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5 geänderte Meinungen

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Man hat mir einmal vorgeworfen „Ein Fähnlein im Winde zu sein.“ und Meinung und Marschrichtung zu wechseln, wie Unterwäsche. Doch ich finde nichts daran, mich entsprechend meiner aktuellen Erfahrung oder einer neuen Informationslage zu richten. Und schließlich muss man sich ausprobieren um herauszufinden, was einem gut tut, oder nicht?

Ich verstehen aber auch, dass die anderen da natürlich gar nicht so schnell mitkommen. Zudem werden Veränderungen nun einmal als störend wahrgenommen, weil sie eine neue Einordnung der Situation erfordern. Zusätzliche Rechenleistung, die das Gehirn nur ungern erübrigt; soweit mein Verständnis der psychologischen/soziologischen Seite.

Vielleicht hilft es, wenn ich an dieser Stelle einfach mal 5 meiner geänderten Meinungen festhalte, bzw. die aktuelle Version davon? Wer weiß schon, welche Erkenntnisse ich in 3 Jahren zu diesen Statements für mich gefunden habe?

Vorher: „Kohlenhydrate sind der Teufel. "

„Ich werde mich nie wieder anders als low carb ernähren.“

Sprach die, die heute Pre-Workout Karotten mit Reis und Post-Workout Hüttenkäse mit Banane gegessen hat. Und 2 Stücke Apfel-Dinkel-Kuchen gab‘s heute auch noch.

Dabei war es gar nicht so einfach, meine gut gepflegte und einst auch sehr hilfreiche KH-Phobie wieder abzulegen. Immer noch schwingt da ein „schlechtes Gewissen“ mit, wenn ich die einst von mir so verteufelten Makronährstoffe in größerer Menge genieße.

Und ja, es hat auch ein wenig gedauert, bis ich mich wieder an mehr KHs gewöhnt hatte. Ich musste sie genauso langsam wieder einschleichen, wie ich sie einst ausgeschlichen habe. Und ich muss (weil es mir ansonsten schlecht ergeht) genau darauf achten, in welche Art von Kohlenhydrate ich meine Kalorien anlege.

Ich bin von meinem „immer low carb-Trip“ abgekommen, als ich nach mehrmaligem Ausprobieren erkannt habe, dass mir Keto oder lchf (zu dem Zeitpunkt) nicht gut getan hat und ich auch mit low carb nicht mehr vorangekommen bin, ja es sogar kontraproduktiv zu sein schien (ich nahm zu) und sich ungünstige auf meine Schilddrüsenwerte (und mein Befinden) auszuwirken begann.

Oh, zu Beginn meiner Abnahme war low carb, dann sogar striktes low carb für mich ideal. Ach was, es war einfach perfekt. Es hat mir, meinem Leben, meinem Darm und meiner Abnahme in jeder Hinsicht gut getan. Ich liebe low carb und ich genieße low carb und es wird immer meine erste Wahl als Empfehlung für einen Diätansatz für stark Übergewichtige und immobile Patienten sein – aber ich bin schon eine Weile nicht mehr low carb unterwegs und es geht mir (zu diesem Zeitpunkt) einfach gut damit.

Nachher: „Kohlenhydrate sind nicht der Teufel. "

„In einer verträglichen Menge und Auswahl und in dem Maße, der benötigt wird genossen, passen sie (heute wieder) gut in meine Ernährung.“

Vorher: „Mit meinen Knien (Arthrose) kann ich nicht Joggen.“

Und überhaupt joggen ist eh nicht gut, für die Gelenke und die Gesundheit! Jetzt sind wir mal ehrlich, warum habe ich das gesagt? Weil ich neidisch war. Mein Leben lang. Auf die die gejoggt sind. Ich fand schon immer – ganz im Stillen versteht sich, zugegeben hätte ich so was NIE, NIE im Leben – dass Laufen, Rennen, Joggen einfach nur cool ist. Ich habe im Oktober sehr langsam mit dem Laufen-Üben angefangen und heute bin ich das erste Mal 2 x 5 min, mit einer 3 Minuten schnellen Geh-Pause dazwischen, zum Puls wieder runterbringen, auf dem Laufband gejoggt – mit kleiner Steigung. Sicher, dass ist (noch) nicht „viel“, doch für mich ist es „die Welt“ – und das ist alles was zählt.

Nachher: „Ich kann Joggen. Warum nicht, wenn ich will? "

„Das war die Aussage meines Sportmediziners im letzten Oktober. Und tatsächlich, ganz langsam angefangen und sehr mäßig dosiert, jogge ich heute mehrere Intervalle, während meiner 2-3 x wöchentlichen Cario-Einheit, die mein aktueller Trainingsplan vorsieht.“

Vorher: „Ich bin ein Sport-Muffel."

„Und zum Abnehmen brauche ich eh keinen Sport.“

Heute bin ich nach 45 min moderat anstrengendem Cardio, plus Bizeps/Trizeps und Bauch-Workout in bester Laune und der Gewissheit, dass das heute so richtig Spaß gemacht hat, vom Studio nach Hause gelaufen. Gelaufen! Nicht mit dem Auto gefahren, sondern nach Hause gelaufen! Und währenddessen bin ich im Kopf bereits das Beine/Po-Workout für morgen durchgegangen. Das klingt für mich nach viel, aber definitiv nicht nach Sport-Muffel.

Und sicher, wenn man abnehmen will braucht es keine Unterstützung durch Sport. Ganz im Gegenteil, übermäßiger (an Missbrauch grenzender exzessiver) und dem falschen (im Sinne von passt nicht auf mich) Sport, wird nicht helfen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Er wird alles nur noch schlimmer machen.

DOCH effektiv und richtig dosiert eingesetzt, mit Plan und Ziel, wird er ganz neue Welten öffnen (dazu muss man nur mich anschauen. Und wenn man es dann immer noch nicht glaubt, mich mit anderen in ähnlicher Situation vergleichen); übrigens inkl. Spaß, der irgendwann von alleine dazu kommen.

Nachher: „Sport macht Spaß!"

„Nie, nie hätte ich es glaubt, dass ich so etwas einmal aussagen würde und von ganzem Herzen auch so meinen würde. Aber es ist die Wahrheit.“

Vorher: „Meine Füße werden beim Abnehmen nicht kleiner.“

Ich lebe schon immer „auf großem Fuß“;  das habe ich von meinem Papa geerbt. Und nein, Damenschuhgröße 46 zu haben ist kein Spaß. Und immer Herrenschuhe tragen zu müssen auch nicht. Sicher es gibt höchst bequeme Herrenschuhe und Sportschuhe auch für Herren, aber eben nicht in den guten Farben und den hübschen Designs. Sondern in Schwarz. Black ist eben beautiful? Eher nicht, wenn man die „pinken Pantöffeln“ haben will.

3 Jahre nach dem ich meine Abnehmreise begonnen habe und es hat tatsächlich 3 lange Jahre bei mir gedauert, trage ich heute Größe 44. Das ist zwar immer noch nicht lustig, aber dank regionalen Schuh-Übergrößenanbietern, für die Größe 44 noch in der Norm ist, 46 ist nämlich auch für Übergrößen-Anbieter grenzwertig, finde ich heute mitunter auch „hübsche“ Schuhe in den „richtigen“ Farben.

Nachher: „Ich habe heute 1 1/2 Schuhgrößen weniger."

„Keine Schuhe mehr in Größe 46 auswählen zu müssen, sondern in der (im Gegensatz dazu) reichhaltigen Auswahl der Größe 44 stöbern zu können, ist der Wahnsinn!“

Vorher: „Ich werde es nie schaffen abzunehmen.“

Tatsächlich hätte ich es nie geschafft abzunehmen, wenn ich es weiterhin so versucht hätte, wie ich es habe. Ich habe an mir selbst erlebt und ich bin heute davon überzeugt, dass Menschen, wie ich, die ihr Leben lang stark übergewichtig waren, anders abnehmen müssen und mit „weniger essen“ und „mehr Sport“ machen, eben nicht hinkommen. Oder sagen wir mal, nicht weit kommen.

Das vertrackte dabei ist, dass, meiner Meinung nach, grundsätzlich an „weniger essen, mehr Sport“ als Diätform nichts auszusetzen ist und das es natürlich auch genauso funktioniert. Aber eben nicht für alle Menschen so tut; insbesondere besagte Lebenslang-stark Übergewichtige.

Unterschiedliche Menschen brauchen unterschiedliche Konzepte; deswegen Regel Nr. 1 wenn man stark übergewichtig ist und abnehmen möchte: Vergiss alle „gut gemeinten“ Ratschläge und Mythen, die du bisher über Ernährung geglaubt hast. Regel Nr. 2: sei dir bewusst, dass du deine Ernährung und deinen Lebensstil ändern musst. Es führt kein Weg, keine Pille und keine Operation daran vorbei. Regel Nr. 3: Nenn es wie du magst … Bewegung, Sport … aber es muss ein nicht unerheblicher Teil deines Lifestyles werden.

Einfache Regeln, aber gar nicht so einfach wirklich und wahrhaftig zu akzeptieren und umzusetzen;  ich zumindest habe eine ganze Weile daran „kauen“ müssen.

Nachher: „Ich habe abgenommen."

„Aber trotzdem ist nichts einfacher geworden. Ich kämpfe immer noch jeden Tag mit dem Thema Essen, habe aber mittlerweile eine gewisse Toleranz dafür aufbauen können, dass es mein ewiger Begleiter bleiben wird und ich mich irgendwie damit arrangieren muss.“

Zum Abschluss noch ein kleiner fun fact, über die körperlichen Veränderungen, die man nach Jahre nach einer starken Abnahme durchlaufen kann.

Vorher: „Bald passe ich in diesen Blouson.“

Es ist natürlich ärgerlich, dass meine Füße nach Jahren so zu schrumpfen beginnen, dass mir die teuren Schuhe in 46 heute zu groß sind. Aber dass mir das mit einem Blouson passiert, in umgekehrtem Sinne, damit hätte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.

Diesen Blouson habe ich gekauft, als mein Gewicht auf der Stelle zu verharren begann und sich die Möglichkeit bot nun in etwas hochwertigere Kleidung zu investieren, als die, die ich während meiner starken Abnehm-Phase aus Kostengründen genutzt hatte. Es war mir damals noch ein wenig eng um den Bund, aber ich dachte, dass bekommst du schon noch weg und dann passt das Teil perfekt. Zudem ist dieses altrosa genau meine Farbe. Sprich ich wollte diesen Blouson unbedingt.

Gestern habe ich ihn aus dem Schrank geholt, weil er farblich perfekt zu meinem T-Shirt gepasst hätte. Hätte – denn ich bin in das Ding kaum reingekommen. Oh, am Bund saß der Blouson perfekt! Aber meine Schultern haben das Teil beinahe gesprengt!

Angenommen ich hätte das Atmen UND das Bewegen, den Tag über stark eingeschränkt, dann hätte ich durchaus im Blouson verharren können.

Nachher: „Ich werde nie (und will auch nicht mehr) in diesen Blouson passen."

Unglaublich was ich an den Schultern zugelegt habe UND wie stolz ich darauf bin!

Aber eh, nun kommt mir nicht damit, dass das nun ja nicht mehr weiblich oder gut aussähen könne! Oh doch, tut es. Meine Schultern sind definitiv der optisch eleganteste und schönste Teil von mir.

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