dabei „meine“ Richtung aus dem Auge zu verlieren), ist eine meiner großen Aufgaben. Und naja, dazu gehört vielleicht auch (ein paar Basic-Stücke) Bekleidung in verschiedenen Größen im Schrank zu haben.

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