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Ich und GERD

Vor meiner Adipositas-OP hatte ich keine Probleme mit „Sodbrennen“. Natürlich ist es auch mir nach einem völligen Mahl hin und wieder mal „sauer“ Aufgestoßen, doch das war nichts dagegen, was mir nach OP begegnet ist. Doch kaum hatte ich dafür das Problem ermittelt und eine Lösung dafür gefunden, veränderten sich die Anzeichen und alles wurde noch schlimmer. Doch erst als ich im Dezember 2020 eine Diagnose mit GERD (med. gastroösophageale Refluxkrankheit) bekam, habe ich angefangen mich genauer damit auseinanderzusetzen.

Für mich war die Sache einfach: gelegentliches „saures Aufstoßen“ nannte ich „Sodbrennen“ und bedeutete, dass ich zu viel Magensäure hatte. Das Aufsteigen des Nahrungsbreis (bei mir bis in den Mundraum) nach OP nannte ich „Reflux“ und war, wie ich herausfand, meiner Dummheit geschuldet. „Omeprazol“ (Protonenpumpenhemmer) musste ich nach der OP nehmen um meinen frisch operierten Magen „zu schützen“ und „Rennie“ (Antazida) nahmen Manager, die viel Fast Food und Stress hatten. Über diese vereinfachten Annahmen hinaus, hatte ich mir nie Gedanken über das Thema gemacht – es wurde Zeit, dass ich das nachhole.

Die Informationen, die ich für diesen Beitrag zusammengetragen haben, spiegeln meine Recherche, mein Verständnis und meine Erfahrungen wider. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Die hier zusammengetragenen Informationen sollten daher niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden werden. Konsultiert bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt eures Vertrauens!

Sodbrennen (med. Reflux)

Ich hatte bereits gehört, dass die Reflux-Problematik in engem Zusammenhang mit einer Schlauchmagen Operationen steht. Wie signifikant diese jedoch ist, habe ich erst jüngst in einem Online-Vortag von Dr. Zorron, vom Postdamer Adipositas Kompetenzzentrum (Ernst von Bergmann Klinikum) gelernt.

Laut Dr. Zorron werden, 5 Jahre nach OP, bei 30 % aller Schlauchmagen-Patienten (10 % bei Bypass-Patienten) Reflux diagnostiziert. Der dahinter vermutete Hauptgrund liegt, nach aktueller Studienlage, am durch die OP veränderten Winkel der Speiseröhre zum Magen. Dieser verändert sich, weil für die Schlauchmagen Operation, die Muskeln rund um die Speiseröhre entfernt werden müssen. Wegen dieses hohen Prozentsatzes, würden aktuelle Empfehlungen für Schlauchmagen-Patienten auch zu jährlichen Magenspiegelungen tendieren, so Dr. Zorron. In diesem Zusammenhang steht auch, dass für Patienten, die bereits vor einer Adipositas-OP unter Reflux leiden, eine Schlauchmagen-OP in der Regel ausgeschlossen wird – außer andere Faktoren spielen rein.

Was mich betrifft, so hatte ich vor OP keine Probleme mit Reflux. Die Problematik habe ich zum ersten Mal nach Adipositas OP wahrgenommen. Ich musste jedoch erkennen, dass damals das „saure Aufstoßen“ von Nahrungsbrei ausschließlich meiner eigenen Dummheit geschuldet war. Mich unmittelbar nach dem Essen hinzulegen und dann auch noch eine Lage zu wählen, in der der Magen nach oben gewölbt zu liegen kam, rechte Seitenlage, ist grundsätzlich nicht klug, und schon gar nicht mit einem Schlauchmagen. Seit ich derartige Aktionen tunlichst vermieden habe, war auch die Rückfluss-Problematik des Nahrungsbreis wieder verschwunden.

Auch wenn im Allgemeinen zur Behandlung von Reflux gerne und großzügig Protonenpumpenhemmer (sie hemmen die H+/K+-ATPase in den Belegzellen der Magenschleimhaut und damit die Entstehung von Salzsäure), H2-Blocker (sie hemmen die Magensäuresekretion) oder Antazida (sie neutralisieren die Magensäure) verschrieben oder empfohlen werden, so ist Reflux doch ein Lifestyle- und Ernährungsproblem, davon bin ich überzeugt. Zumal die genannten Medikamente, vor allem in einer Langzeitbehandlung nicht unerhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen und es umsichtig abgewogen werden muss, wann diese einen möglichen Nutzen überwiegen.

Empfehlungen unter einer Standard-Ernährung lauten deswegen ua. auf Kaffee, Alkohol und fettreiche Mahlzeiten zu verzichten. Warum diese Vorgaben im Zusammenhang mit einer Kohlenhydrat-armen Ernährung einen anderen Kontext erhalten, erklärt Dr. Robert Cywes auf seinem youtube Kanal (Stichwort: „ACID REFLUX, HEARTBURN, GERD: CAUSE AND TREATMENT“). Laut ihm ist eine low carbe oder ketogene Ernährung die erste Empfehlung, wenn es um die Bekämpfung von Sodbrennen (Reflux) geht. Er gibt jedoch auch an, dass wenn eine Kohlenhydrat-arme Ernährung keine Besserung bringt, die Ursache anderweitig gesucht werden muss.

Refluxkrankheit (GERD)

Bei mir wurde im Dezember 2020 eine Refluxkrankheit (med. gastroösophageale Refluxkrankheit, abgekürzt: GERD), also ein krankhaft gesteigerter Rückfluss des sauren Mageninhaltes in die Speiseröhre diagnostiziert, nachdem ich über wiederkehrendes Brennen hinter dem Brustbein geklagt hatte (med. retrosternaler Schmerz).

Ein GERD wird in „non-erosive reflux disease“, also ohne Befund einer Speiseröhrenentzündung (med. Ösophagitis) und „erosive reflux disease“, mit dem Befund einer Refluxkrankheit mit Ösophagitis unterschieden. Ich gehöre zum zweiten Teil der Patienten. Der „krankhafte Reflux“ von Magensaft zurück in die Speiseröhre, hat bei mir eine Refluxösophagitis, Grad I: Rötung und Ödembildung, ausgelöst. Sehr unschön, denn das ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern kann auch im Lauf der Zeit eine Zellveränderung der Speiseröhre, einen Barrett-Ösophagus zur Folge haben, was zu Speiseröhren-Krebs führen kann. Laut Dr. Zorron sind von einem Barrett, 5 Jahren nach Schlauchmagen-OP, 17,2 % aller Patienten betroffen.

Die Therapie eines „erosive reflux disease“ empfiehlt, die bereits erwähnten Protonenpumpenhemmer, damit die Speiseröhrenentzündung abklingen kann.

In den Fällen, in denen diese Behandlungsmethoden keine Erfolge erzielen, was bei Schlauchmagen-Patienten (wegen des veränderten Winkels von Speiseröhre zu Magen) immer wieder vorkommt, kann eine operative Lösung in Betracht gezogen werden.

Dazu gehört ua. auch einen Hiatusverschluss (also ein möglichen Zwerchfellbruch) wiederherzustellen, (für Schlauchmagen Patienten) die Speiseröhre wieder im richtigen Winkel zum Magen fixieren und einen Fundoplicatio anlegen (eine Operation, in der „der Magenfundus manschettenförmig um das untere Ende der Speiseröhre gefaltet und dort fixiert wird“).

Auch ein LINX-Ring, eine Art magnetisches Anti-Reflux-Ventil, das um den Ausgang der Speiseröhre gelegt wird, könnte eine Lösung sein. Als mögliche Probleme werden jedoch Schluckstörungen (Dysphagie) angegeben (Anmerkung: das kann auch ein Fundoplicatio verursachen!) und dass man nach der Implantation nicht mehr im Kernspintomografen behandelt kann. Erfolg verspricht aber auch einen Umbau zum SASI (Single-Anastomosis-Sleeve-Ileal-Bypass), welcher, auf meine Nachfrage bei Dr. Zorron, auch für Crohn-Patienten infrage käme, für mich eine sehr relevante Information. Ziel ist es, mit dieser Operation den Druck aus dem Magen zu nehmen und damit den Speiseröhren-Schließmuskel zu entlasten.

Gastritis (Typ C)

Zudem erosiven GERD wurde bei mir auch eine Gastritis (Typ C) diagnostiziert. Typ C, bedeutet eine chemisch induzierte Gastritis, in der Regel durch bestimmte Medikamente verursacht. Die Lösung: einfach die auslösenden Stoffe meiden. Ein hervorragender Tipp, wenn ich nur wüsste, was sie ausgelöst hat? Ich nutze nämlich keine Medikamente, schon seit Jahren nicht mehr. Doch auch das Zurückschwemmen von Galle in den Magen (Gallenreflux) kann eine chronische Gastritis Typ C zur Folge haben. Auch hier kommen in der Medizin erneut Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker zum Einsatz, um die Entzündung abklingen zu lassen.

Bei einer endoskopischen Untersuchung für den Bereich Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (med. Ösophago-Gastro-Duodenoskopie), kann auch eine Helicobacter pylori Besiedlung untersucht werden. Bei mir war eine solche negativ.

Magensäure

Den Magen (langfristig) mit Protonenpumpenhemmer vor Magensäure „zu schützen“ macht allein deswegen keinen Sinn, da der Magen optimal auf ein saures Milieu (pH-Wert von 1,0 bis 1,5) ausgelegt ist. Dabei ist die Tatsache von zu viel Magensaft tatsächlich eher sehr selten. In den meisten Fällen drehen sich die Probleme eher um zu wenig und zu milde Magensäure. Ausreichend und saurer Magensaft, sowie ausreichend Verdauungsenzyme, sind geradezu essenziell für eine gute Verdauung und zur Aufnahme der in der Nahrung enthaltenen Vitaminen und Mineralien.

Hier kommt auch die Empfehlung, im Allgemeinen und für Adipositas Operierte im Besonderen, ins Spiel, rund um eine Mahlzeit nichts zu Trinken, also den Magensaft nicht (noch) weiter mit Flüssigkeiten zu verdünnen und ihn damit seiner Funktion zu berauben.

Zudem erscheint es mehr als wahrscheinlich, dass ein kleiner Magen auch deutlich weniger Magensaft beinhaltet. Und das verkleinerte Magenvolumen verschiebt zusätzlich den ph-Wert ins Alkalische (nach Bypass-OP auf pH 6). Das verändert nicht nur die Freisetzung magensaftresistenter Arzneien, sondern bewirkt auch, dass etwa handelsübliche Kalziumpräparate die Kalziumcarbonat enthalten nicht aufgenommen werden können und hier die Empfehlung zu Kalziumcitrat tendieren, welches sich auch ohne Magensäure auflöst.

Desweiteren kommt hinzu, dass sich, bei einem ph-Wert über 1,6 der Mageneingang, bzw. der unterer Ösophagussphinkter, der Übergang von der Speiseröhre zum Magen, nicht mehr richtig schließt – was auch seine Aufgabe ist, schließlich soll er den aus der anderen Richtung kommenden neutralen Speisebrei in den Magen durchzulassen. Aus all diesen Gründen u.a. steigt selbst das, in den meisten Fällen, zu wenige an Magensaft die Speiseröhre hoch und verursacht Reflux.

Was mir ebenfalls nicht bewusst war ist, dass der Zwölffingerdarm (Duodenum), dessen Bereich sich an den Magen anschließt und durch den Magenpförtner getrennt wird, ph-Werte zwischen 7 und 9 aufweist. Dieses neutral bis leicht alkalisch Milieu braucht es damit Verdauungsenzyme ihren Dienst tun können. In den Bereich es Duodenums münden auch der Haupt-Gallengang und der Bauchspeicheldrüsengang.

Im Hinblick auf all‘ diese Informationen und angesichts meiner Probleme mit der Verdauung ist es schon irgendwie sträflich, dass ich bisher nie über Magen und Darm hinausgeschaut habe, sondern Leber und Bauchspeicheldrüse lediglich isoliert wahrgenommen habe. Verdauung ist eben mehr als „nur“ der Magen und der Darm.

Link-Tipp: Julia Tulipan – Magensäuremandel (https://juliatulipan.com/magensaeuremangel/)

Lese-Tipp: Jonathan V. Wright – Ein Lob der Magensäure

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Ich und GERDIch und GERD

Und was nun?

Nach meiner Diagnose habe ich mich zunächst einmal gegen die Einnahme von Protonenpumpenhemmer entschieden. Es ist zwar nicht so, dass ich sie grundsätzlich (für eine Kurzzeit-Therapie) ablehne, ich bevorzuge es jedoch erst einmal einen ganzheitlichen Weg zu beschreiten, bevor ich, sollte keine Besserung eintreten, auf Medikamente zurückgreife.

So habe ich zunächst damit begonnen genauer als zuvor darauf zu achten, was ich essen, wann ich was esse und wie es mir damit geht. Ich habe nach und nach alles weggelassen was mir nicht bekommen ist und meine Ernährung auf das reduziert, nach dessen Genuss es mir (zunächst) gut ging. Da ich dabei immer zero carb und immer einseitiger wurde, blieb das für mich nicht ohne Folgen und ich hatte mit Elektrolyte Dysbalancen und Histamin Reaktionen zu kämpfen. Diese Zusammenhänge habe ich nach wie vor nicht vollkommen verstanden, in der Folge erschien es mir jedoch logisch wieder anzufangen kleine und sehr ausgesuchte Mengen an Ballaststoffen und Kohlenhydraten in meinem Speiseplan aufzunehmen. Nach den Grundsätzen einer Elimination-Diät habe ich mich dabei auf sehr wenig Gemüse (1 Tasse pro Tag), Reis und Süßkartoffel (2 Esslöffel pro Tag) konzentriert und immer nur eine Sorte eingeführt.

Neben besagter Menge an Reis und Süßkartoffel, haben bisher Karotten (gekocht, nicht als Rohkost), Kürbis, Spargel, Frühlingszwiebel, Zwiebel und Pilzen (jedoch nur kleine Mengen), Avocado, saure Gurken und eingelegte Rote Beete (hergestellt vom Bauernhof meines Vertrauens), sowie Blaubeeren, den Test überstanden und bereichern wieder meinen Speiseplan.

Neben nahezu allen Gewürzmischungen in meinem Schrank, Sprossen und Gerichte auf Tomatenbasis, haben sich für den Moment Mangold, Spinat, Paprika, Fenchel, Brokkoli und Blumenkohl disqualifiziert. Meine aktuell rundum Wohlfühlmahlzeit ist Rinderhack (vom Bauernhof meines Vertrauens), mit Spiegelei und Avocado.

Ich habe mir ein naturheilkundliches Arzneimittel besorgt in der Hoffnung damit das Sodbrennen zu bekämpfen und die gereizte, entzündete Magenschleimhaut zu beruhigen. Zusätzlich trinke täglich 1 bis 2 Tassen basischen Kräutertees und nutze mein abendliches tägliches Magnesium-Supplemente strategisch dann, wenn sich doch einmal ein Reflux andeutet. Dessen hervorragende neutralisierende Wirkung hat mir deutlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, dass ich diese Supps weit entfernt von Mahlzeiten einzunehmen.

Besonders spannend war mein Experiment mit einer 2-monatigen Verdauungs-Enzym Kur, der ich aktuell die Gabe eines Probiotikums daraufsetzte. Zwar schieße ich damit ins Blaue, dh. ist habe vorher keine Stuhlanalyse machen lassen und einfach irgendein Präparat gewählt, doch der subjektiv empfundene Erfolg war bisher überwältigen und ich spüre eine deutliche Verbesserung.

So konnte ich, in den letzten drei Monaten meine „heart burn“-Symptome (Brennen hinter dem Brustbein) signifikant, von mehrmals täglich, über Stunden hinweg, hin zu max. 1-2 „Anfällen“ pro Woche, die sich in der Regel nur kurz andeuteten und genauso schnell wieder abflauen, reduzieren. Bliebt nun nur noch abzuklären, ob meine Maßnahmen sich auch tatsächlich positiv auf die Magenschleimhaut- und die Speiseröhren-Entzündung ausgewirkt haben. Dazu steht im April ein weiterer Besuch beim Gastroenterologen an.

Fortsetzung folgt…

Erläuterung

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Kennzeichnung als Werbung, wegen Markennennung. Ich habe die hier aufgeführten Produkte selber gekauft und berichte freiwillig darüber. Diese Zusammenfassung spiegelt meine eigene Meinung wider. Grundsätzlich muss in einem solchen Fall nicht gekennzeichnet werden. Es könnte jedoch der Eindruck entstehen, dass ich die hier aufgeführten Produkte aktiv bewerbe, und in diesem Fall eine fehlende Kennzeichnung abmahnbar wäre.

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