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Stress

Ich habe für mich eine Weile gebraucht, um mögliche Zusammenhänge zu deuten, doch alle meine Erfahrungen und Beobachtungen mit Stress an mir selbst, laufen letztendlich auf die überhöhten Erwartungen, die ich an mich selber stelle und meinen, damit verbundenen ungesunden Perfektionismus hinaus. Auch die Rückenschmerzen, die mich aktuell quälen.

von Perfektionismus über Stress zu Rückenschmerzen

Bis Sonntagnachmittag, als ich mir nach dem Zumba und der daraufhin wohl verdienten Dusche die Schuhe zu binden wollte, lief eigentlich alles super. Dann jedoch hatte ich mit einem Mal so derartige Schmerzen im unteren Rückenbereich, dass ich mich kaum noch vorbeugen konnte, um an die Schuhbändel zu kommen.

Heute eine gute Woche später bewege ich mich immer noch unter Schmerzen, glücklicherweise mit einer Tendenz zur Besserung. Und ich hatte viel Zeit darüber nachzudenken, wie das alles um Himmelswillen passieren konnte.

Die Meinung meines Arztes dazu war übrigens Bandscheiben, Spritze, schonen und Tschüss. Und ich kann es ihm seine Reaktion aktuell nicht verdenken. In Zeiten von „Corona“, in denen jeder verrücktspielt und Ärzte und Gesundheitswesen auf eine harte Probe gestellt werden, kann man so was Lapidares und alltägliches wie Rückenschmerzen schon mal nebensächlich abhandeln; tatsächlich habe ich auch lange gezögert überhaupt einen Arzt damit zu belästigen.

Allerdings habe ich den Verdacht, dass ich auch zu anderen Zeiten ähnliches erlebt hätte, schließlich ist die Medizin, in ihrem Fokus heute, darauf ausgelegt akute Schmerzen zu beseitigen, aber nicht die Ursachen.

Ich habe mir keine Spritze geben lassen. Sondern mich warm eingepackt, gemäßigt bewegt und ein wenig zum Thema im Internet gestöbert. Die Ruhe, die Wärme und die kleine Übungsroutine, aus Dehnübungen, die ich mir aufgebaut habe, haben letztendlich das ihre getan.

Drei Stichwörter, auf die ich die Tage gestoßen bin, die ich für bedeutend halte, „Perfektionismus“, „Stress“ und „Faszien“ habe ich jedoch im Kopf behalten.

Zitat: Faszien

„Bei Rückenschmerzen liegt somit häufig die Ursache nicht hinten im Rücken, sondern in unserer verkürzten vorderen Körperseite.“

„So lassen Stressbotenstoffe unsere Faszien verkürzen und verfilzen und deren Grundspannung steigern. Dies macht uns anfällig für Verletzungen.“

„Eine gewisse innere Gelassenheit hingegen kann unsere Körpergrundspannung reduzieren.“

www.functional-training-magazin.de

Perfektionismus

Ich bin ein perfektionistischer Mensch. Und das finde ich grundsätzlich erst einmal positiv.

Ich erkenne jedoch mehr und mehr, dass der Fehler darin liegt, dabei überdurchschnittliches von mir zu erwarten, womit ein Scheitern vorprogrammiert ist und mein Urteil knallhart und unnachgiebig daherkommt.

Selbstverständlich setzte ich diesen Maßstab nicht für andere an. Für sie gilt: Niemand muss perfekt sein.

Sehr vereinfacht dargestellt, vermute ich, dass hinter alledem die Annahme steht, Anerkennung durch überdurchschnittliche Leistungen holen zu müssen. Betrachte ich diese Problematik genauer, klingt sie für mich absolut logisch und nachvollziehbar.

Zitat: Perfektionismus

„Liebst du Menschen nur aufgrund ihrer Leistungen? Bestimmt nicht. [….] Du brauchst nicht immer alles geben, musst nicht alles unter Kontrolle haben und darfst dich ruhig auch einmal zurücklehnen und einfach nichts leisten.“

www.honigperlen.at

Reiß dich einfach mal zusammen

Letzte Woche kam mal wieder alles zusammen. Obwohl das Training gut lief und ich mich wirklich gut dabei gefühlt habe, habe ich doch merken können, dass ich meinen Körper (in den Wochen davor) aufs äußerste gefordert hatte. Problem war, dass ich das, erst richtig erkannt habe, als mein Körper mir das mit (Rücken-)Verspannung deutlich gezeigt hat.

Ein gestresster Student, ein genervter Ehemann, eine verrückt gewordene Welt, schlechter Schlaf und die persönliche Tendenz für alles die Verantwortung aufzunehmen und den Anspruch zu haben, immer mehr als 100% leisten zu müssen, hat sein Übriges getan. Mir unterliefen Fehler, ich habe mich dafür aufs äußerste kritisiert und alles nahm seinen Lauf.

Dass ich den Punkt, mal wieder nicht erkannt habe, an dem ich mich überfordere und einen Gang hätte zurückschalten sollen, lag und liegt, so vermute ich, vor allem daran, dass „Reiß dich einfach mal zusammen“, die Empfehlung, die ich dazu verinnerlicht habe und die mir immer als Erstes einfällt.

Und an diesem Punkt geht es in der Regel erst richtig los bei mir: ich greife zu dem einzigen Trost, der mich noch nie im Stich gelassen hat: Essen und schlucke alles runter. Ich fühle mich schlecht, schlafe nicht gut, mache mir Vorwürfe, mein Stresslevel steigt und die Spirale, in die ich falle, wird tiefer.

weitere Beobachtungen

Interessanterweise hatte ich die Tage keinen Fressanfall; was ich meiner Motivation durch den ZUKI 2020-Kurs und meinem noch frischen Wiedereinstieg ins low carb zuschreibe. Ich bin jedoch nicht so entspannt, dass ich den inneren Druck etwas runterschlucken zu wollen, nicht bemerken würde.

Allerdings konnte ich in den Morgenstunden der Nacht vor dem Auftreten der akuten Verspannungen auch wieder Wadenkrämpfe feststellen. Und dass, obwohl meine neuen Maßnahmen (siehe dazu Wadenkrämpfe) bisher ganz gut gegriffen zu haben scheinen.
Aber vielleicht sollte ich meinen Stress-Faktor mit in mein Wadenkrämpfe-Tagebuch aufnehmen?

Rückblickend gesehen, wird also deutlich, dass ich die letzten 14 Tage unter großer Anspannung stand.

Zitat: Stress

We can mistakenly believe that our limitations and imperfections are obstacles to our mental health, happiness, and peace of mind.

Jennifer Kunst, Ph.D. (2014)

Verspannung lösen

Mein Körper hat mir dies Mal so richtig die rote Karte gezeigt und mich damit sehr effektiv ausgebremst. Blieb ihm wohl auch nichts anderes übrig, oder? Hätte ich sonst auf ihn gehört? Wahrscheinlich nicht.

Umso mehr körperlicher und/oder seelischer Stress bei mir zusammenkommt, desto heftiger die Reaktion meines Körpers. Eigentlich logisch. Und doch habe ich bisher jede Folge, zb. Rückenschmerzen, immer isoliert gesehen und dabei nie das ganze System betrachtet.

Dieses Mal habe ich genauer hingesehen und fasziniert erkannt, wie sich durch Dehnen der vorderen Körperpartien und der (zunächst „erzwungenen“, im Verlauf dann „akzeptierten“) körperlichen und mentalen Ruhe, sich meine Rückenschmerzen zu lösen begannen.

Die Frage ist nun nur wie ich diese Erkenntnis für mich gewinnbringend umsetzten kann?

Dort anzusetzen, wo der meiste Druck bei mir herrscht, scheint mir da sinnvoll: überhöhte Erwartungen an mich, Perfektionismus, der Wunsch nach absoluter Kontrolle und die Tendenz, mir alle Probleme meiner Umwelt aufzubürden.

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