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Minimalisten haben kein Übergewicht

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Fress- und Hamsterverhalten von maximal auf minimal

Kleiner Einschub vorneweg: Selbstverständlich halte ich eine gewisse Vorratshaltung für sehr klug; und manchmal geht es auch gar nicht anderes, zb. wenn man im Bulk kaufen muß. Ich habe jedoch für mich erkannt, dass ich dem Reflex Essensvorräte anzulegen kaum etwas entgegen zu setzten habe und dieses Verhalten, mit hoher Wahrscheinlichkeit, auf meinen Umgang mit Essen, negative Auswirkungen hat.

Als ich das erste Mal den Ausspruch „Minimalisten haben kein Übergewicht“ gelesen habe, wollte ich mich, gelinde gesagt, erst einmal kräftig darüber aufregen. So ein Schwachsinn! Mittlerweile habe ich den Ausspruch jedoch eins ums andere Mal für mich hinterfragt und festgestellt, das da vermutlich mehr dran ist, als ich zugeben möchte.

In diesem Jahr habe ich angefangen mich im Besonderen mit den Themen Nachhaltigkeit, Ordnung und Minimalismus auseinander zu setzen. Zunächst ganz unbewusst, in dem ich mein Leben entrümpelt habe – Verpflichtungen, Hobbies, Bekleidung – dann bewusst meinen Lebensraum – Keller, Küche, Bad und Wohnzimmer – angegangen bin.

Es war nicht ganz einfach in Sachen bewusstes Entrümpeln die ersten Schritte zu tun. Diese erste Phase war emotional sehr anstrengend und hat sich, neben anderen emotionalen Achterbahnfahrten des Lebens in diesem Jahr, so entschieden auf mein Essverhalten ausgewirkt, dass ich immer noch mit den Folgen hadere. Und doch war es so befreien, dass ich diese erste intensive Erfahrung des Entrümpelns nicht missen möchte und mir ist es sehr wichtig, diesen Weg auch weiterzugehen.

Die intensive Beschäftigung mit Nachhaltigkeit und Minimalismus hat mir einen anderen Blickwinkel auf mein „hardware“-Konsumverhalten (Artikel die im Haushalt Bestand haben) eröffnet, sowie überraschende Einblick in mein Fress- und Hamsterverhalten, quasi meine „software“ (Artikel, die verbraucht werden). Und mich – und man kann es nicht anderes ausdrücken – gründlich schockiert, aber auch zum Einlenken und Umdenken veranlasst hat.

In dieser Hinsicht hat aber auch der Kauf eines neuen Tiefkühl- und Kühlschrank einiges bei mir ausgelöst. Mein Neuer ist zwar fast genauso groß wie meine alte Side-by-Side-Tiefkühl- und Kühlschrank-Kombination, doch um einen geschmeidigen Wechsel durchzuführen, da ich keine Möglichkeit hatte größere Mengen Kühl-Lebensmittel vorübergehend anderweitig unterzubringen, war ich gezwungen Tiefkühler- und Kühlschrank-Vorräte weitestgehend abzubauen. Was gelinge gesagt, deutlich mehr Zeit benötigt hat, als ich je gedacht habe.

Ich hatte also allein im Tiefkühler und im Kühlschrank so viele Lebensmittel gebunkert, dass ich eine geraume Weile benötigt habe, damit wir diesen zu dritt soweit leeren können und ein Wechsel durchführbar wurde.

Noch viel erschreckender war, im Hinblick auf einen zukünftigen nachhaltigen und eher minimalistischen ausgerichteten Vorratsstil, ein genauer und vor allem ehrlicher Blick in meine Vorratsschränke (also alle Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen).

Es ist einfach unglaublich, was ich dabei alles zutage gefördert habe, was ich wegwerfen musste (weil weit über das Haltbarkeitsdatum oder tatsächlich verdorben) und womit ich nun seit Monaten beschäftigt bin es abzubauen.

Das mir dabei der Abbau (zb. von Teffmehl) mitunter Kapriolen schlägt und mir mehr ins Haus bringt (in diesem Zusammenhang Reismehl) statt weniger, lassen wir hier einfach mal unkommentiert stehen. Nun, das so entstandene Backwerk war ziemlich lecker und wird Wiederholung finden; und damit hoffentlich dann auch endlich das Aus für das Teff- UND das Reismehl.

Ganz anders die Sache mit dem Erythrit. Die letzten 2,5 kg eines ehemaligen Mega-Bulks waren tatsächlich verdorben und mussten entsorgt werden. Und die traurige Erfahrung mit meiner Nussmehl-Ansammlung hatte ich ja bereits berichtet (siehe Nussmehl-„SUB“).

Hier noch ein Beispiel aus meiner Supp-Ecke: Mein Calziumcitrat, für den täglichen Gebrauch, befindet sich in einer kleinen Dose, gut erreichbar im Küchenschrank. Die Back-up Dose, mit einer etwas größeren Menge finde sich im Vorratsschrank, um die kleinere Dose aufzufüllen, wenn das nötig wird. Die noch größere Back-up-Bulk-Dose steht im Keller. Um die Vorratsschrank-Dose zu füllen, die wiederum, naja, ihr wisst schon …. Was ist das für ein Dosen-Wahnsinn? Wer soll da denn den Überblick behalten? Nun, ich offensichtlich nicht. Braucht jemand Calciumcitrat? Wenn ja, ich habe ausreichend da.

Und so geht es weiter. Sage und schreibe 3 Pakete Sonnenblumenkern habe ich bei meiner Ausmist- und Sortier-Aktion aus meinem Vorratsschrank zusammengetragen. 4 Ketschups, inkl. der 6 Gläser Homemade Ketschup meiner Freundin. 3 verschiedene Salze, diverse Mehl, eine bunte Auswahl an Süßungsmittel und Nudeln, Reis, Getreide, jeder Couleur, von high carb bis no carb. Sowie u.a. eine unübersichtliche, ziemlich willkürliche und sehr individuelle Gewürzsammlung – wie ich die jemals abbauen soll, ist mir ein Rätsel.

Aber zurück zum Thema. Meine Vorratsschränke waren (und sind immer noch) voll. Übervoll. Und ich muss mich fragen, was für eine Angst dahinter steckt? Bzw. was meine Gründe für eine solche übervolle Bevorratung sind? Nun, über Gründe mag man spekulieren können, doch die Folgen sitzen als Tatsache auf meinen Hüften. Und das soll sich ändern.

Denn, ich kann (mit einer solchen übervolle Vorratshaltung) viel essen, weil ich ja viel da habe. Logisch, oder? Oder genauer, mir fällt es leicht viel zu essen, weil ich ja viel da habe. Es gibt nicht nur 6 Töpfe Quark, sondern auch noch 6 Töpfe Joghurt daneben. Warum also nicht in den Quark noch ein Töpfchen Joghurt rühren? Sind ja genug da, oder nicht? Hier und da eine Rippe Schokolade? Kein Thema, einfach weg damit, es gibt da ja noch die Tafel back-up im Schrank.

Positiv gesehen, kann ich sagen, dass ein Anfang gemacht ist. Ein Umdenken hat begonnen. Auch wenn ich diese Aufgabe immer wieder mit engagierter und unübersichtlicher Neu-Bevorratung zu boykottieren scheine. Es ist fast so, als ob ich ganz gezielt und sehr bewusst darauf abziele „meine Süchte“ am Laufen zu halten. Mir ein unerschöpfliches, für alle Eventualitäten vorbereitetes Schlaraffenland bauen, damit mir selbst das Salz nicht ausgehen wird. Und ich in all dem Überfluss nicht nur das Verhältnis zu Menge verliere, bzw. verloren habe, sondern auch das Gefühl, etwas davon wirklich schätzen zu können.

Masse, statt Klasse. Überfluss statt Wertschätzung. Achtlosigkeit statt Achtsamkeit. Maximal statt Minimal.

Mein Mann hat einmal zu mir gesagt, dass er beim Essen die Masse schätze und demnach auch die Klasse einer Mahlzeit bewerte. Mich hat das damals wirklich schockiert. Aber war ich (und bin mitunter auch heute noch) davon tatsächlich so weit entfernt?

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