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Der einfache Weg

Vor meiner Adipositas-OP, war ich der Meinung, dass mit einer Adipositas-OP der einfache Weg gewählt wird. Ich war überzeugt davon, dass Abnehmen weh tun muss – Entbehrung, Entsagung und Hunger waren meine Buße für zu viel Essen. Ich weiß nicht genau, wann sich das für mich geändert hat; auf jeden Fall hat es noch einige Jahre nach OP gebraucht, bis ich endlich über so viel martialischen Unfug nur noch den Kopf schütteln kann.

Bewusst geworden ist mir das, als ich jüngst in Connie Stapletons Buch „Thriving! Triumph over Trauma“ wieder einmal über „the easy way out“ gestolpert bin. Die Psychologin arbeitet seit vielen Jahren mit Übergewichtigen und ist heute auf Patienten vor und nach bariatrischer OP spezialisiert. Das Buch wurde 2012 veröffentlicht und mag vielleicht hier und etwas an seiner Aktualität eingebüßt haben, doch die grundsätzliche Problematik hat nach wie vor Bestand. Auch zu ihr kamen damals (und heute vermutlich immer noch) Patienten, die eine Adipositas-OP als den einfachen Weg verurteilen.

Es mag ein wenig plakativ sein, wenn Stapelton anführt, dass, sich, die Unterstützung von einer Adipositas-OP zu holen, nichts anderes ist, als ein Raucher der Nikotinpflaster zur Rauchentwöhnung nimmt, ein Alkoholiker, der sich in ein Suchtprogramm begibt, ein Einkaufssüchtiger, der sich Hilfe bei einer Finanzberatung sucht oder Eheleute, die eine Partnerberatung aufsuchen. Zurecht fragt sie, ob es sich damit – der Raucher, der Alkoholiker, der Kaufsüchtige oder die Eheleute – einfach machen. Und sind wir dann nicht zudem stolz auf die, die um Hilfe gebeten haben? Warum erkennen wir das bei Übergewichtigen nicht ebenso an?

Ist es, den einfachen Weg gehen, wenn sich Übergewichtige in ein multi-modales Konzept zur Vorbereitung einer OP begeben? Sich vielen Untersuchungen unterziehen, Atteste in Auftrag geben und eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragen? Ist es den einfachen Weg wählen sich Leber- und Protein-Kuren zu unterziehen oder Flüssigphasen vor OP zu durchlaufen?

Patienten sind sich der Risiken einer solchen OP durchaus bewusst. Sie kennen die Komplikationen und Probleme, die nach OP auftreten können und sie sind sich der Tatsache bewusst, dass sie eine OP nicht vor einer Wiederzunahme schützt. Ein Leben lang auf die Ernährung achten, sich regelmäßig bewegen und einem Sportprogramm folgen, ist das den einfachen Weg nehmen?

Und dann ist da auch noch der Detox den die Autorin thematisiert, die emotionalen Probleme durch den rapiden Gewichtsverlust, der Ansturm der Gefühle, die bisher immer gut unter Essen verborgen waren und der tatsächliche Detox, wenn die Fettspeicher geleert werden, in denen der Körper Toxine lagert, die er nicht sofort abbauen kann. Und welche Fett-Leber kann schon die volle Entgiftungsleistung bringen?

Mir war diese Problematik nicht klar und sie hat mich völlig überrannt. Ich habe in meinem Beitrag „Wut …. auf alles“ bereits thematisiert. Rückblickend gesehen wäre der einfache Weg für mich gewesen alles beim Alten zu belassen.

Vielleicht lag es an meiner De-Carb-isierung (wie es der Adipositas-Chirurg Dr. Ariel Ortiz nennt, der eine low carbe Ernährung für seine bariatrischen Patienten für obligatorisch sieht), die ich durchlaufen habe, an der ausreichenden Protein-Menge, die ich dank low carb immer auf meinem Teller hatte, an meinem konsequenten Bewegungsplan oder am Kraftsport, den ich mit viel Hingabe und der notwendigen Intensität betrieben habe – dass ich die ersten Jahre nach OP als Kinderspiel verstanden habe. Vermutlich spielt auch eine Rolle, dass ich die ersten Jahre nach OP keine Komplikationen oder gesundheitlichen Probleme hatte.

Ich hatte Glück, abnehmen mit einer OP im Rücken war für mich einfach. Und doch war es kein einfacher Weg. Und der steinige Weg kam dann doch noch. 7 Jahre nach OP beginne ich nun wieder aufzustehen und meine Krone zu richten. Und dank meiner Erfahrungen und meiner OP fällt mir das heute deutlich leichter.

Der einfache Weg? Nein, keineswegs.

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